In Erinnerung an die Reichspogromnacht

Die Grab- und Gedenkstätte in Riga-Bikernieki befindet sich am größten Massengrab von Naziopfern in Lettland FOTO: LH KIEL/BIRTHE ZÖLLNER

Kiel. Am 9. November jährt sich der Tag der Reichspogromnacht zum 79. Mal. In der Nacht auf den 10. November 1938 wurden von den Nationalsozialisten überall in Deutschland jüdische Geschäfte und Wohnungen geplündert, insgesamt 1118 Synagogen und 288 jüdische Bethäuser wurden allein in dieser Nacht angezündet. Tausende von Juden wurden verhaftet, in Konzentrationslager verschleppt und später ermordet. In Kiel nehmen wieder verschiedene Veranstaltungen Bezug auf die Schrecken der Reichspogromnacht – Veranstaltungen, die in Kooperation mit der Stadt und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in SH, der Jüdischen Gemeinde Kiel und Region, dem Arbeitskreis zur Erforschung des Nationalsozialismus in SH, der Jüdischen Gemeinde Kiel und dem Verein Mahnmal Kiel ausgerichtet werden.

Den Auftakt macht am Mittwoch, 8. Oktober, Pastor Joachim Liß-Walther mit seinem Vortrag: „Vor 70 Jahren. Die Affäre ,Exodus’. Über das Schicksal der jüdischen Passagiere der ,Exodus’ 1947. Beginn in der Landesbibliothek, Wall 47-51, ist um 19 Uhr.

Bei der offiziellen Gedenk- und Mahnveranstaltung der Landeshauptstadt Kiel mit Stadtpräsident Hans-Werner Tovar tragen Schüler der Humboldschule am Donnerstag, 9. November, ab 11.30 Uhr an der Ecke Goethestraße/Humboldstraße Lebens- und Leidenswege von Opfern vor, die sie im Rahmen ihrer „Stolperstein-Arbeiten“ erforscht haben. Musikalisch begleitet wird das Programm von Ishay Lantner (Klarinette) und Alexander Wernet (Akkordeon).

Am gleichen Tag startet um 12.30 Uhr an der Bushaltestelle Knooper Weg/Kunsthochschule die kostenlose Stadtrundfahrt „Kiel im Nationalsozialismus“. Um 18 Uhr beginnt dann in der Anscharkirche, Holtenauer Straße/Waitzstraße der ökumenische Gottesdienst für die Opfer des Nationalsozialismus: „Ermordet in Riga. Deportationen Kieler Juden nach Lettland 1941“. Ein Gespräch mit der Zeitzeugin Ingelene Rodewald folgt um 19.45 Uhr im Flandernbunker, Kiellinie 249. Darin wird sie auch über die von ihr gefundenen heimlichen Fotos ihrer Tante Helmy Spethmann aus dem Warschauer Ghetto von 1941 sprechen. Die Bilder werden zu sehen sein.

Am Sonntag, 12. November, öffnet die Jüdische Gemeinde Kiel und Region ab 14 Uhr für Besucher ihre Türen der Synagoge in der Wikingerstraße 6. Landesrabbiner Dov-Levy Barsilay wird über „Chassidismus und Ultra-Orthodoxie im Judentum“ sprechen.

Die Veranstaltungsreihe endet am Montag, 13. November, in den Räumen der Jüdischen Gemeinde Kiel und Region, Wikingerstraße 6, mit dem Film: „Karl Jäger und wir“. Die Einführung gibt Dr. Karl-Friedrich Nonnenbroich.