Jenseits vom Schönheitsideal – Franck Blady zeigt wahre Frauenbilder außerhalb von Hochglanzmagazinen

„Kunst als Gegenpol zum Zwang nach äußerlicher Perfektion:“ Der französische Maler Franck Blady stellt noch bis 14. März in der Galerie im Lutterbeker aus. Fotos Kay-Christian Heine

Lutterbek. Thema eines neuen Werkzyklus des französischen Malers Franck Blady ist die Verletzlichkeit und wahre Schönheit der Frauen in einer, wie er sagt, „ewige Jugend und äußerliche Perfektion“ fordernden Gesellschaft. Unter dem Titel „Sehnsucht“ zeigt er noch bis zum 14. März eine Auswahl daraus in der Galerie im Lutterbeker.

Sie lächeln und posieren von Monitoren, Plakatwänden und Magazinseiten: junge, hübsche Frauen. Nur zu oft entsprechen sie einem scheinbar genormten, sie auf das Äußerliche reduzierenden Frauenbild. Der Druck, dem gerecht zu werden, könne gerade junge Frauen überfordern, weiß Franck Blady. Neben der freischaffenden künstlerischen Arbeit in seinem Atelier unterrichtet er Kunst an der Internatsstiftung Louisenlund. „Ich erlebe, wie verunsichert sich die Heranwachsenden auf ihrem Weg in die Erwachsenenwelt fühlen, welche Last sie mitunter auf der Seele tragen und wie schwer es gerade für Mädchen ist, angesichts der beispielsweise über TV-Castingshows an sie herangetragenen Erwartungen gelassen und selbstsicher zu bleiben“, sagt Blady.

Deshalb möchte er ein anderes, nicht bloß oberflächliches Frauenbild schaffen und Mädchen Mut machen, „Vertrauen in sich selbst“ zu haben. Mittel der Wahl dafür ist seine Malerei, mit der er die grotesk überzeichneten Idealfrauen in rätselhafte Traumwelten entfliehen lässt, wo sie fernab von Raum und Zeit ihre wahre Schönheit entfalten dürfen.

Verletzlichkeit und Unsicherheit: In seinen Bildern thematisiert der französische Maler Franck Blady die Angst junger Frauen vor äußerer Unzulänglichkeit

 

In gebrochenen, nuancenreich und mit leichter Hand verarbeiteten Tempera-Farben bringt Franck Blady die innere Zerrissenheit dieser Frauen auf die mit Kreide oder Öl grundierten Leinwände. Der Betrachter begegnet Bladys Frauenfiguren in abstrakten Farbräumen, in halbrealen Landschaften, rätselhaften Traumwelten oder romantischen, beschützend und bedrohlich gleichzeitig anmutenden Umgebungen. Ein Lächeln zaubert er den bisweilen lebensgroß dargestellten Figuren selten ins Gesicht. Stattdessen wirken die Frauen verletzlich, entrückt, in sich gekehrt, selbstreflektiert oder verängstigt. Immer aber ist ihnen eine natürliche, allürenlose Schönheit eigen. Einige der weiblichen Figuren trifft der Ausstellungsbesucher mehrfach in verschiedenen Bildern wieder, in unterschiedliche Umgebungen hinein collagiert oder als Übermalungen. Schließlich seien auch die inneren Zustände der Menschen ganz unterschiedlich, meint Blady. „Die Figuren stehen stellvertretend für uns alle vor der Unsicherheit darüber, was das Leben noch bringen mag“, sagt Blady und fragt: „Wer wäre in seiner Jugend oder auch noch als Erwachsener auf der Suche nach Anerkennung niemals von Selbstzweifeln geplagt gewesen?“ Um Antworten zu finden, sind Franck Blady Farbe und Leinwand genug.

Der gebürtige Pariser Franck Blady hat an der Kunst- und Architekturhochschule ESAG Penninghen studiert und steht damit in einer Reihe mit französischen Künstlerpersönlichkeiten wie Fernand Léger, Henri Matisse oder Jean Dubuffet. kch

Die Ausstellung „Sehnsucht“ ist dienstags bis sonnabends ab 17 Uhr und sonntags ab 11 Uhr noch bis zum 14. März in der Galerie im Lutterker zu sehen (Dorfstraße 11, Lutterbek). Auskünfte unter Tel. 04343/9442 und unter www.lutterbeker.de oder franckblady.com