„Kleiner Kulturkreis“ sucht nach neuem Vorstand

Ilse Allwardt ist seit 1989 Vorsitzende des Vereins "Kleiner Kulturkreis Lütjenburg und Umgebung" und hütet vier prall gefüllte Gästebücher mit Fotos und Signaturen der Künstler. Pantomime brachten von Bodecker und Neander mit. Sie kommen in 2017 wieder.

Lütjenburg. Im Mai 1989 gründeten 18 Frauen und Männer in Lütjenburg den Verein „Kleiner Kulturkreis Lütjenburg und Umgebung“. Vorsitzende der ersten Stunde Ilse Allwardt sucht nun einen Nachfolger.

„Ich hatte eines Tages das Gefühl, hier passiert nicht viel, es ist nichts los“, blickt die 75-Jährige Grundschullehrerin zurück. Sie wurde damals von der Versammlung zur Vorsitzenden gewählt und ist es bis heute geblieben. Kürzlich hat sie sich für weitere drei Jahre wählen lassen, ist auf der Suche nach einem Nachfolger. „Es muss jemand sein, der Freude an der Begegnung mit Künstlern hat.“

Ilse Allwardt war 1971 in die Kleinstadt gezogen und wirkte bis 2005 an der Grundschule in der Plöner Straße. Beharrlich verfolgte der Vorstand das Ziel, Kultur nach Lütjenburg zu holen. „Es gab Kirchenmusik und Veranstaltungen des Heimatbundes, wir wollten einfach dazwischen etwas anbieten, aber nicht als Konkurrenz“, sagt die Frau, für die Bücher, Musik und Gesang einen festen Platz im Leben haben. „Es ging nur langsam los“, erinnert sich die Mutter zweier Kinder und zweifache Großmutter daran, wie sie selbst anfangs gesungen und mit heimischen Kräften und Musikern aus der Region so manchen Abend bestritt.

Der erste überregional bekannte Künstler, den der Verein nach Lütjenburg holte, war 1991 Walter Kempowski. Einfach war es nicht, den Schriftsteller nach Lütjenburg zu locken. „Wir mussten einen Bürgen benennen, dass wir ihn auch bezahlen konnten, und die VR Bank bürgte. Wir waren ja noch gar nichts und hatten nichts.“ Nur langsam wuchs der Verein, der heute 230 Mitglieder zählt. 1994 las Reimer Bull den Heimatdichter Klaus Groth, 1994 kam Arno Surminski, der sich in einem Gästebuch des Vereins verewigte: „Kein schöner Land, kein schönes Wetter, aber ein schönes Lütjenburg.“ Beim Blättern durch vier prall gefüllte Gästebücher fällt der Blick auf Fotos von Gottfried Böttcher, der mehrmals zu Gast war. Gabriel Laub und Ernst Kahl servierten Satire, Peter Striebeck folgte der Einladung, Wladimir Kaminer las mehrfach. Drei Mal gelang es, Literaturkritiker Hellmuth Karasek zu verpflichten. Das war gar nicht so einfach. „Seine Agentur sagte, das werde schwierig, und ich habe überlegt, wie kann ich ihn herlocken? Vielleicht mit einer Übernachtung auf Gut Helmstorf?“ Gesagt, getan, Gutsherrin Alexandra von Buchwaldt spielte mit, und so gestaltete Karasek einen Abend. „Ihm machte es Spaß, und allen anderen auch, es entwickelte sich zu einer direkten lebendigen Begegnung. Das ist die Wunschsituation und eigentliche Motivation für mich: Künstler kennenzulernen ganz direkt, das macht Spaß und klappt gelegentlich.“

Hans Scheibner gab drei Mal ein Gastspiel, Alfons war da, Volker Lechtenbrink, Charles Brauer. „Wenn es Künstlern hier gefällt, dann kommen sie gern wieder“, weiß Ilse Allwardt. Der Maler Daniel Richter hielt 2008 einen Diavortrag über moderne Kunst, Harry Rowoldt war 2012 da, Pantomime brachten von Bodecker und Neander mit. Sie sind 2017 erneut zu Gast, der Enkel von Max Pechstein, Alexander Pechstein, kommt für einen Lichtbildervortrag, und Elke Heidenreich wird erwartet. Damals wie heute finden die Veranstaltungen im Hotel Hohe Wacht in Hohwacht, auf Gut Helmstorf, in der Alten Schmiede und im Gemeindehaus Lütjenburg und in der Schlosskapelle Panker statt. Ilse Allwardts sehnlichster Wunsch: „Es ist schade, dass es in Lütjenburg keinen Veranstaltungsraum gibt, wo man 200, 300 Leute unterbringen kann.“

Den Auftakt macht in diesem Jahr am 22. März (19.30 Uhr, Gemeindehaus) Jörg Armbruster. Er stellt sein neues Buch vor: „Willkommen im gelobten Land? Deutschstämmige Juden in Israel.“ og

Mehr Infos unter www.kleiner-kulturkreis.de