Im Einsatz für Mensch und Naturschutz

Aus dem Trampelpfad wird ein Spazierweg. Maßnahmenmanager Moritz Ott während der Erdarbeiten auf den Flächen der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein in Freudenholm. FOTO: KIB

Schellhorn. Noch laufen die Arbeiten auf den ehemals intensiv genutzten Weideflächen rund um Freudenholm in der Gemeinde Schellhorn.

Mit 230.000 Euro aus dem Europäischen Landwirtschaftsfond für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) verwandelt die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein die etwa 30 Hektar große Fläche in eine „Tankstelle für rastende und brütende Gänse“. Außerdem entstehen hier ein Wanderweg und ein Biotopsystem für Amphibien. Von einem Beitrag für den Naturschutz und zugleich für den Menschen spricht Moritz Ott, Wildtierökologe und seit 2015 Maßnahmenmanager bei der Stiftung. Er erklärt die Arbeiten.

Wie ist es zu dem Projekt gekommen?

Moritz Ott: 2012 konnte die Stiftung die Flächen mit Landesgeldern kaufen. Die Auflage war, hier ein attraktives Areal für die Gänse zu gestalten, die bisher auf den umliegenden Ackerflächen durch ihr Fressverhalten Schaden anrichten. Wir erreichen das durch eine kurze Grasnarbe, denn bei hohem Aufwuchs landet keine Gans, weil sie sich vor Feinden nicht sicher fühlt. In Zusammenarbeit mit unserem Pächter halten wir die Vegetation durch Beweidung mit Highland-Rindern kurz. Bereits im Frühjahr haben wir die Flächen eingezäunt.

Was ist aus dem Trampelpfad geworden?

Der quer über die Fläche verlaufende Trampelpfad, der übrigens Teil des Europäischen Fernwanderweges vom Nordkap bis Sizilien ist und den bisher in erster Linie Kinder nutzten, um zum Reitunterricht auf die Gläserkoppel zu gelangen, wird zum Spazierweg mit schönen Ausblicken. Hier holt man sich zukünftig keine nassen Füße mehr, und man kann ihn mit dem Fahrrad befahren, weil er im Bereich der Senke nun über einen Damm läuft. Unterbrochen wird der Weg durch zwei Holzklapptore, um den Rindern die Nutzung der gesamten Fläche zu ermöglichen. Die Benutzer des Weges verlassen hier für 20 Meter den eingezäunten Bereich. Die Rinder sind friedlich, und solange man sich an die Regeln hält, also den Hund an der Leine führt, funktioniert das gut. Im Alpenraum ist das gängige Praxis.

Wie sehen die Maßnahmen für die Amphibien aus?

Für die aquatischen Lebewesen haben wir auf der Kuppe zwei Teiche angelegt. Zunächst müssen die Pflanzen den Weg hierher finden, damit die Gewässer für die Tiere attraktiv werden. Wir hoffen auf Laubfrosch und Rotbauchunke, die hier in nur wenigen Kilometern Entfernung vorkommen. Dazwischen liegen allerdings intensive Ackerflächen und Straßenverkehr, sodass wir möglicherweise nachhelfen und die Tiere aktiv ansiedeln. Unten in der Senke haben wir die Möglichkeit geschaffen, dass der Lanker See in den Wintermonaten, wenn der Pegel hoch ist, einströmen kann. In den Sommermonaten füllt sich die Senke über die umliegenden Hänge mit Regenwasser. Der Damm, auf dem der Weg verläuft, sorgt zudem dafür, dass sich das Wasser länger in der Senke hält. Mit den beiden nährstoffarmen Teichen auf der Kuppe bieten wir den Amphibien Laichgewässer. Im Sommer wandern sie ab in die Senke, wo sie im nährstoffreichen Wasser mehr Nahrung finden.

Was passiert noch?

Auf einer weiteren Fläche versuchen wir, die Mineralisierung des Torfs und damit die Kohlendioxidfreisetzung zu stoppen, indem wir einen Entwässerungsgraben öffnen – ein Beitrag zum Klimaschutz und gleichzeitig für die Artenvielfalt, weil wir hier natürliche Verhältnisse erhalten. Der Einsatz von Dünger und Agrochemikalien ist auf Stiftungsflächen generell nicht erlaubt. Das heißt, von diesen 30 Hektar hier haben wir in Zukunft keine Einträge mehr in den Lanker See. kib

Weitere Informationen bei der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, Eschenbrook 4 in 24113 Molfsee, Tel. 0431/21090101. Im Internet unter www.stiftungsland.de