Internationaler Frauentag

Trixi Lange-Hitzbleck, Polarexpertin und Kreuzfahrtberaterin, zeigte atemberaubend schöne Aufnahmen aus der Welt der Antarktis und wusste ebenso witzige Anekdoten wie beunruhigende politische Informationen von ihren Reisen zu schildern.

Schönkirchen (Sy) „Du als Mann organisierst eine Veranstaltung zum Frauentag?“, Lutz Schlünsen, Landtagskandidat der SPD Kreis Plön, erzählt amüsiert von der Skepsis, die ihm entgegenschlug, als er seine Idee im Kollegenkreis äußerte. „Ich gestalte den Abend ja nicht alleine“, sagt er, und stellt seine Gäste vor: Anette Langner, Staatssekretärin im Sozialministerium berichtet über die aktuelle Gleichstellungspolitik des Landes, Ursula Schele, Geschäftsführerin des „Petze“-Instituts über ihre Arbeit in der Gewaltprävention und sozusagen als Leckerbissen schildert Trixi Lange-Hitzbleck Reiseeindrücke aus der Antarktis.

Eine sehr engagierte Anette Langner berichtet über die Studie des Weltwirtschaftsforums, die seit 2005 alljährlich zum Thema Gleichheit der Geschlechter veröffentlicht wird. In Sachen Gleichstellung liegt laut dieser Studie Island zum achten Mal auf Platz eins. Dass die skandinavischen Länder in der Realisierung der Gleichberechtigung weit vorne liegen, überrascht niemanden mehr. Erschütternd ist jedoch die Feststellung, dass Deutschland weniger für die Gleichheit der Geschlechter erreicht hat, als Ruanda. Ruanda liegt in der aktuellen Studie auf Platz fünf, Deutschland auf Platz dreizehn. Langner erinnert daran, dass es in Schleswig-Holstein trotz eines weitreichenden Gleichstellungsgesetzes im Laufe von zwanzig Jahren nicht gelungen ist, den Plan zu realisieren, die Hälfte aller Abteilungsleiterstellen im öffentlichen Dienst mit Frauen zu besetzen. „Da liegt noch immer viel Arbeit vor uns“, so Langner, „wir dürfen nicht resignieren, sondern müssen immer wieder am Thema Gleichberechtigung arbeiten, müssen Frauen ermutigen und unterstützen. Entscheidend für das Gelingen ist, dass wir die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern.“

Ermutigen und stärken ist auch das Thema von Ursula Schele. Zentrales Anliegen des Instituts „Petze“ ist der Schutz von Kindern vor sexuellem Missbrauch. „Wie sind Sie auf den Namen „Petze“ gekommen?“ fragte Schlünsen. Und Schele erzählt die kleine Geschichte von der Umfrage in einer Schule. Die Mädchen wurden gefragt, was sie an den Jungs stört. Die meisten Mädchen ärgerten sich darüber, dass die Jungs das Wort „nein“ oder „hör auf“ nicht akzeptierten und die Jungs antworteten auf die Frage, was sie am meisten an den Mädchen stört, „dass die Mädchen immer gleich petzen“. Und schon war der Name für das Institut gefunden. „Petze“ veranstaltet Ausstellungen und Projekte gegen Gewalt und bietet Fortbildungen zu den Themen Prävention und Intervention bei sexuellem Missbrauch sowie häuslicher Gewalt an (www.petze-kiel.de) Schele fürchtet, dass durch die aktuellen konservativen Tendenzen alles, was in 100 Jahren Frauenbewegung im Hinblick auf Gleichberechtigung und Gleichstellung der Geschlechter, erreicht wurde, zerstört wird. „Wir wollen eine solidarische Welt für alle Menschen, unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrem Glauben oder ihrer sexuellen Orientierung.“

Nach all den spannenden Berichten und Informationen zum Internationalen Frauentag war die Vorführung von Trixi Lange-Hitzbleck geradezu entspannend. Die Polarexpertin und Kreuzfahrtberaterin zeigte atemberaubend schöne Aufnahmen aus der Welt der Antarktis und wusste ebenso witzige Anekdoten wie beunruhigende politische Informationen von ihren Reisen zu schildern. Trixi, die bereits als Teenie auf holländischen Schiffen gejobbt hat, erzählte mitreißend von ihren Abenteuern auf Kreuzfahrt- und Expeditionsschiffen. Ihre Faszination der Welt der Antarktis übertrug sich beim Betrachten ihrer Fotos und Filme auf die Zuhörer.

Lutz Schlünsen ist es gelungen, einen abwechslungsreichen und informativen Abend zum Internationalen Frauentag zu gestalten.