Islam als Botschaft der Liebe und des Friedens – Klares Nein zu Terror und Intoleranz: Kieler Gemeinde sucht den Dialog

Imam Behzad Ahmed Chaudry von der Kieler Ahadiyya-Gemeinde setzt sich für einen toleranten und patriotischen Islam ein.

Kiel. Terror im Namen des Islam? „Ein unsäglicher Verrat an der Religion“ ist das für Behzad Ahmed Chaudhry und seine ganze Kieler Gemeinde. Zusammen wollen der Imam und die 220 Gläubigen der Ahmadiyya Muslim Jamaat deshalb in nächster Zeit verstärkt an die Öffentlichkeit gehen und darauf hinweisen, was für sie der wahre Islam ist: eine Religion des Friedens und der Toleranz. Unter anderem bietet Ahmadiyya eine deutschlandweite kostenlose Telefonhotline an: Unter 0800/2107758 ist täglich rund um die Uhr ein Imam zu erreichen, mit dem Interessierte über den Islam reden können.

Das Motto der Aktion lautet „Wir sind alle Deutschland“. Aus gutem Grund, betonen vor allem die vielen jüngeren Mitglieder der Gemeinde, die vor nicht ganz 15 Jahren in der Flintbeker Straße die erste Kieler Moschee mit einem Minarett eröffnete. So gut wie alle dieser jüngeren Gläubigen sind in Deutschland geboren, haben dort vielfach eine höhere Ausbildung genossen, üben einen qualifizierten Beruf aus oder bereiten sich darauf vor. Und bei allen verhält es sich so wie bei Imam Chaudhry, der auf Deutsch denkt und auch auf Deutsch träumt.

Behzad Ahmed Chaudhry ist 29 Jahre jung, seit Herbst 2017 im Amt und für acht Ahmadiyya-Gemeinden in Schleswig-Holstein zuständig. Konsequent unterstützt er den Kurs, den seine Glaubensgeschwister in Kiel schon immer pflegen und steht für Gespräche und größtmögliche Offenheit der Moschee, aber auch für gesellschaftliches und soziales Engagement. Zugute kommen soll dieses Engagement Bedürftigen unabhängig von ihrer Religion. Die Anhänger der Ende des 19. Jahrhunderts in Indien entstandenen Ahmadiyya-Bewegung halten es dabei mit den Worten ihres Gründers Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad: „Ein wirklicher Muslim, dem die Lehren seines Glaubens bewusst sind, wird sich immer aufrichtig und loyal dem Land gegenüber verhalten, unter dessen schützendem Schatten er in Frieden lebt. Der Glaubensunterschied hält ihn nicht davon ab, seiner Regierung in Treue verbunden zu sein.“

Für sein Verständnis von einem der Liebe und den Menschen zugewandten Islam wirbt Chaudhry auch mit ungewöhnlichen Methoden. Manchmal sieht man ihn in der Holstenstraße mit einem Schild, auf dem steht: „Ich bin ein Imam, stellen Sie mir Ihre Fragen.“ Das funktioniert. Und meistens sind die Leute, die das Angebot zum Gespräch annehmen, interessiert oder sogar freundlich gestimmt. Selten kommt es dagegen zu Pöbeleien, während kritische Fragen durchaus erwünscht sind. Dann hebt der Muslim hervor, dass nur eine sehr kleine Minderheit der Anhänger seiner Religion glaubt, dass Terror ein Gottesdienst sei und erzählt, worauf es dagegen für ihn und seine Gemeinde wirklich ankommt: Darauf, dass es keinen Zwang im Glauben gibt, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind und jegliche Gewalt im Namen der Religion eine Sünde ist.

Den Dialog in Kiel sucht die Ahmadiyya-Gemeinde in Präsenz am 10., 17. und 24. März mit einem Informationsstand an der Rolltreppe zum Holstentörn. Am 28. März um 18.30 Uhr gibt es außerdem in der Moschee in der Flintbeker Straße 7 einen mit Kultur und Fakten gespickten Abend rund um den Islam. Und bereits am 27. Februar, ebenfalls um 18.30 Uhr, bittet Ahmadiyya zum schon traditionellen Neujahrsempfang in die Kieler Moschee. mag