Neuer Ernährungsrat für Kiel?

Fotos: Sabrina Aust Gemeinsam mit den Kieler Bürgern will der Initiativkreis einen Ernährungsrat gründen und so Konsumenten und Produzenten an einen Tisch bringen.

Kiel. Vom Feld bis zum Teller ist der Weg manchmal weiter als gedacht. Wer sich für ein transparentes und faires Miteinander mit regionalen Lebensmittelbetrieben einsetzen möchte, kann beim Kieler Ernährungsrat aktiv werden. Am 24. Januar findet die Gründungsveranstaltung im Rathaus statt.

Was der Mensch zum Leben braucht, sind Lebensmittel. Während die Wertschätzung für das tägliche Essen wächst, fehle es oftmals an Transparenz und Möglichkeiten, Produkte aus der Region zu beziehen. Mit der Gründung eines Ernährungsrates möchte der Initiativkreis „Ernährungsrat Kiel“ dem entgegenwirken und Stadtbewohner und Produzenten aus der Region vernetzen.

Kiel ist von vielen landwirtschaftlichen Flächen umgeben und doch zeigt sich diese natürliche Vielfalt nicht in den Supermarktregalen und Speiseplänen von Kantinen. „Was wir essen, soll sich in der Landschaft wiederfinden“, sagt Ina Walenda, Geschäftsführerin der NaturFreunde SH. Viele Landwirte mit kleinen Betriebe fühlten sich durch die angespannte marktwirtschaftliche Lage und der aktuellen Agrarpolitik unter Druck gesetzt, so Ernst Schuster, Obstbauer und Vorstand der Nordbauern S-H. Ein Ernährungsrat, wie er in den letzten Jahren auch in vielen anderen Städten entstanden ist, kann Alternativen für die Landwirte aufzeigen.

In Kiel sind bereits mehrere Initiativen zu dieser Thematik aktiv. Das Marktschwärmer-Prinzip wurde im letzten Jahr von Nele Markwardt gegründet. Bei diesem können Kieler regionale Produkte bestellen und einmal wöchentlich gebündelt im mmhio-Cafe abholen. „Der Konsument sollte die Chance haben, einfach zu konsumieren. Daher wollen wir vorhandene Netzwerke nutzen“, so Markwardt. Auch das Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) wird seit 2015 in Kiel bereits gelebt. Dabei treffen Bauern und Bäcker mit Stadtbewohnern eine Vereinbarung, dass diese an der Ernte der Betriebe teilnehmen und zahlen dafür einen festen Betrag, erklärt Anja Rolf, Mitglied bei den SoLaWi Schinkeler Höfen. Eine solidarische Partnerschaft zwischen Betrieben und Konsumenten schaffe Vertrauen und fördert die regionale Wirtschaft, so Nicoline Henkel, Umweltberaterin bei der Stadt. „Wenn die Betriebe einen gesicherten Absatz in der Region finden, könnten zudem Arbeitsplätze erhalten bleiben oder sogar neu geschaffen werden“, erklärt Christina Ax, Ideengeberin und treibende Kraft des Initiativkreises. Um einen Schritt in Richtung Ernährungswende zu gehen, müsse das Bewusstsein der Konsumenten geschärft werden, sagt Marie Delaperriére, Inhaberin von unverpackt und Vorstand von Zero Waste Kiel.

Am 24. Januar ab 17.30 Uhr lädt der Initiativkreis daher zur Gründung des Ernährungsrates ins Rathaus ein. Jeder Bürger kann sich mit eigenen Vorschlägen und Ideen zu Wort melden und aktiv am Rat teilnehmen. Um den Kontakt zu den verschiedenen Akteuren herzustellen und mit fachlicher Expertise weiterzuhelfen, steht die Gruppe des Initiativkreises gern als Ansprechpartner zur Verfügung.saa

Weitere Informationen gibt es unter www.ernährungsrat-kiel.de