Klimaschutz als Lebensaufgabe

Klimaforscher Prof. Dr. Mojib Latif möchte als Präsident der Deutschen Gesellschaft des Club of Rome die Welt mehr in Richtung Nachhaltigkeit bewegen. FOTO: SAA

Kiel. Der Kieler Klima- und Meeresforscher Prof. Dr. Mojib Latif ist neuer Präsident der Deutschen Gesellschaft Club of Rome. Mithilfe seiner Kollegen aus der Wissenschaft und Wirtschaft möchte er die Welt mehr in Richtung Nachhaltigkeit bewegen.

Dass etwas mit dem Klima nicht stimmt, wurde Prof. Dr. Mojib Latif bereits vor über 30 Jahren klar. „Viele Entwicklungen im Klima, wie zum Beispiel der Anstieg des Meeresspiegels, deuteten darauf hin, dass sich die Lebensgrundlagen auf der Erde dramatisch verändern könnten. Ich dachte mir: Das kann doch nicht sein, dass wir so etwas zulassen“, so der studierte Meteorologe, der mittlerweile als Klimaforscher am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel tätig ist. Er erinnert sich noch sehr genau an das Titelbild des Spiegels im August 1986: Der Kölner Dom unter Wasser mit der Headline „Die Klima-Katastrophe“. Das war der Moment, in dem ihm klar wurde, dass die Öffentlichkeit über die beunruhigenden Entwicklungen des Klimas informiert werden muss und er seinen Teil dazu beitragen kann.

Latif engagierte sich seither in mehreren Expertenclustern. 2010 wurde er Mitglied in der Deutschen Gesellschaft Club of Rome. Ein Kollektiv aus Wissenschaftlern und Unternehmern, die ihr Wissen bündelt, um auf Fehlentwicklungen hinzuweisen. „Wir informieren über die Ursachen und entwickeln Lösungen, wie Verbesserungen aussehen können“, so Latif. Das Grundproblem für die immer größer werdenden Umweltschäden und die soziale Ungerechtigkeit sei, dass die Weltwirtschaft zu wenig Regeln hat. „Wir müssen erkennen, dass der zügellose Kapitalismus in eine Sackgasse führt“, sagt Latif: „Die Gier nach dem Immer-mehr muss aufhören.“

Ein Weg heraus aus der Krise könne die ökosoziale Marktwirtschaft sein. „Wenn man Umweltzerstörung vermeiden möchte, muss es eine CO2-Steuer geben. Nicht nachhaltige Produkte müssen teurer werden, sonst setzen sich nachhaltige Produkte nicht durch. Die so entstandenen Steuergelder sollten genutzt werden, um das Leben der Menschen zu verbessern. Zum Beispiel durch das Investieren in Bildung, höhere Löhne und umweltfreundliche Innovationen“, erklärt Latif. Erst wenn wirtschaftlicher Wachstum daran gemessen würde, ob es dem Großteil der Menschheit nützt, sei die Wirtschaft zukunftsfähig.

Zudem sollte eine gesellschaftliche Debatte darüber geführt werden, was Wohlstand bedeutet und was die Menschen wirklich glücklich macht. „Ich freue mich immer sehr, wenn ich freie Zeit habe und hier an der Ostsee Fahrradfahren kann. Man muss den Blick für das Kleine im Leben haben. Das finde ich ganz wichtig“, so Latif.

Auch wenn die Auswirkungen des Klimawandels immer deutlicher werden, viele Menschen sind nicht bereit, ihren Lebensstil umzustellen und umweltfreundlicher zu leben. Das sei darin begründet, dass das Klima zeitverzögert auf Umweltsünden reagiert, so Latif. Erst nach 50 Jahre Lebenszeit würde man den Klimawandel wirklich spüren, sagt der 63-Jährige. Für ihn ist der Umweltschutz und das Aufklären über die Klimaveränderungen eine Lebensaufgabe geworden. saa