Geizhälse, Neidhammel und Lustmolche:

sengpiehl | zepfel _projects - Galerie fuer aktuelle Kunst: Ausstellung "sieben - 7 deadly sins" (26.03. bis 23.04.2017): Beteiligte Kuenstler zeigen und erlaeutern zum Pressetermin am 24.03.2017 ihre Werke. Foto (c) Kay-Christian Heine BU: Fünf von Sieben (von links): Die Künstler Wübke Rohlfs Grigull, Arno Falk, Norbert Kretek, Mathias Wolf und Albert Schriefer zwei Tage vor Eröffnung ihrer Ausstellung „sieben“ in der sengpiehl | zepfel Galerie. Foto Kay-Christian Heine

Die sieben Todsünden, kunstvoll dargestellt

 

Schönberg. Stolz, Habsucht, Neid, Zorn, Wollust, Maßlosigkeit, Trägheit: Zu den Todsünden ist derzeit eine Ausstellung in der sengpiehl | zepfel Galerie zu sehen.

Seit Hunderten von Jahren gelten die genannten Charaktereigenschaften im christlichen Glauben vor allem katholischer Prägung als jene sieben Todsünden, für die der arme Sünder entweder in der Hölle schmort oder Vergebung findet. Wie sieben Künstler ganz unterschiedlicher Genres die Todsünden heute in ihrem Werk interpretieren, zeigt die „sengpiehl | zepfel Galerie“ noch bis zum 23. April am Holmer Marktplatz im Ostseebad Schönberg. Der beredte Titel der Schau: „sieben – von Geizhälsen, Neidhammeln und Lustmolchen“.

Ein wenig sei die Ausstellung zwar auch Beitrag zum 500. Reformationsjubiläum, sagt Galerist Wolf Zepfel. „Die Künstler wollen aber nicht den Zeigefinger heben, um das Publikum an ein sündenfreies, frommes Leben zu gemahnen“, ergänzt er beruhigend.

Wer sich mit – sündiger? – Muße den zwischen Malerei, Zeichnung, Fotografie, Skulptur und Objektkunst angesiedelten Werken widmet, erkennt schnell, dass sich die sieben Künstler um in die Zeit passende, kritische Übersetzungen der jahrhundertealten Sündenbegriffe bemüht haben. Dabei herausgekommen sind künstlerische Positionen, die den Besucher tief berühren oder wenigstens ermuntern, seine Haltung zu sündigem Leben und eigenem Charakter zu überdenken.

Wübke Rohlfs Grigull etwa will mit Malereien und Figuren die Sünden „nicht bloß bebildern“; sie will provozieren. Eines ihrer Bilder heißt „Kein Anlass“ und zeigt einen jungen Mann in sich verweigernder Pose vor einem Bügelbrett. Das Lockerlassen im Alltag und Brechen althergebrachter Ordnungsprinzipien sei ihr wichtig, sagt Rohlfs Grigull und bekennt, mit ihren Arbeiten in Opposition zu einem allzu strengen Sündenbegriff zu gehen: „Wenn ich mit meinen Arbeiten Auseinandersetzungen über das Thema herausfordere, ist das gut.“

Der Zeichner und Maler Albert Schriefer verschließt sich – wenigstens vordergründig – nicht der Bebilderung der sieben Todsünden: Er hat jeder eine Zeichnung gewidmet, die aber nur auf den ersten Blick eindeutig und sachlich wirken. Denn, so Schriefer, „jede einzelne habe ich aus einem Gefühl heraus entwickelt, wobei Dinge entstanden sind, die ich mir vorher nicht gedacht habe und die den Betrachter anregen, eigene Geschichten und Deutungen zu finden.“ Diese betont emotionale Annäherung an das Thema sei ihm wichtig, sagt Schriefer, denn: „Früher hat die katholische Kirche die sieben Todsünden als objektive Tatbestände beschrieben, mir geht es um Empfindungen.“

Der Bildhauer Arno Falk indes löst mit seinen Figuren den Sündenbegriff aus einem nur christlichen Kontext, indem er mit gelängten, dünnen Holzskulpturen den menschlichen Körper in archetypische Figuren übersetzt. Solche Figuren fänden sich „in unterschiedlichen, auch vorchristlichen Epochen einander ähnelnd überall auf der Welt“, sagt Falk, etwa in Form etruskischer, nordischer, ozeanischer oder afrikanischer Objekte. So wolle er den „urkulturellen Grundlagen“ und einer „gemeinsamen unbewussten Sprache“ der Menschen auf die Spur kommen. Und die Sünden? „Irgendetwas zwingt uns, die mittelalterlichen Begriffe mitzuschleppen“, sagt Falk. Mit seinen Arbeiten wolle er Menschen anregen, von diesen Begriffen Abstand zu nehmen und sich zu fragen: „Habe ich etwas damit zu tun?“

Noch einen Schritt weiter geht der Bildhauer, Maler und Objektkünstler Matthias Wolf, indem er das Publikum zum Bestandteil seiner Arbeit macht: Es sieht in einen Spiegel, auf dessen Oberfläche Wolf in hölzernen Lettern den überkommenen Sündenbegriffen des alten Testaments moderne Interpretationen Mahatma Gandhis und der katholischen Kirche gegenüberstellt. „Der Betrachter sieht unweigerlich sich selbst und erkennt, dass alle Menschen die Sünde in sich tragen.“ Und das, meint Wolf, lasse dem Betrachter gar keine Wahl: „Er kann sich nicht entziehen und muss sich selbst hinterfragen.“

Die Ausstellung „sieben“ mit Variationen zum Thema Todsünden der Künstler Arno Falk, DUWENTESTER, Beata Krampikowski, Norbert Kretek, Wübke Rohlfs Grigull, Albert Schriefer und Mathias Wolf ist noch bis zum 26. April in der „sengpiehl | zepfel Galerie“ in der Ladenzeile am Holmer Marktplatz (Kapellenweg 37, Schönberg-Holm) zu sehen, geöffnet sonnabends, sonntags und dienstags von 15 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung. Infos auf www.rositasengpiehl.de und unter Tel. 0171/1546997. kch