Langhaarige, Möwen und Wasser – Mit „Last Ship home“ bringt das Kino in der Pumpe einen Leckerbissen für Segelfans auf die Leinwand

Verblasste Farben und Bilder, die in Zeiten von Full-HD unscharf wirken, geben „Last Ship home“ eine besondere Ästhetik. Foto: hfr

Kiel. Es war ein Abenteuer damals: 1973 startete das Segelschiff des Akademischen Segler-Vereins in Kiel (ASV), der „Peter von Danzig“, in Portsmouth zur ersten Regatta von Mannschafts-Schiffen rund um die Welt. Der Peter von Danzig war das älteste Schiff im Feld und das einzige ohne Motor. Zwei Super-8-Kameras waren mit an Bord – aus dem damals belichteten tonlosen Filmmaterial hat der Hamburger Schauspieler und Regisseur Michael Weber gemeinsam mit Christian Ebert einen künstlerisch-atmosphärischen Film gemacht: „Last Ship home“. Am kommenden Montag, 29. Januar, ist der Film um 18.30 Uhr in der Pumpe in Kiel zu sehen.

Neun langhaarige Kerle auf engem Raum, insgesamt acht Monate auf den Weltmeeren unterwegs, von Kiel nach Kapstadt, nach Sydney, nach Rio de Janeiro und zurück nach Kiel. „Sich unter diesen Bedingungen Wind und Wellen zu stellen, das war schon eine Erfahrung“, sagt Thomas Weber, Bruder des Regisseurs von „Last Ship home“. Als 23-Jähriger war Thomas Weber damals mit dabei. Heute ist er 67. Als Student war er an Bord, als der „Peter von Danzig“ auf hoher See gute Fahrt machte, in Flauten dümpelte und zwischen Kapstadt und Sydney gegen brutale, hohe Wellen kämpfte. „Diese Etappe war der härteste Teil der Regatta“, sagt Thomas Weber. Zwischen Kapstadt und Sydney kamen auf anderen Schiffen drei Regattateilnehmer ums Leben. Als der „Peter von Danzig“ in Rio ins Ziel fuhr, war er das letzte Schiff – The last ship home. Aber um Plätze ging es bei diesem Mammutrennen über 27.000 Seemeilen damals sowieso nicht – „dafür waren die teilnehmenden Schiffe viel zu verschieden“, sagt Thomas Weber.

Ergebnis der Filmaufnahmen an Bord war ein rund zweistündiger Super-8-Film ohne Ton, dessen Farben im Laufe der Jahrzehnte allmählich verblassten, bis vor ein paar Jahren Thomas Webers Bruder Michael darauf aufmerksam wurde. Mit verschiedenen Schauspielerkollegen, die Texte sprachen, bearbeitete er Logbucheinträge, Aufzeichnungen von Bord und zum Thema passende literarische Texte von Homer bis Joseph Conrad und nahm eine Tonspur zur damaligen Reise des „Peter von Danzig“ auf. „Das hat vier oder fünf Jahre gedauert. Anschließend war es relativ leicht, die passenden Bilder zuzuordnen“, sagt Michael Weber. In den verblassten, veränderten Farben des alten, mittlerweile digitalisierten Films entdeckte er eine eigene Ästhetik. Durch Schnitt und künstlerische Bearbeitung gab er dem Film die jeweils zur erzählten Geschichte passende Dynamik. Das Ergebnis passt, wie Mitsegler Thomas Weber urteilt: „Das Atmosphärische ist sehr gut getroffen, und es ist künstlerisch sehr spannend bearbeitet“, urteilt der 67-Jährige.

Michael Weber hat das alte Filmmaterial wiederbelebt.
Foto: Markus Buck

 

1992 wurde der damalige „Peter von Danzig“ verkauft. Er segelt restauriert und mit einem Motor ausgerüstet unter neuem Namen noch immer. Sein viel modernerer Nachfolger beim ASV heißt wieder „Peter von Danzig“. Doch die Erinnerung an den alten „Peter“ ist lebendig im Verein. Und wenn der Film „Last Ship home“ am Montag zum ersten Mal in der Pumpe läuft, werden nicht nur Thomas und Michael Weber dabei sein, sondern voraussichtlich auch viele weitere Mitglieder des Akademischen Segler-Vereins in Kiel. kst

„Last Ship home“, Montag, 29. Januar, 18.30Uhr in der Pumpe, Haßstraße 22, Kiel. Eintritt 6 Euro, ermäßigt 5 Euro. Infos zu weiteren Vorstellungterminen: