Nolde und die Brücke

Gemälde und Graphiken stehen im Werk von Emil Nolde und den Brücke-Malern gleichwertig nebeneinander, daher hat Kuratorin Dr. Annette Weisner sie auch in der Ausstellung miteinander kombiniert. Im Vordergrund das Gemälde „Im Korn“ von Emil Nolde (1906). FOTO: EVA-MARIA KARPF

Kiel. Sie gehören zu den großen Namen in der Kunst und sind Schleswig-Holstein eng verbunden: Emil Nolde und der Künstlergruppe „Brücke“ widmet sich die neue Ausstellung der Kunsthalle, die bis zum 2. April zu sehen ist. An rund 140 Gemälden und Grafiken zeigt sie, warum Nolde 1906 Mitglied der Dresdner Gruppe wurde, wie man sich gegenseitig inspirierte und warum die Wege sich nach 20 Monaten wieder trennten.

„Wir betrachten damit eine Zeit, die entscheidend war für die Entwicklung dieser Künstler“, sagt Kunsthallen-Direktorin Dr. Anette Hüsch. Dank der Kooperation mit dem Museum der bildenden Künste Leipzig, dem Brücke-Museum Berlin und der Nolde-Stiftung Seebüll können herausragende Werke von Emil Nolde sowie von Karl Schmitt-Rottluff, Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl, Erich Heckel und Max Pechstein aus den prägenden Jahren 1903 bis 1912 gezeigt werden. Kuratiert hat die Ausstellung Dr. Annette Weisner, die Leiterin der Graphischen Sammlung.

Emil Nolde war rund 15 Jahre älter als die fünf Dresdner Architekturstudenten, die 1903 die „Brücke“ gründeten. Alle einte die Begeisterung für Vincent van Gogh, dessen Malerei sie nacheiferten. Nach einer Nolde-Ausstellung in Dresden lud Schmitt-Rottluff dem Maler, der zu dieser Zeit frisch verheiratet auf Alsen lebte, per Brief in die Brücke ein. „Ada Nolde hat ihren Mann ermuntert, der Gruppe beizutreten, und in der Folge viele Fördermitglieder geworben“, berichtet Weisner. Dass Ada von den jungen Kollegen angehimmelt wurde, mag ein Grund gewesen sein, warum Nolde die Gruppe schließlich wieder verließ.

Die 20 Monate dazwischen waren jedoch eine Zeit intensiven künstlerischen Austausches. Die Ausstellung zeigt das anhand von Bildthemen, die von allen Künstlern gemalt wurden: Windmühlen, Küstenlandschaften, Aktdarstellungen, Stillleben. Man sieht, wie außer van Gogh auch die französischen Impressionisten, Jugendstil und japanische Kunst als Vorbilder dienten. Mit schnellen, freien Strichen in leuchtenden Farben werden die Eindrücke verarbeitet, und oft hilft nur der Blick auf das Namensschild, um zu entscheiden, was von wem stammt.

Graphische Arbeiten machen etwa zwei Drittel der gezeigten Werke aus, was ihren Stellenwert sowohl bei Nolde als auch bei den Brücke-Künstlern unterstreicht. „Wie in den Ölgemälden experimentierten die Künstler mit den traditionellen Medien Holzschnitt, Radierung und Lithographie, um neue Formen zu finden“, sagt Annette Weisner. „Nolde hat bei der Brücke den Holzschnitt für sich entdeckt.“ Trotz seiner großen Liebe zur Farbe wurde ihm das Schwarz-Weiß des Holzschnitts zum wichtigen Ausdrucksmittel.

Einige Bilder aus der Zeit nach der Trennung machen deutlich, dass bei allen Gemeinsamkeiten Noldes Weg doch in eine andere Richtung ging. Während die Brücke-Maler zunehmend mit schwarzen Umrissen die Formen betonten, löste Nolde die Formen immer weiter auf. „Sein Bild der tanzenden Kinder ist nur noch Bewegung“, meint Anette Hüsch.

Briefe und Dokumente aus der Nolde-Stiftung ergänzen die Ausstellung, zu der nicht nur ein umfangreicher Katalog erschienen ist, sondern auch ein Begleitheft für junge Besucher. Den Text für den Audioguide hat Tatort-Darsteller Axel Prahl eingesprochen. emk

Bis Montag, 2. April, in der Kunsthalle zu Kiel, Düsternbrooker Weg 1, Kiel. Eintritt 7 Euro, ermäßigt 4 Euro. Informationen unter Tel. 0431/8805756 und unter www.kunsthalle-kiel.de