Ist Wrestling Kunst oder Sport?

„Andre Trucker“ streckt zwei Gegner gleichzeitig nieder: Wrestler sind Schauspieler und Stuntmen in einem. Zu erleben ist das Wrestling-Event am kommenden Sonnabend im Kieler Max. FOTOS: MIKA BAERLIN

Kiel. Sein Gegenüber nach allen Regeln der Kunst zu Boden bringen und dabei vom Publikum bejubelt werden – so läuft der Auftritt eines Wrestlers ab. Im Max Nachttheater können sich die Zuschauer am Sonnabend, 21. Oktober, auf einen dieser unterhaltsamen Wrestlingabende freuen.

Wrestling ist eine professionelle Kunstform, die verschiedene Aspekte aus sportlicher Höchstleistung, Akrobatik und Unterhaltung miteinander kombiniert. Es ist wie ein Non-Stop Actionfilm, mit dem Unterschied, dass ein Wrestler sowohl Schauspieler als auch Stuntman zur selben Zeit ist.

„Außerdem besteht eine Art Bruderschaft zwischen allen Wrestlern der Welt“, sagt Michael Klug. Er ist Organisator von Wrestling-Events und steigt auch selbst unter dem Künstlernamen „Micheal Knight“ in den Ring. „Auch wenn man ständig fremde Wrestler aus anderen Ländern kennenlernt, besteht ein gewisses Grundvertrauen, da man die Passion für den Sport teilt. Dieses Vertrauen ist sehr wichtig, da mein Gegner sich immer darauf verlässt, dass ich ihm keine permanenten Verletzungen zufügen werde und andersherum genauso“, verdeutlicht er.

Verletzungen seien an der Tagesordnung. Ohne eine Ansammlung von Prellungen oder kleineren Platzwunden ende kaum eine Show. Immer wieder komme es aber auch zu Knochenbrüchen und Gehirnerschütterungen, so Klug. In extremen Fällen habe es bereits Lähmungen und vereinzelt auch Todesfälle gegeben.

„Natürlich habe ich Angst vor ernsthaften Verletzungen, besonders vor Lähmungen, aber im Kampf selbst ist man erstens voller Adrenalin und außerdem muss man sich zwingen, die Angst im Moment der Aktion zu ignorieren“, erklärt Kluge.

Es gibt keine gesetzlichen Regelungen, also kann grundsätzlich jeder in den Ring steigen. Profis müssen allerdings eine mehrjährige Ausbildung absolvieren. Außerdem müssen sie in der Lage sein, zu akzeptieren und zu verarbeiten, dass Schmerz zum Ausdruck dieser Kunstform gehört.

Ein Kampf wird durch einen Pinfall beendet. Schläge mit der geschlossenen Faust, Beißen und Kratzen sind verboten. Verletzungen der Augen und des Genitalbereichs können schwere nach sich ziehen und sind deshalb ebenfalls tabu.

„Der Sport an sich befindet sich auf einem sehr guten Weg, sowohl in der Entwicklung der eigenen Identität als auch bei der Präsentation in der Öffentlichkeit. Vor einigen Jahren war der Prototyp Wrestler mindestens 1,95 Meter groß und 120 Kilo schwer, da man der Ansicht war, so hat ein Athlet auszusehen. Allerdings ist diese Meinung seit Jahren veraltet und es geht weltweit vorrangig um Können und Charisma anstatt um Körpermaße.“

Theoretisch könne man mit dem Wrestling seinen Lebensunterhalt verdienen, allerdings habe es in Deutschland noch nicht den dazu erforderlichen Popularitätsstatus erreicht. Die Beliebtheit bei den Zuschauern sei allerdings konstant steigend.

Auch das Frauen-Wrestling hat in den letzten Jahren stark zugenommen. „In Sachen Intensität und Glaubhaftigkeit stehen die Damen den Männern in nichts nach“, sagt Klug. In Norddeutschland organisiert und promotet Maximum Wrestling solche Events. Angefangen mit 180 Zuschauern hat es mittlerweile Besucherzahlen von bis zu 450. Seit 2014 veranstaltet es diese nur noch im Max Nachttheater Kiel, von dem Maximum Wrestling auch Namen entnommen hat.

Für die Shows hat der Veranstalter einen gewissen Stammkader. Zusätzlich werden pro Show internationale Talente hinzugebucht.

Auch der Abend am 21. Oktober hält eine Menge an Kämpfen bereit, die in unterschiedlichen Kategorien ausgetragen werden. Für ein besonderes Highlight sorgt da Turnierfinale der Tag Team Challenge. Dabei treten zwei Teams – bestehend aus jeweils zwei Athleten – gegeneinander an, um die ersten Maximum Wrestling Team-Champions zu ermitteln. sah

Sonnabend, 21. Oktober, Beginn 19 Uhr, Einlass 18 Uhr, Max Nachttheater, Eichdorftstr. 1, Kiel. Tickets gibt es unter www.maxwrestling.de/tickets oder unter Tel. 01806/570070. Die Preise variieren von 13 bis 20 Euro.