Historisches aus dem Kieler Süden – Buch „Baracken als neue Heimat“ gibt Einblicke in Kriegsflüchtlingsheime in der Zeit von 1940 bis 1950

Paul R. mit seinen Hühnern. Rechts im Hintergrund die Baracke

Das Buch von Robert Bartels erzählt von Flüchtlingsheimen im Kieler Süden.
Foto: Robert Bartels

Robert Bartels arbeitete die Geschichte der Kriegsflüchtlingsheime in den Stadtteilen Hammer, Hassee und Russee in der Zeit von 1940 bis 1950 auf. Auf Kiel fielen damals viele Bomben, die einen große Zahl von Kielern obdachlos machte. Diese „ausgebombten“ Bürger und Flüchtlinge aus anderen Städten mussten irgendwo sicher untergebracht werden, daher wurden Notunterkünfte geschaffen. Welche Lager es im Kieler Süden damals gab und wie sich das Leben dort gestaltete, hat Bartels in seinem Buch „Baracken als neue Heimat“ festgehalten.

Detailreiche Schilderungen, Skizzen, eingescannte Schriftstücke und Bilder ergeben ein Bild der Zustände der Behelfsheime und seiner Bewohner, welches mit Aussagen von Flüchtlingskindern und Zeitzeugen untermauert wird. Dabei können Leser hautnah die Flucht aus Danzig oder Neustettin miterleben durch Berichte der Geflüchteten aus dem Dorfbuch Russee 1950. Tragische Geschichten wie das Schicksal der Familie Flick, in der der Vater die Kinder und sich selbst beim Teetrinken vergiftete, entnahm Bartels dem Buch „Das alte Russee“. Das ist nur ein Beispiel für die Hoffnungslosigkeit mancher Flüchtlingsfamilien. Große Problem bereitete damals auch die Beschaffung von Lebensmittel und Dingen des täglichen Bedarfs. Auch Lagerung und Schutz vor Dieben stellte die Menschen vor eine Herausforderung. Die Lager waren verteilt in den Stadtteilen: in der Rendsburger Landstraße, Hof Hammer, Schulenburg und Vieburg. Die dramatischen Ereignisse um das Lager Sehberg/Schönwohld oder die Geschichte vom „Toten am Speckenbecker Weg“ machen deutlich, in welchen Umfeld die Menschen damals lebten.

Der Autor des Buches „Baracken als neue Heimat“ ist Mitbegründer des Geschichtskreises „Rund um den Russee“. An dem Buch hat Robert Bartels zwei Jahre lang gearbeitet. „Die besondere Herausforderung bei der Recherche war das Aufstöbern der alten Fotos, die teilweise das erste Mal veröffentlicht werden“, so Bartels. Auch das Auffinden von noch lebenden Zeitzeugen gestaltete sich als schwierig. Besonders beeindruckte ihn, dass die Menschen, die als Kinder in den Lagern aufwuchsen, ihre Kindheit als glücklich erlebten, da sie viele Spielkameraden im Lager hatten. Während die Eltern die Zeit dort sicher anders empfunden hätten, so der 64-Jährige. Mit seinem Buch möchte Robert Bartels möglichst vielen Menschen die landes- und heimatkundliche Geschichte der Ortsteile Russee, Hammer und Hassee näher bringen und ein Stück Erinnerungskultur schaffen.

Das Buch ist zum Preis von 15 Euro bei Presse Zimmermann in der Rendsburger Landstraße 359 zu erhalten. Saa