„Ich wähl´ mir die Welt“

Viele Schülerinnen und Schüler hatten Fragen an die AfD und nutzten ihre Chance.

Kiel. Der Junge Rat der Landeshauptstadt Kiel und die Heinrich-Böll Stiftung Schleswig Holstein schafften vergangenen Montag im Rahmen des Schul- und Demokratieprojektes „Ich wähl‘ mir die Welt“ einen „Marktplatz für politische Möglichkeiten“. Schülerinnen und Schüler fanden im Alten Rathaus eine breit aufgestellte Veranstaltung vor.

Im Ratssaal und Ratsherrenzimmer konnten die Schüler, begleitet von einem Moderator, auf Augenhöhe mit Politikern aus Parteien sprechen, die laut aktuellen Prognosen in den Schleswig-Holsteinischen Landtag einziehen werden oder bereits dort vertreten sind. Vor dem Hintergrund der Landtagswahl am 7. Mai und der Senkung des Wahlalters vor knapp vier Jahren von 18 auf 16 Jahre, sollte doch genügend Anreiz gegeben sein sich einen Überblick zu verschaffen und offene Fragen direkt mit den Politikern zu klären. Die Möglichkeit der Anmeldung nahmen jedoch nur 10 Schulklassen wahr, davon deren zwei aus Hamburg. Für Özgurcan Bas, dem 1. Vorsitzenden des Jungen Rates, kein Grund für Missmut: „Ich finde, es ist schon ein Fortschritt an sich, dass Klassen gekommen sind.“ Im Laufe des Tages sind es dann noch mehr geworden. Schließlich stand die Veranstaltung auch für Einzelpersonen offen. Reichlich frequentiert war dann zur Mittagsstunde auch der Stand der AfD. „Wir haben sie bewusst eingeladen, um eben auch kritische Fragen stellen zu können“, so Bas.

Nebenan im Magistratssaal bestand die Chance, in einer Art interaktivem Forum mit Personen aus der politischen Bildung insbesondere über jugendrelevante Themen zu sprechen und in Vorträgen unter anderem mehr über die politischen Möglichkeiten für junge Leute zu erfahren. „In meiner Schulzeit hatte ich nie so eine Gelegenheit“, sagt Yonca Akbay von der Heinrich-Böll Stiftung aus dem Organisationsteam. Projektbegleitend beteiligte sie sich an der gleichnamigen Themenbox „Ich wähl mir die Welt“, die in Zusammenarbeit mit dem Jungen Rat erstellt wurde. Das in der Box befindliche Material ist in drei Blöcke unterteilt. Neben allem was ein Wähler wissen muss, wie etwa die Programme der Parteien, sind die Aufgaben vielfältig angelegt. Wahltyptest, Rollenspiele inklusive Rede schreiben und Slogan entwerfen oder das Recherchieren von vermeintlichen Quellen. Es gehe darum, so Helen Ruck von der Heinrich Böll Stiftung, dass „die Schüler ein Gefühl dafür bekommen wie man ein Parteiprogramm liest und sie erkennen, dass die demokratischen Werte nichts Selbstverständliches sind.“ Beigelegt ist auch ein 4-Ecken Spiel, in dem es sich um Zivilcourage dreht.

Dass junge Leute sich in der Politik zu Wort melden können ist und bleibt unabdingbar. “Denn Schüler sprechen gerne andere Themen an, als beispielsweise etwas Ordnungspolitisches“, so Helen Ruck. Fragen zu Integration, Migration, Religion oder auch zur Erschwinglichkeit eines Studiums standen bei „Ich wähl mir die Welt“ ganz oben auf dem Fragenkatalog. tbu

www.boell.de , www.jungerrat-kiel.de , Boxbestellung unter info@ich-wähl-mir-die-welt.de oder unter Tel. 0431-9066130