Ganz normale Heldinnentaten – Frauensuchtberatung feiert mit einer Ausstellung Geburtstag

Gut besucht war die Ausstellungseröffnung „Heldinnen des Alltags“ zum 30-jährigen Jubiläum der Frauensuchtberatung.

Kiel. Es ging um Wertschätzung, um Anerkennung und um die Rolle der Frau: Mit einem festlichen Programm und der offiziellen Eröffnung der Ausstellung „Heldinnen des Alltags“ feierten Vertreter aus Vereinen, Verbänden und der Politik in der vergangenen Woche im Ratsherrenzimmer zusammen mit Geschäftsführerin Angela Sachs und dem gesamten Team das 30-jährige Bestehen der Frauensuchtberatung.

Anerkennung der eigenen Taten ist das vorherrschende Thema der Ausstellung „Heldinnen des Alltags“, die noch bis zum 23. Februar im Foyer des Kieler Rathauses zu sehen ist. Mit 50 ausdrucksstarken Bildern zeigt die Ausstellung, wie viel Heldin in jeder Frau steckt. Frauen leisten im Alltag – oft unbewusst – viel Arbeit, unterstützen und helfen. So betont auch die Sucht- und Drogenbeauftrage des Landes Schleswig-Holstein, Angelika Bähre, wie wichtig die alltäglichen Taten, der „Kleinkram“ sei, die Frauen leisten. Man könne an der Ausstellung sehen, dass „ganz normale Frauen“ mit unterschiedlichsten Belastungen kämpfen – und immer wieder aufstehen. Helga Rausch, Gleichstellungsbeauftrage der Stadt Kiel, ergänzt: Mit der Ausstellung werden diese Themen aus der Tabuzone geholt und sichtbar gemacht. „Frauen können sehen, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind“.

„Ganz normale Frauen“ vollbringen im Alltag – auch entgegen aller Widerstände – Heldentaten. Mit 50 großen Porträts macht die Ausstellung diese Taten sichtbar und zollt den Frauen Anerkennung.
Fotos: Svenja Paetsch

 

Entwickelt wurde die Ausstellung von der Freiburger Frauensuchtberatungsstelle FrauenZimmer, die gemeinsam mit der bekannten Freiburger Fotografin Margrit Müller im März 2015 zufällig ausgewählte Frauen in der Freiburger Fußgängerzone fragte, ob und warum sie eine Heldin des Alltags sind. Herausgekommen sind große Porträts mit vielen unterschiedlichen Frauengesichtern – und die Erkenntnis, dass Frauen im Alltag ganz normale Heldentaten vollbringen. Die Ausstellung lenkt den Blick damit auf die häufig unterschätzten Kompetenzen von Mädchen und Frauen. „Frauen – besonders suchtmittelabhängige Frauen – geben sich häufig selbst keine Anerkennung für ihre Tätigkeiten“, so Birgit Rodemund Psychotherapeutin und Mitarbeiterin der Frauensuchtberatung. „Denn Abhängigkeitsprobleme sind mit Scham verbunden und schwächen das Selbstwertgefühl.“ Dagegen soll die Ausstellung helfen, die eigenen Leistungen und Fähigkeiten zu entdecken, wertzuschätzen und sichtbar zu machen – ein zentrales – und das vielleicht wichtigste – Anliegen der Frauensuchtarbeit. svp