Lütjenburger Landfrauen blicken zurück auf erfolgreiche Geschichte

"Landfrauen verbindet man immer mit leckerer Torte", sagt Vorsitzende Karin Strohbeen-Hansen (Mitte), hier mit Protokollführerin Barbara Heesch (links) und stellvertretender Vorsitzender Helmgard Bünz.

Engelau/Lütjenburg. Else Strohbeen (89) aus Engelau erinnert sich noch gut an die Neugründung des Landfrauenvereins Lütjenburg und Umgebung am 11. November 1950. Damals war sie mit 22 Jahren das jüngste von 23 Gründungsmitgliedern. Ihre Tochter Karin Strohbeen-Hansen (61) leitet den Verein, dessen 120 Mitglieder heute aus allen Berufsgruppen kommen. Geblieben ist das ursprüngliche Ziel: Die Fortbildung von Frauen im ländlichen Raum und die Direktvermarktung von Produkten.

Es ist eine Geschichte mit langer Tradition. 1898 brachte die ostpreußische Gutsbesitzerfrau Elisabeth Boehm erstmals ihre Idee besserer Lebens- und Arbeitsbedingungen für „landwirtschaftliche Hausfrauen“ unter das weibliche Volk. 1913 gab es erste Landfrauenvereine in Schleswig-Holstein. Der „Landwirtschaftliche Hausfrauenverein für Lütjenburg und Umgegend“ gründete sich am 15. März 1929. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges reiste die Leiterin der Preetzer Landwirtschaftsschule Hildegard Kerck über Land und überzeugte Landfrauen, die Vereine neu zu gründen. Erste Vorsitzende in Lütjenburg 1950 war „Frau Maaß“ aus Nienthal. In den Anfängen befassten sich die Vorträge mit Gartenbau, Kinderpflege, Technik – Gefriertruhen und Spülmaschinen kamen auf – dem Kochen mit Gefriergut, Generationenkonflikten und der Erbfolge. Ab 1968 kam als Nebenerwerb Ferien auf dem Bauernhof hinzu. Vieles ist nachzulesen in alten Protokollbüchern, die bis 1929 zurückreichen und von der Vorsitzenden als besonderer Schatz gehütet werden.

„Landfrauen verbindet man immer mit leckerer Torte“, sagt sie mit einem Schmunzeln. Die Mutter dreier Söhne weiß um das landläufige Image der Landfrauenvereine, und sie macht keinen Hehl daraus, dass eine ihrer Leidenschaften dem Kochen und Backen gehört. Das Hobby teilt die Ernährungswissenschaftlerin mit vielen der Mitglieder. Auch Reisen stehen auf dem Plan. „Bis auf Portugal, Russland und Finnland habe ich alles gesehen“, schwärmt ihre Mutter Else von den vielen Reisen. „1958 hatte ich schon vier Kinder, und der Verein war für mich eine Möglichkeit, mich weiterzubilden“, erzählt die fünffache Mutter. Ihre Arbeit auf dem Hof war das Melken, sie kümmerte sich um das Geflügel und den Garten, verkaufte Eier zu 25 Pfennig das Stück, sammelte Anfang der 50er-Jahre Steine für den Bau der nahen B 430. „Wir waren schon emanzipiert, mein Mann Otto und ich. Er ging zum Reiten und zur Jagd, ich hatte den Verein.“ Ihr Mann, das räumt die lebhafte Seniorin gern ein, sei sehr fortschrittlich gewesen und allem gegenüber sehr aufgeschlossen. Er habe ihr immer geholfen, die Kinder gewickelt, Rotkohl geschnitten, Fleischklöße gerollt, wenn Else zum Singen oder zu Vorträgen ging. Sie war lange Vertrauensfrau für Engelau. Vorsitzende war sie nie.

Anders ihre Tochter Karin. Sie trat Ende der 70er-Jahre ein, übernahm 1980 mit ihrem Mann Ernst-Otto Hansen den Betrieb der Eltern Strohbeen, war Vorsitzende von 1999 bis 2005 und ist es seit 2011 erneut. Gern würde sie den Vorsitz in andere Hände abgeben, hat sich aber vor wenigen Wochen bei der Jahresversammlung erneut für das Amt zur Verfügung gestellt. „Sonst hätten wir den Verein auflösen müssen. Es gibt keinen Nachfolger, das ist landesweit das Problem. Die Vorstände werden immer älter und Jüngere immer weniger, die bereit sind, Ämter zu übernehmen.“ Karin Strohbeen-Hansen möchte gern das Bild der Landfrauenvereine in der Öffentlichkeit zurechtrücken: „Wir hören immer wieder von Frauen, sie könnten bei uns ja nicht mitmachen, weil sie keinen Hof haben.“ Doch seien heute nur noch etwa fünf Prozent der Mitglieder Bäuerinnen. Die anderen kommen aus allen Berufsgruppen und nehmen das vielfältige und aktuelle Angebot wahr. Protokollantin Barbara Heesch führt dafür zusätzlich ein „Wünschebuch“. Themen sind heute Telemedizin, Brustkrebs und Herzkrankheiten, Ernährung, Wirtschaft, Politik, „Equal Pay“ (gleicher Lohn für gleiche Arbeit), man macht mit beim Tag der offenen Gärten, Maibaumrichten, Niederstraßenfest, Tag des offenen Hoftores, baut Infostände mit hausgemachten Spezialitäten auf. Immer gekleidet in Schürze und Halstuch. Symbol als Wappentier der Landfrauen ist damals wie heute die Biene: 2016 präsentierten sich Verbände aus dem ganzen Land mit selbst gebastelten Bienen bei der Landesgartenschau in Eutin. Im Kreis Plön gibt es aktuell 13 Vereine mit 2300 Mitgliedern. Der Lütjenburger ist einer von den Älteren und hat ein Einzugsgebiet über zwölf Dörfer mit 120 Mitgliedern, die von örtlichen Vertrauensdamen betreut werden. http://www.landfrauen-luetjenburg.de und http://www.kreislandfrauenverband-ploen.de og