Neustart – Alles auf Anfang

Jan Czerny (li.) und Felix Hoch bereiten Räume in der Festung Friedrichsort für Czernys Küstenbrauerei vor. FOTO: WIN

Teil 4: Der Sprung in die Selbstständigkeit

Kiel. Wissenschaft und Genuss – der promovierte Meereswissenschaftler Jan Czerny hat sich vorgenommen, beides zu verbinden.

Er eröffnet in der Festung Friedrichsort die erste Kieler Bierbrauerei mit angeschlossener Whiskydestille.

Einen Preis hat er für seine Idee schon bekommen: Kürzlich nahm er erfolgreich am Kieler GründerCup teil.

Meeresbiologie und Whisky? Spontan fallen da vielleicht physiologische Alkoholportionen zum Erwärmen der Gliedmaßen nach langen Tauchgängen und rauer See ein. Bei Jan Czerny stellt sich die Verbindung anders dar: „Ich bin leidenschaftlicher Hobbykoch und braue seit Jahren Bier selbst“, so der Vater zweier Kinder.

Der Sprung in die alkoholische Selbstständigkeit ist eine Zäsur im Leben des aus dem Taunus stammenden Wissenschaftlers. „In den vergangenen Jahren habe ich in der Meeresbiologie gearbeitet“, so Czerny. Und das, wie in der Wissenschaft oftmals üblich, mit Projektverträgen. „Ich war oft auf Expeditionen, auf Hawai, in Spitzbergen, Gran Canaria.“ Bis zu einem halben Jahr unterwegs in der Welt, entsprechend selten zu hause in Kiel. Gemeinsam mit seiner Frau Jasmin, ebenfalls promovierte Meeresforscherin, hat er nun zwei Kinder. „Zeit, unbefristet zu denken“, schmunzelt der Bierbrauer.

In der Festung Friedrichsort hat er nun Räume gefunden, die seinem Traum entgegenkommen. Dort hat er Produktionsräume aufgeräumt, ein Lagerort für die Whiskyfässer wurde auch gefunden: „Es gibt dort einen Gang in einem Erdwall, den wir nutzen dürfen.“

Die Rohstoffe sowohl für Bier als auch Whisky sollen alle aus der Kieler Region kommen, Bauernhöfe rechts und links der Förde das Getreide liefern, das in einer kleinen Mälzerei dann weiterverarbeitet wird. Vermarktet werden sollen die dann entstehenden Biere direkt an Gastronomen in Kiel: Fassbier soll es sein, das aus der Festung Friedrichsort gerollt wird. Vier Sorten, Märzen, Pale Ale, Pils und Baltic Porter sind es geworden, alle unter dem klangvollen Namen „5 ½ Knoten“ vermarktet.

Eingerollt wurde auch ein Container mit den Destillierblasen – der größte, den es in Schleswig-Holstein zu diesem Zeitpunkt gebe, so Czerny.

Eine Frage ist noch offen: Warum Bierbrauerei und Whiskydestille in einem? Die Antwort ist recht einfach: „Die Prozesse sind bis zum Kochen der Würze, also dem Versetzen des Malzextraktes mit Hopfen, gleich.“ Erst danach trennen sich die Wege von Bier und Whisky.

Czerny führt sie wieder zusammen – und hofft, zur Kieler Woche die ersten Fässer ausliefern zu können. win

Mehr Infos unter www.czernys-kuestenbrauerei.de