Mit den Schmerzen nicht allein sein

Einmal im Monat trifft sich die Rheuma-Selbsthilfegruppe von Dieter Jacob (Mitte). Anne Gräfin von Schlieffen vom DRK-Ortsverein Altenholz (4. v. re.) ist von diesem Angebot ebenso begeistert wie die Rheuma-Patienten die sich dort austauschen können. Foto kae

Kiel. „Ist heute ein guter oder ein schlechter Tag?“, dies ist meist der erste Gedanke, den Rheuma-Patienten beim Aufwachen haben. Denn Rheuma ist eine unberechenbare Krankheit. Niemand weiß genau, woher sie kommt, was sie im Körper bewirkt, wann und wie sie auftritt, wie sie am besten zu behandeln oder gar zu heilen ist. Ärzte sind oft ratlos, Therapien häufig nutzlos. Deshalb hat Dieter Jacob vor einem halben Jahr eine Rheuma-Selbsthilfegruppe in Altenholz-Klausdorf ins Leben gerufen und ein Pendant dazu vor Kurzem auch in Kiel gegründet.

Dieter Jacob weiß, wie wichtig gerade bei der Krankheit Rheuma die Selbsthilfe ist: „Die Gespräche mit anderen Betroffenen, der Austausch über Symptome und Behandlungsmöglichkeiten und die Tipps und Ratschläge die man in den Gesprächen bekommt, sind für viele Patienten Gold wert.“ Etwa 1200 erfasste Rheuma-Erkrankte gibt es in Schleswig-Holstein. Viele von ihnen fühlen sich von der Medizin oft im Stich gelassen: „Die Ärzte verschreiben Medikamente und Bewegungstherapien, doch wenn sich dadurch nichts ändert, sind auch sie irgendwann ratlos“, so Jacob.

Der 80-Jährige leidet selbst an Gicht und weiß, welche Bedürfnisse Rheuma-Patienten haben: „Sie müssen vor allem raus aus der Isolation, dürfen nicht alleine zu Hause sitzen und resignieren. Dadurch wird die Krankheit nur schlimmer.“ Deshalb bringt er in seinen beiden Selbsthilfegruppen in Altenholz-Klausdorf und Kiel einmal im Monat Betroffene zusammen, gibt Gesprächs-Impulse und lädt manchmal auch Experten, wie Apotheker, Ernährungsberater oder Psychologen zu den Treffen ein.

Für Emmi Neufeld, die seit 60 Jahren an Rheuma leidet, war die Selbsthilfegruppe von Dieter Jacob so etwas wie ein Rettungsanker: „Mein Arzt hat mir gesagt, dass er mir nicht mehr helfen kann und ich wusste nicht mehr weiter. Doch als ich zum ersten Mal hierher kam, merkte ich, dass es andere Menschen gibt, denen es genauso geht und dass ich mit meiner Krankheit und den Schmerzen nicht allein auf der Welt bin.“

Wie ihr geht es auch den anderen Teilnehmer. Sie teilen ihre Sorgen, machen sich gegenseitig Mut und haben oft hilfreiche Tipps für die anderen parat. So weiß eine Dame, wo es noch freie Plätze für die Wasser-Therapie gibt, eine andere berichtet von der Ernährungsumstellung, die ihr geholfen hat, und eine Dritte hat ein neues Medikament ausprobiert, von dem sie begeistert ist. „Der eine kann hier vom anderen lernen und erfährt Dinge, die ihm vielleicht irgendwie helfen“, erklärt Dieter Jacob.

Der 80-Jährige ist froh, dass er bei seinen Gruppen in Altenholz und in Kiel vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) unterstützt wird und deren Räumen nutzen kann. Und Anne Gräfin von Schlieffen, stellvertretende Vorsitzende des DRK-Ortsvereins Altenholz, weiß wie wichtig das Angebot für die Betroffenen ist. Sie freut sich, auf diese Weise dazu beitragen zu können, das Leben der Rheuma-Patienten zu erleichtern.

Bisher gibt es nur drei Rheuma-Selbsthilfegruppen in ganz Schleswig-Holstein. Doch Dieter Jacob hofft, dass es bald mehr werden: „Wünschenswert wäre eine Gruppe in jeder größeren Stadt in Schleswig-Holstein. Den Betroffenen muss wohnortnah geholfen werden.“ kae

Die Kieler Rheuma-Selbsthilfegruppe trifft sich an jedem ersten Dienstag im Monat von 10 bis 12 Uhr im Gemeinschaftsraum der DRK-Seniorenwohnanlage, Walkerdamm 14. Der nächste Termin ist der 4. April.
In Altenholz-Klausdorf findet das Treffen der Rheuma-Selbsthilfegruppe an jedem dritten Donnerstag im Monat von 10 bis 11.30 Uhr in der DRK-Begegnungstätte Am Buchholz 4 in Altenholz-Klausdorf. Hier ist der nächste Termin der 20. April. Bei Fragen ist Dieter Jacob unter Tel. 0431/ 88 94 124 zu erreichen.