„Kiel im Gedicht“

Walter Arnold (li.) und Olaf Irlenkäuser, Geschäftsführer des Wachholtz Verlags

„Ans deutsche Volk, von Ulm bis Kiel: Ihr eßt zu oft! Ihr eßt zu viel!“, reimt Erich Kästner im „Knigge für Unbemittelte“. Dies ist einer der Texte, die Walter Arnold in seinem Buch „Kiel im Gedicht“ aufgenommen hat. Das Lyrik-Bändchen ist – durchaus passend – am Welttag der Poesie, am 21. März, vorgestellt worden.

Rund 60 Gedichte von 40 Autoren hat Walter Arnold ausgesucht, die ein facettenreiches Kiel von Schilksee bis Laboe zeichnen. „Die Förde spielt die Hauptrolle“, sagte der 65-jährige „Literaturfan und Schulmeister“, wie sich Arnold selbst bezeichnet. Er unterrichtet an der Max-Planck-Schule Deutsch, Philosophie und Darstellendes Spiel und versucht, die Schüler an Lyrik heranzuführen, indem er ihnen Gedichte laut und aussagekräftig vorliest.

Die Idee zu dem Buch-Projekt hatte vor einem Jahr Olaf Irlenkäuser, einer der beiden Geschäftsführer des Wachholtz Verlags und selbst „begeisterter Anthologieleser“. Die Frage, die dabei im Raum stand, lautete: „Hat Kiel genügend Lyrik zu bieten?“ „Kiel ist kein weites Feld, sondern ein überschaubares Gebiet, auch als literarisches Motiv oder Thema“, so Arnold, der sich der Aufgabe „Kiel im Gedicht“ annahm. Im Mittelalter wurde er nicht fündig. Die Kaiserzeit bot mehr. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt schlussendlich auf den letzten Jahrzehnten. Der Herausgeber hat auch Gedichte mit aufgenommen, die nicht von Kiel handeln, den Namen der Stadt aber erwähnen. Auch Aufträge an zeitgenössische Autoren wurden vergeben. „Reiche Stimmen-, Formen- und Facettenvielfalt charakterisieren die ausgewählten Gedichte“, erklärt der Herausgeber.

Dabei wird die Stadt in glanzvollem Licht, aber auch in düsteren Farben gezeichnet. Die Rede ist von Kiel als „Klappkartenschönheit“ (Ilse Behl) oder als Ort mit „viel Grau“ (Robert Gernhardt). Stine Andresen bezeichnet sie als „Königin am Ostseestrand“. Auf diese Lyrikerin wurde Arnold bei einem wissenschaftlichen Vortrag aufmerksam – eine der Überraschungen, die ihm das Projekt bescherte: „Für ihr `Lied auf Kiel` hat sie 1889 einen Preis der Nord-Ostsee-Zeitung erhalten`, berichtet Arnold.

Nachdem er Kiel-Lyrik gesammelt und dafür auch in Kontakt zu zeitgenössischen Dichtern getreten war, hieß es, die Werke in eine Reihenfolge zu bringen. Eine alphabetische, chronologische oder thematische Anordnung wollte ihm nicht behagen. „Ich habe die Gedichte so zusammengestellt, dass Worte, Motive, Empfindungen oder Ereignisse in den Gedichten miteinander kommunizieren“, erläutert der Herausgeber. „Es war wie ein großes Puzzle.“

Einige der Lyriker, die Puzzle-Teile beigesteuert haben, lasen ihre Gedichte bei der Vorstellung der Sammlung im Literaturhaus Schleswig-Holstein vor, zum Beispiel Arne Rautenberg. Der Josef-Guggenmos-Preisträger hat beispielsweise das Gedicht „dreierlei rauschen inmitten von kiel“ verfasst. Ein Rauschen war an dem Abend nicht zu vernehmen, dafür aber kräftiger Applaus, mit dem Dichter, Herausgeber und Verleger bedacht wurden. göd

„Kiel im Gedicht“, Wachholtz Verlag, 96 Seiten, 9,95 €, ISBN 978-3-529-05166-1; www.wachholtz-verlag.de