Kunst in zwei Phasen – Nach 40 Jahren Pause schlägt Hannes-Peter Gilde einen Bogen zwischen früher und später Schaffensperiode

Gildes Kunstwerke aus seiner ersten Schaffungsphase spiegeln seine damaligen Eindrücke und Erlebnisse aus Berlin in den 60er- und 70er-Jahren wieder. Marie-Kristin Kielhorn

Seine neueren Werke beweisen, dass die Farben immer noch eine Botschaft haben, auch wenn die Form in den Hintergrund rückt.

Kiel. „Ich male nur Dinge, die ich auch selbst erlebt habe“, erzählt Hannes-Peter Gilde, dessen Zeichnungen, Malereien und Fotografien noch bis zum 2. März die Wände der Galerie Brennwald in der Feldstraße zieren. Mit der Ausstellung gibt er einen Einblick in sein Schaffen vor und nach seiner fast 40-jährigen Schaffenspause.

Nach Abschluss des Meisterschülerstudiums bei Prof. Eduard Bargheer an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin/West im Jahr 1966 hatte für ihn mit der Teilnahme an Ausstellungen wie der „Großen Berliner Kunstausstellung“ und der „Großen Münchner Kunstausstellung“ sowie Bildankäufen durch den Berliner Senat eine Erfolg versprechende Karriere begonnen. Doch zu der sollte es erst einmal nicht kommen: Er begann ein Psychologie-Studium in Kiel und Berlin. Aus diesem Nachgehen wurde ein Beruf, den Hannes-Peter Gilde als Psychologe und Psychoanalytiker über 30 Jahre ausübte.

Einen intensiven Neubeginn als Künstler fand er im Jahr 2011. In der jetzigen Ausstellung, die einen Bogen zwischen der frühen und der späten Schaffensperiode schlägt, sind sowohl ältere Bilder aus den 70er- und 80er-Jahren, in denen er seine neu gewonnenen Impressionen aus Berlin verarbeitete als auch aktuelle Bilder und Fotografien zu sehen. „Als ich neu in Berlin war, habe ich durch meine Bilder in dieser für mich neuen Welt Wurzeln schlagen können und mich etwas mehr zu Hause gefühlt“, so der Künstler. Während auf den älteren Werken noch ganz offensichtliche Motive direkt zu erkennen sind, müssen die Betrachter bei Gildes Bildern aus seiner zweiten Schaffensphase etwas genauer hinsehen, um die Kombinationen aus Form und Farbe zu erkennen und zu verstehen. Hierbei fällt auf, dass sich die Farbe Blau wie ein roter Faden durch seine Kunstwerke zieht: „Diese Farbe hat mich schon immer fasziniert. Ob Lapislazuli oder Aquamarin – was übrigens aus dem fernen Indien stammt, auf langem Seeweg importiert wurde und so zu seinem Namen kam – ich mische die verschiedenen Töne so lange, bis ich einen Blauton gefunden habe, von dem ich mir sicher bin, dass er auf dem Papier überzeugt.“ Zwischen den auf Holzrahmen aufgespannten Bildern tummeln sich auch einige Collagen, die mit mühevoller Handarbeit Schicht für Schicht zusammengestellt wurden. „Manchmal habe ich die einzelnen Teile zu früh aufgeklebt – wenn ich dann versucht habe, sie wieder zu lösen, sind sie meist zerrissen und alles war dahin. Für Collagen muss man sammeln, sammeln, sammeln und lange ausprobieren, um am Ende dann das für sich perfekte Bild zu kreieren“, weiß Hannes-Peter Gilde und betrachtet – natürlich ganz in Blau gekleidet – mit einem in Erinnerungen-schwelgenden Blick seine alten und neuen Kunststücke.kie

Ausstellung bis Freitag, 2. März, Galerie Brennwald, Feldstraße 133, Kiel, Tel. 0431/334513. Donnerstag, 22. Februar, 19 Uhr, Künstlerführung.