Helden – Auf und neben dem Spielfeld – Special Olympics Kiel 2018 brachten Sport, Spaß und ganz viel Herz in die Landeshauptstadt

Auf die Plätze, fertig, los: Hochkonzentriert gingen die Athleten beim Staffellauf an den Start.

Kiel. In dieser Woche stand die Landeshauptstadt wieder ganz im Zeichen des Sports. 4.600 Athleten mit geistiger oder mehrfacher Behinderung zeigten in 19 Sportarten an 14 verschiedenen Sportstätten ihr Können und verbreiteten Spaß, Spannung und eine wohl noch nie dagewesene Lebensfreude in der Sportstadt – die Special Olympics Kiel 2018 boten fünf Tage lang mitreißende Wettbewerbe und emotionale Momente.

Die Sporthalle in Kronshagen war Austragungsort der wohl beliebtesten Sportart in Kiel: Handball. Gespielt wurden pro Match zweimal 15 Minuten – mit einer Verschnaufpause von drei Minuten dazwischen. Bei einer Zwei-Minuten-Strafe wurde der jeweilige Spieler zwar des Feldes verwiesen, ein Mitspieler durfte das Team aber wieder auffüllen, sodass die Mannschaften zu jeder Zeit die gleichen Chancen hatten und auf Augenhöhe spielen konnten. Auch wenn pro Spiel meist nicht mehr als 15 Tore fielen, stand das „Wir-Gefühl“ wie so oft in dieser Woche im Vordergrund: Verletzte sich ein Spieler oder fiel hin, versammelten sich schnurstracks die Mannschaftskameraden und auch die Gegenspieler um ihn und fragten nach dessen Wohlbefinden und halfen ihm auf, nachdem sich vergewissert wurde, ob auch wirklich alles in Ordnung sei – bewegende und herzerwärmende Momente, die es wohl nur bei diesen ganz besonderen Spielen gibt.

Auch neben dem Spielfeld gab es einiges zu tun: Zahlreiche Helfer kümmerten sich um das leibliche Wohl der Sportler und ermöglichten einen reibungslosen Ablauf. Vier Damen standen direkt im Eingangsbereich der Sporthalle bereit, um die ersten auftretenden Fragen der Athleten zu beantworten: Franziska Gust, Melanie Minnie, Sabine Rohwer und Renate Graetsch hatten für jedes Problem eine Lösung parat. „Ich wohne hier in Kronshagen, wenn einmal ein Kabel oder irgendetwas anderes fehlt, kann ich schnell eins besorgen – ich kenne hier jeden und habe ein großes Netzwerk“, so Renate Graetsch, die bereits im Ruhestand ist und sich gerne engagiert, „Wenn man ehrenamtlich arbeitet und mit einer Zufriedenheit nach Hause geht, ist das der beste Lohn, den man bekommen kann – mehr brauche ich nicht.“

Franziska Gust und Melanie Minnie sind ein Helfer-Tandem aus dem Eiderheim in Flintbek. Nach einer Schulung wurden sie zusammengewürfelt. Melanie stand Franziska als Unterstüzung zur Seite und gemeinsam mit der vierten im Bunde – Sabine Rohwer, die selbst leidenschaftliche Handballerin und Sportstudentin ist – waren sie ein perfektes Quartett am Sport-Info-Tisch.

Bei den Uni-Sportstätten wurde den Zuschauern das vielfältigste Sportprogramm geboten: Neben Dreikampf, Judo, Schwimmen, Leichtathletik, Fußball und Reiten gab es dort auch das wettbewerbsfreie und inklusive Mitmachangebot. Die warmen Temperaturen sorgten dort jeden Tag für beste Stimmung auf und neben den Spielfeldern, und Naency Borghardt und Ilse Gottschalk für einen aufgefüllten Flüssigkeitshaushalt bei den Aktiven. Gemeinsam füllten sie im Sekundentakt Wasser und Apfelschorle in die schwarz-weißen Trinkflaschen, die jeder Teilnehmer zu Beginn der Spiele erhielt. Naency Borghardt war eine große Befürworterin der Ausschreibung Deutschlands für die Olympischen Sommerspiele 2020. Als die Absage kam, und sie erfuhr, dass die Special Olympics Kiel 2018 im Anmarsch waren, war ihr sofort klar, dass sie helfen wollte „Ich war 40 Jahre lang selbst aktiv im Volleyball und habe Laufevents organisiert. Ich dachte mir: Wenn nicht ich helfe, wer dann?“ Ilse Gottschalk wohnt am Bodensee, ist aber gebürtige Eckernförderin. Auch sie kann auf eine lange persönliche Sportvergangenheit zurück blicken: Sie ist B-Trainerin im Turnen, hat an zahlreichen Turnfesten und Weltmeisterschaften teilgenommen und selbst in diesem jahr noch bei den Deutschen Seniorenmeisterschaften mitgeturnt. „Ich bin dreimal vom Balken geflogen – aber ich bin nicht Letzte geworden“, sagt Ilse Gottschalk stolz. Um dieses einmalige Event in Kiel zu unterstützen, hat sie einen 17-stündigen Bus- und Bahn-Marathon auf sich genommen. Das ist für sie selbstverständlich. „Es ist schön, wie viele gute Ideen hier in die Tat umgesetzt wurden. Überall herrscht eine großartige Stimmung, und der Ehrgeiz, mit dem die Teilnehmer hier an den Start gehen, ist nicht zu übertreffen. Die Sportler kommen auf uns zu und zeigen uns stolz ihre erreichten Erfolge oder das neueste Sport-Outfit. Einer fragte mich, ob ich sein neuer Fan sein möchte, und ich feuerte ihn anschließend bei seinem Lauf von unserem Stand aus an. Es sind diese kleinen Momente, die die Special Olympics Kiel 2018 so besonders gemacht haben.“kie

Ilse Gottschalk (li.) und Naency Borghardt halfen bei der Getränkeausgabe.