Körung: Alpakas auf dem Prüfstand

Maedes Mutter, Dagmar Folck, züchtet Alpakas in Pohnsdorf. Auch Maede, hier mit Stute Beatrix, weiß: Alpakas sind ruhig, sanft und süß – aber keine Kuscheltiere.

Pohnsdorf. Was für ein ungewohntes Bild: Keine Kühe oder Pferde grasen auf einer Weide, sondern Alpakas. Ihr Fell glänzt in der Sonne. Für diesen Anblick muss man keineswegs nach Südamerika reisen, sondern nur an den Rand der Pohnsdorfer Stauung. Auf dem Hof von Familie Folck fand die Alpaka-Herdbuchprüfung statt.

Herbert Ruch von der Alpaca Association war mit dem Klinikleiter der Wiener Universitätsklinik für Wiederkäuer Thomas Wittek, zwei Preisrichtern aus England und einem Haufen weiterer Alpaka-Experten angereist. Gerade prüfen sie Augen, Gebiss und Ohren von Elena. Die tragende Alpaka-Stute ist nicht sehr begeistert. Arne Folck muss sie ordentlich festhalten und beruhigend auf sie einreden, besonders als die Experten auch noch ihr Vlies, wie das Fell genannt wird, auseinanderziehen. Gut zu sehen der typische Crimp – die Wellenform.

Thomas Wittek, Detlef Räsener und Regina Ludwig (v.l.n.r., vorne) begutachten Hengst Angus von den Pohndorfer Züchtern Dagmar (hinten) und Arne Folck (re.).
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Vor vier Jahren haben sich Dagmar und Arne Folck die ersten Alpakas zugelegt – die Herde ist mittlerweile auf 18 Tiere angewachsen. Die Folcks züchten die aus den Anden stammende höckerlose, Kamelart wegen ihres hochwertigen Vlieses, das so ganz anders ist als Schafswolle. „Das Vlies hat kein Wollfett, das einzelne Haar ist glatt und hohl“, erklärt Dagmar Folck. „Es ist viel dünner als Schafwolle, riecht nicht so, kratzt nicht, besitzt keine allergieauslösenden Stoffe und ist unglaublich fein und weich.“

 

Die Hobbyzüchterin lässt das Vlies zu Garn verarbeiten, fertigt aus Rohwolle, Alpakagarn, Effektwolle, Seide und Leder Schals, Taschen, Kissen und viele weitere fantasievolle Unikate, die sie auf Märkten verkauft. Nun ist Hengst Angus an der Reihe. Er beobachtet das Treiben mit wachen Augen und lässt die Fellbewertung gelassen über sich ergehen.

Einmal im Jahr reisen die Alpaka-Experten durch Deutschland – 100 Tiere in sechs Tagen – und kören die Tiere. „Neben dem Körperbau und der organischen Gesundheit ist die Faser des Fells, die Dichte und Farbreinheit besonders wichtig“, so Herbert Ruch. „Das macht 50 Prozent der Punkte aus. Die Fasereigenschaften werden in einem zertifizierten Labor gemessen, um die Verarbeitung und die Zucht weiter zu optimieren.“

In Deutschland gäbe es 150 Alpaka-Züchter, aber deutlich mehr Halter, weiß Ruch. Alpakas würden auch als Therapietiere und als Rasenmäher mit netten Augen gehalten. Dagmar Folck ist mit der Bewertung ihrer Tiere zufrieden. „So können wir einschätzen, wo wir in der Zucht stehen und wie wir Schwächen mit dem passenden Hengst ausgleichen können.“

Elena, Angus und die anderen Alpakas stehen schon längst wieder auf der Weide und werden von ihren Artgenossen neugierig beschnuppert. Tochter Maede bringt eine Futterschüssel und wird schnell umringt – dafür hat sich die ganze Aufregung gelohnt. (hop)