Nationaler Aktionstag zur Legasthenie

Treten für Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwäche ein: Stefanie Johannsen (li.) informiert am 30. September in Preetz, Regine Lorenzen in Kiel. FOTO: HOP

Kiel. Um den von einer Lese-Rechtschreib-Störung (LRS) und Rechenstörung betroffenen Kindern eine Stimme zu geben, rufen der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie und die Deutsche Kinderhilfe am 30. September einen nationalen Aktionstag aus. In Kiel und in Preetz bieten die Ortsverbände an diesem Tag Informationen rund um die Teilleistungsschwächen.

Mit einem Infoangebot auf dem Preetzer Marktplatz möchte das Team des Ortsverbands Preetz am Samstag das Thema in die Öffentlichkeit bringen, aufklären und informieren. „Noch immer ist das ein Tabuthema, und Lehrer sind häufig zu wenig informiert“, sagt Ortsverbandssprecherin Stefanie Johannsen, selbst Mutter zweier betroffener Kinder. Für viele Kinder mit einer Legasthenie und Dyskalkulie sei die Schulzeit eine besondere Hürde, da sie die täglichen Anforderungen nicht bewältigen. Nicht ausreichend lesen, rechtschreiben und rechnen zu können macht es ihnen schwer, das Klassenniveau zu erreichen.

In vielen Fällen führt das dazu, dass die betroffenen Kinder keinen begabungsgerechten Bildungsabschluss erreichen. Seit über 40 Jahren engagiert sich der Bundesverband Legasthenie & Dyskalkulie für diese Menschen, um die Rahmenbedingungen in Schule, Ausbildung und Studium zu verbessern. „Die Kinder sollen nicht auf ihre Schwächen reduziert, sondern die Potenziale erkannt werden“, fordert die Kieler Ortsverbandssprecherin Regine Lorenzen. Die Themen der Diplomsozialpädagogin sind der LRS-Erlass an schleswig-holsteinischen Schulen, individueller Nachteilsausgleich und Begleiterkrankung. Eine frühzeitige Diagnostik und individuelle Förderung könne diesen Kindern viel Leid ersparen, so Lorenzen. „Ungefähr 40 Prozent der betroffenen Kinder entwickeln psychosomatische Folgeerkrankungen, die ihre Entwicklung stark beeinträchtigen können.“

Von einer Legasthenie und Dyskalkulie sind ungefähr zehn Prozent aller Kinder betroffen – auch hochbegabte. Die Diagnose wird oftmals viel zu spät gestellt, und die Kinder scheitern bereits in der Grundschule. Anhaltspunkte für eine LRS können sein: Das Kind liest und schreibt optisch ähnliche Zeichen falsch (b/d, p/q) oder überliest Buchstaben und Worte. In einem Text erscheint ein Wort in verschiedenen Schreibweisen, Lesen ohne den Sinn zu verstehen, schnelle Erschöpfung oder feinmotorische Probleme.

Kinder mit einer angeborenen Rechenstörung (Dyskalkulie) kommen mit den Grundrechenarten nicht klar. Ihnen fehlt das grundlegende Verständnis für Mengen, Gewichts- und Maßeinheiten. Sie haben auch Schwierigkeiten, die Uhrzeit korrekt zu benennen. Stefanie Johannsen: „Kinder mit einer Legasthenie oder Dyskalkulie haben Stärken, so wie jeder andere auch. Schulen sind gefordert, auf die besondere Situation der Schülerinnen und Schüler mit einer Legasthenie oder Dyskalkulie einzugehen!“

Auf dem Preetzer Marktplatz bietet die Ortsgruppe am 30. September von 10 bis 12 Uhr Informationen rund um das Thema Teilleistungsschwächen. Für Informationen ist Stefanie Johannsen unter Tel. 04342/8001963 zu erreichen.

In Kiel wird Regine Lorenzen in der Zukunftswerkstatt, Lerchenstraße 22, von 11 bis 13 Uhr informieren. Infos und Beratung rund um Legasthenie und Dyskalkulie auch unter Tel. 04347/708940. hop