Kirchendachsanierung in Probsteierhagen: Trockenes Klima gegen Nagekäferbefall

Die Dachdeckerarbeiten an der Probsteierhagener St. Katharinen-Kirche haben begonnen und sollen bis zum Sommer dauern. FOTO: KCH

Probsteierhagen. Die St. Katharinen-Kirche zu Probsteierhagen braucht eine Frischekur: Ihr Dachstuhl ist durch Nagekäfer instabil geworden.

Doch die 700 Jahre alte Konstruktion konnte erhalten werden. „Sehen Sie mal hier“, sagt Pastor Christoph Thoböll und deutet auf einen der Balken des gewaltigen Dachstuhls. Seine Oberfläche sieht aus wie mit grobem Schrot beschossen: kreisrunde, etwa drei Millimeter durchmessende, scharf umrissene Löcher dicht an dicht.

Ins Holz hineingefressen haben sie die Larven des Bunten oder Gescheckten Nagekäfers (Xestobium rufovillosum). Um den gefährlichen Holzschädling zu vertreiben und dabei den regional weithin einzigartigen Charakter der Kirche zu bewahren, bekommt ihr Dach nun neue Schindeln aus dem Holz der Alaska-Zeder.

Um den Nagekäfer endgültig loszuwerden, sagt Thoböll, gebe es nur eine Methode: „Wir müssen den Dachstuhl trockenlegen und so dafür sorgen, dass der Nagekäfer sich dort nicht mehr wohlfühlt“. Denn der Holzschädling mag Feuchtigkeit und mit Pilzen befallenes Eichenholz. Findet er beides vor, vermehrt er sich schnell und seine Larven fressen sich so gierig durchs Gebälk, dass es zu zerfallen droht.

Weil der Käfer sein zerstörerisches Werk im Dachstuhl von St. Katharinen weit getrieben hatte und die Hölzer wegen eindringenden Regenwassers stellenweise faulig waren, hat die Gemeinde schon vor eineinhalb Jahren für rund 400.000 Euro in den denkmalgeschützten historischen Dachstuhl zusätzlich einen neuen hineinbauen lassen. „So haben wir die 700 Jahre alte Konstruktion erhalten und das Dach trotzdem stabilisiert“, sagt Kirchengemeinderat Arno Hartmann.

Den Nagekäfer hat diese Maßnahme allerdings nicht vertrieben, denn ursächlich für die Feuchtigkeit ist das undichte Holzschindeldach der Kirche. Witterungsbedingt haben sich die Eichenholz-Schindeln vor allem auf der Südseite des Dachs dauerhaft verbogen und lassen Regenwasser durch.

Neue Schindeln aus formstabiler, langsam im nordischen Klima gewachsener Alaska-Zeder sollen das beheben. Eine neue Unterkonstruktion soll zudem für gute Unterlüftung der Schindeln sorgen.

Kostenpunkt der voraussichtlich bis weit in den Sommer hinein dauernden Arbeiten: rund 560.000 Euro. Fördergelder von Bund, Land und privaten Stiftungen erleichtern der Gemeinde die Finanzierung.

„Unterstützung bei der Einwerbung von Fördermitteln und fachlichen Rat hatten wir seitens der Landesdenkmalpflege, der Landeskirche und des Kirchenkreises Plön-Segeberg“, sagt Thoböll. Außerdem habe der Förderverein mit seinen guten Kontakten Wege zu Stiftungen geebnet.

Um zu sehen, inwieweit die Maßnahmen Erfolg haben und um die Lebensweise des Nagekäfers weiter zu erforschen, beobachtet Dr. Tobias Huckfeldt vom Hamburger Institut für Holzqualität und Holzschäden (I.F. Holz) gemeinsam mit zwei Biologen im Team die Aktivitäten des Schädlings. Die Ergebnisse dieses langfristigen Monitorings wolle man auch anderen Betroffenen zugänglich machen. (kch)