Kieler gründen Ernährungsrat

Kiel. Die Stadt braucht eine Ernährungswende – da waren sich die Besucher der Gründungsveranstaltung des Ernährungsrates Kiel einig. Rund 100 Gäste aus Kiel und dem Umland kamen vor wenigen Tagen im Ratssaal des Kieler Rathauses zusammen, um sich darüber zu informieren, wie sie sich im neuen Ernährungsrat einbringen können.

Der Ernährungsrat ist ein Zusammenschluss von Bürgern, die die Ernährung in der Region zukunftsfähig machen möchten. Eines der gemeinsamen Ziele ist es, Verbraucher und Erzeuger näher zusammenzubringen und so die regionale Landwirtschaft zu stärken. Die Stadt Kiel begrüßt die Gründung eines Ernährungsrates. Doris Grondke, Stadträtin für Stadtentwicklung und Umwelt, betonte in ihrem Grußwort: „Ein Wertewandel muss geschehen. Das was auf dem Teller kommt, braucht mehr Wertschätzung.“ Auch aus Sicht von Landwirtschaftsexperte Dr. Wilfried Bommert sprechen viele Gründe für ein Umdenken im Ernährungssystem. In seinem Vortrag zeigte er konkrete Zahlen und Fakten zum Thema Ernährungswende. Sollte die Versorgung einer Stadt mit Lebensmitteln unterbrochen werden, so sei die Ernährungssicherheit gerade einmal drei Tage gewährleistet. Danach seien die Supermarktregale leer, so Bommert. Dies ist seiner Einschätzung nach auch dem Umstand geschuldet, dass die Waren, die es in den Läden zu kaufen gibt, weite Transportwege hinter sich haben, während Kleinbetriebe aus der Region zu wenig Absatz finden. Ein Ziel des Ernährungsrates ist daher, Verbraucher und regionale Produzenten wieder näher zusammenzubringen.

Alle Anwesenden konnten ihre Ideen und Wünsche in Bezug auf die Arbeit im Ernährungsrat auf Zetteln an Pinnwände kleben. Diese sammelte der Initiativkreis, zu dem Christine Ax, Marie Delaperriére, Nicoline Henkel, Nele Markwardt, Anja Rolf, Ernst Schuster und Ina Walenda gehören. In offener Runde wurden einige der Hauptthemen angesprochen: Umweltbildung, Urban Gardening und Foodsharing. Viele Besucher beteiligten sich mit Wortbeiträgen und boten konkrete Unterstützung an. Die Vernetzung der bereits aktiven Initiativen zum Thema Ernährung ist ein weiteres Ziel des Ernährungsrates. „Gemeinsam können wir die Ernährung zukunftssicher machen“, so Ernst Schuster, Obstbauer aus Schwentinental. Das partnerschaftliche Miteinander von Verbrauchern und regionalen Erzeugern ist eine Vision, die sich Nicoline Henkel, Umweltberaterin bei der Stadt, gut vorstellen kann. Eine Vertreterin des Ernährungsrates aus Hamburg, Astrid Matthiae, zeigte sich überwältigt von der Anzahl der erschienenen Bürger. Als erste weitere Schritte empfiehlt sie, in Arbeitsgruppen konkrete Themen auszuarbeiten. „Es sollten Themen sein, die konkret angegangen werden können“, so Matthiae. Als Beispiel nannte sie die Beschaffung von Lebensmitteln in öffentlichen Einrichtungen. Zum Ende der Veranstaltung gingen Listen durch die Reihen, in die sich jeder eintragen konnte, der beim nächsten Treffen des Ernährungsrates dabei sein möchte. „Ungefähr 80 Leute haben ihr Interesse bekundet“, freute sich Ina Walenda, Geschäftsführerin der Naturfreunde Schleswig-Holstein. saa

Wer sich im Ernährungsrat engagieren möchte, ist willkommen. Das nächste Treffen ist für Anfang Februar geplant. Ort und Termin werden veröffentlicht unter www.ernährungsrat-kiel.de