Meeresrauschen als Schlaflied – Am Heikendorfer Strand gibt es ihn nun endlich auch – den Schlafstrandkorb

Bestens ausgestattet: Auf zweieinhalb Quadratmetern wird es nachts richtig gemütlich. Fotos: Marie-Kristin Kielhorn

Heikendorf. „Meinen Sie, Sie kommen da drin heute Nacht zurecht?“, fragt eine Strand-Besucherin, während ich den hellgrauen Riesen von allen Seiten genau begutachte. Eine gute Frage. Ich antworte ihr zuversichtlich mit „ja, ich denke schon“ und öffne den überdimensionalen Strandkorb. Der Selbstversuch beginnt.

Das ist er also, der neue Schlafstrandkorb. Nach vielen Orten entlang der schleswig-holsteinischen Küsten findet sich jetzt auch das allererste Exemplar an der Kieler Förde. Dieses außergewöhnliche Schlaferlebnis hat den Deutschen Tourismuspreis 2016 gewonnen und ist nun auch am Heikendorfer Hauptstrand erlebbar: Noch bis zum 30. September können es sich abenteuerlustige Duos auf circa zweieinhalb Quadratmetern so richtig gemütlich machen – ab 64 Euro pro Nacht.

Der erste Blick ins Innere zeigt: Er ist geräumiger als gedacht. Mein nächtlicher Begleiter geht schnurstracks in die Horizontale, um zu schauen, wie wir die kommende Nacht auf einer 1,20-Meter-Matratze zurechtkommen werden – sie ist überraschend komfortabel. Doch wohin mit dem Gepäck, das natürlich wieder viel zu groß ausgefallen ist? Am Kopfende ist die Lösung: Die Rückseite ist aufklappbar, und dahinter verbirgt sich genügend Stauraum, um die Taschen zu deponieren. Viele einzelne Fächer lassen noch genug Platz für Kleinigkeiten wie zum Beispiel Taschentücher oder Lippenbalsam, die immer griffbereit liegen müssen – die Frauen unter uns können aufatmen. Kleine Ausklapp-Tischchen wie in einem normalen Strandkorb und LED-Lampen für die Nacht lassen keine Wünsche übrig. Soweit so gut. Die wichtigsten Fragen sind erst einmal geklärt. Die allerwichtigste auch, denn den heiligen Schlüssel für die Toiletten und Duschen gibt es bereits bei der Anreise – übrigens direkt um die Ecke gelegen und das sauberste Örtchen, das ich an einem öffentlichen Strand jemals gesehen habe. Die Nacht kann also kommen – zumindest fast. Erst muss noch das Nachtlager hergerichtet werden. Das mitgebrachte Bettlaken ist im Nu auf der Matratze, und Kissen und Decken machen aus dem nackten Korb ein richtig gemütliches Plätzchen.

Die Vorfreude ist groß, die Aufregung noch größer. Die Nachtruhe beginnt daher erst weit nach Mitternacht. Vorher wird der Sonnenuntergang genossen – besser als im Bilderbuch. Bei einem kühlen Getränk beobachten wir die letzten Schiffe, die die Förde hoch- und runterschippern. Und den wundervollen Ausblick auf den Friedrichsorter Leuchtturm. Ein Traum.

Die Nacht ist kurz, aber sehr gemütlich. Von Platzmangel keine Spur. Mein Freund und ich sind in Sachen schmale Betten aber seit Jahren Experten. Die Temperaturen treten morgens schon voll in die Pedale und geben alles. Da die Seitenwände der Oberverkleidung aber an beiden Seiten immer etwas Luft hineinlassen, muss niemand schwitzen. Mein persönliches Highlight: der Blick aus den Bullaugen an den Seitenwänden. Statt Kleiderschrank oder die Zimmerwand zu Hause sind beim ersten Augenzwinkern nun die Strandkörbe das erste Bild – der perfekte Start in den Tag. Einmal kurz strecken – sofern es „strecken“ genannt werden kann –, aufsetzen, kurz überprüfen, ob die Haare einigermaßen sitzen, und dann wird der Deckel geöffnet.

Die Frühaufsteher am Strand machen große Augen, als sich der Riesenkorb urplötzlich bewegt. Damit hat jetzt keiner gerechnet. Umso größer ist das Interesse an diesem ungewöhnlichen Schlafplatz. Ist drinnen genug Platz? Ist es sehr stickig? Wo kann man auf Toilette gehen? Wo lässt man das Gepäck? – im Schlafanzug werden also die ersten Fragen beantwortet.

Dann gibt es Frühstück, in einem kleinen Restaurant direkt am Strand. Herrlich. Hier lässt es sich aushalten. Anschließend wandert der Schlüssel leider wieder zurück zur Tourist Info, und dann geht es mit Sack und Pack zurück auf die andere Seite der Förde. Wie sich das Schlafen beim sonst so typisch norddeutschen Schmuddelwetter verhält, können wir glücklicherweise nicht sagen: Mit 30 Grad im Schatten gab es nichts zu meckern.

Wie es uns gefallen hat? Wenig Platz, kein Fernseher, kein Schnickschnack – aber ganz viel Gemütlichkeit. Was gibt es Schöneres? Viel mehr ist auch nicht nötig. Ein paar Snacks, ein gutes Kartenspiel, die richtige Begleitung und das leise Plätschern der Wellen im Hintergrund sind sowieso die beste Ausrüstung. Die anfängliche Frage, ob wir im Schlafstrandkorb zurechtkommen werden, ist nun auch beantwortet: Es klappt hervorragend.kie

Wer jetzt Lust auf eine Nacht am Strand bekommen hat, erhält weitere Informationen – auch zur Buchung – bei der Tourist Information Kiel und Heikendorf, Tel. 0431/679100 oder per E-Mail an info@kiel-sailing-city.de