Im Gaardener „Flexwerk“ gibt es immer ein offenes Ohr

Peter Maierhöfer und Johanna Schocker (re.) haben immer ein offenes Ohr für die Gäste der Anlaufstätte „Flexwerk“ in Gaarden. Unterstützt werden sie von Nadja Breyer, die hier ihr Anerkennungsjahr leistet. FOTO: ELIASBERG

Gaarden. Das Flexwerk feiert sein zehnjähriges Jubiläum. Doch die Einrichtung des Kinder- und Jugendhilfe Verbundes (KJHV/KJSH-Stiftung) ist mehr als eine Anlaufstelle, in dem man ein Gericht für 2,50 Euro bekommt. Ein Besuch in der Gaardener Johannesstraße ist Rush Hour. Im Flexwerk sind alle Tische belegt, angeregtes Stimmengewirr mischt sich mit dem Duft nach deftigen Speisen und Besteckgeklapper. Peter Maierhöfer sitzt im angrenzenden Büro. Seit sieben Jahren ist er am Flexwerk-Arbeitsprojekt beteiligt, das er gemeinsam mit Johanna Schocker und May-Britt Arndt leitet, unterstützt von Nadja Breyer, die hier ihr Anerkennungsjahr absolviert. Ein Koch ist fest angestellt, alle anderen, die das Tagesgeschäft am Laufen halten, kommen aus der Langzeitarbeitslosigkeit. „Es geht um soziale Kompetenzen“ Die aktuell sieben „Teilnehmer“ erhalten eine Tagesstruktur und eine Aufgabe, „was für viele sehr wichtig ist. Dann schauen wir, welche Kompetenzen die Person hat und wie wir diese fördern können“, sagt der gelernte Erzieher. Vermittlungen in Praktika oder auch sozialversicherungspflichtige Anstellungen seien zwar Ziel, aber nicht der Regelfall. „Es geht hier in erster Linie um soziale Kompetenzen.“ Vermittelt werden die Teilnehmer vom Jobcenter, zu dem man einen „engen Draht“ habe. „Das Jobcenter und die Stadt Kiel sind wichtige Kooperationspartner, mit denen wir sehr gut zusammenarbeiten“, betont Peter Maierhöfer. Das Flexwerk öffnet um 9 Uhr für Gäste, bis dahin muss alles geputzt und vorbereitet sein. „Wir haben Frühstück, Kaffee, bis 13.30 Uhr haben wir Mittagstisch und außerdem eine kleine Speisekarte, die Alternativen zum Mittagessen bietet“, bewirbt Maierhöfer das gastronomische Angebot. Doch das Flexwerk ist mehr als eine Anlaufstelle, in der Bedürftige für 2,50 Euro ein warmes Gericht bekommen. Von Briefverkehr bis Drogenproblematik „Wir bieten eine offene Beratung, jederzeit und ohne Termin.“ Jeder, der ein wie auch immer geartetes Problem hat, kann kommen und findet eine erste vertrauensvolle Anlaufstelle und Rat, das Angebot steht allen Bürgern offen. Die Probleme reichen von Schwierigkeiten beim Briefverkehr bis hin zu Suchtproblematiken. „Manche Probleme lösen wir hier nicht sofort, sondern vermitteln an andere Stellen und Einrichtungen.“ Man sei gut versetzt, gerade in Gaarden. Darüber hinaus gebe es eine tiefer gehende psychosoziale Beratung nach Termin. Finanziert werden sie Angebote von der Landeshauptstadt Kiel. Türöffner Die Café-Atmosphäre sei ein Türöffner für das Ansprechen von Problemen, mit denen viele zunächst allein bleiben – aus Scham, Ratlosigkeit oder weil nahestehende und vertraute Menschen im sozialen Umfeld fehlen. So kann es vorkommen, dass ein Gast sich nach mehreren Besuchen öffnet und einem Mitarbeiter etwa seine finanziellen Nöte anvertraut. Andere kämen seit vielen Jahren regelmäßig ins Flexwerk, manche seit einem Jahrzehnt. „Ich finde es hier sehr familiär“, beschreibt Johanna Schocker ihr Arbeitsumfeld. Man kenne sich hier gut. Verbindung zur Außenwelt Ein Telefon, dass Gäste kostenfrei nutzen können, sowie ein Laptop stehen bereit. „Das darf man nicht unterschätzen“, weiß Maierhöfer, „viele haben das nicht.“ Für manchen bildet das Flexwerk eine Verbindung zur Außenwelt. „Wir achten auf nicht zu lange Schließzeiten, gerade um die Feiertage herum“, bemerkt Maierhöfer. „Viele sind froh, wenn sie irgendwo hinkönnen.“ Auch deshalb sei die Anlaufstelle wichtig für den Stadtteil Gaarden. „Wir haben eine Kooperation mit Foodsharing, wir haben eine kostenlose Bücherecke, aus der man Bücher leihen oder behalten kann“, zählt er weiter auf. Es seien diese vielen niedrigschwelligen kleinen Sachen, die den Reiz der Einrichtung ausmachten. Einmal monatlich gibt es kostenlose Wochenendaktionen: Strandfahrten, Minigolf oder ein Quiznachmittag. Anlaufstelle seit zehn Jahren Zum anstehenden zehnjährigen Jubiläum des Flexwerk gibt es einen Tag der offenen Tür. „Wir feiern mit geladenen Gästen, die uns über die Jahre begleitet haben, aber zum Tag der offenen Tür sind auch alle anderen Gäste willkommen.“ Bei Snacks, Getränken und Live-Musik soll am Freitag, 15. September, gefeiert werden. Und was wünscht sich das Team für die Zukunft? „Man muss mit dem zufrieden sein, was man hat“, antwortet Maierhöfer bescheiden. „Wir sind hier gut angebunden und haben aktuell eine sehr gute Truppe.“ Die Finanzierung müsse natürlich weiterhin laufen, ansonsten „wäre es schön, wenn es so weitergeht“. Maierhöfer ist Realist. Dass Erwartungen nicht immer erfüllt werden, sei es an den Beruf, an die Verteilung von Fördermitteln oder das Leben selbst, weiß er genau. Wer im Umfeld des Flexwerk keine Demut lernt, wäre falsch in diesem Beruf. „Es soll nur nicht weniger werden.“ eli