Fotoausstellung: Die große Not der Kinder im Nachkriegsdeutschland

Eröffnung der Sonderausstellung "Kindheit in der Nachkriegszeit – Fotografien 1945-1955" mit Dokumentarfotos amerikanischer Fotojournalisten aus der Sammlung Michael Andreas Wahle am 12.03.2017 im Probstei Museum Schoenberg. Intensiv und unmittelbar: Die hochwertigen Vergrößerungen der Ausstellung vermitteln einen starken Eindruck der Lebensbedingungen von Kindern im Nachkriegsdeutschland. Foto: Kay-Christian Heine

Schönberg. Amerikanische Fotojournalisten und Militärfotografen, die nach Ende des 2. Weltkriegs für US-Zeitschriften und Zeitungen das Leben der Menschen im zerstörten Nachkriegsdeutschland dokumentierten, sahen ein Volk in Not und die Kinder als unschuldige Opfer des faschistischen Nazi-Regimes. Das Probstei Museum in Schönberg zeigt noch bis zum 26. November eine Auswahl von großformatigen Schwarz-Weiß-Fotografien aus dem Alltagsleben jener deutscher Kinder in den Jahren nach 1945. Sie stammen aus der Sammlung Dr. John Provan/Michael Wahle und ähneln in aufrüttelnder Weise heutigen Nachrichtenbildern aus den Krisenregionen der Welt.

„Beitrag zum Verständnis der Lebenslage damals und für Menschen in Krisensituationen heute:“ Die Ethnologien Mareike Runge während der Eröffnung über die Ausstellung im Probstei Museum. Foto: Kay-Christian Heine

Bürgermeisterin Antje Klein hat in ihren einführenden Worten zur Vernissage am vergangenen Sonntag ausgesprochen, was wohl viele der zahlreichen Gäste unter dem Eindruck der Fotografien gedacht haben mögen: „Diese Bilder sollten uns bewusst machen, was Kinder in dieser Welt ertragen müssen; da gilt es, unsere Stimme dagegen zu setzen, immer wieder und an jedem Ort.“ Die einstige Praktikantin des Probstei Museums und Ethnologin Mareike Runge – sie hat die Ausstellung aus ihrer Bachelorarbeit heraus konzipiert – weiß noch mehr: „Die Kinder litten unter Depressionen, emotionaler Versteinerung und wurden später zum Schweigen über diese Zeit erzogen; das bereitet ihnen Probleme bis heute.“

 

„Die Not der Kinder, ihre Traurigkeit, aber auch Hoffnung“, so fasste Antje Klein ihren Eindruck von den Bildern in Worte, spiegele sich unmittelbar in den Blicken der Kinder auf den hochwertig vergrößerten Fotografien. Andere Fotos zeigen Kinder in überraschend fröhlicher oder erwartungsvoller Stimmung. Dass es Lichtblicke im Leben der Kinder gab, bestätigten mit der Schönbergerin Hanna Kempfert und dem Stakendorfer Heinz Tauh zwei Zeitzeugen. Sie erzählten launige Geschichten vom Backen einfacher, aber dank fetter „Biestmilch“ von Mutterkühen recht gehaltvoller Kekse mit der Großmutter bis hin zum geliebten Italiener-Hahn, der wegen seiner Attacken auf die Nachbarin vor den Schönberger Amtsrichter zitiert wurde. Solche Geschichten, aber auch Dinge wie Kleidung oder Spielzeuge aus der Kindheit, Fotos und Zitate von Zeitzeugen ergänzen auf beredte Weise die Fotografien der Ausstellung. Zudem will das Museum den Besuchern mit der Ausstellung Forum und Anregung sein, die Erinnerung an die Nachkriegsjahre lebendig zu halten und sich darüber auszutauschen. Im Sommer wird es eben dafür einen Zeitzeugen-Abend veranstalten.

Mit der Ausstellung „Kindheit in der Nachkriegszeit – Fotografien 1945-1955 – Erinnerungen aus der Probstei“ startet das Probstei Museum Schönberg (Ostseestraße 8-10, 24217 Schönberg) in die neue Saison mit zunächst begrenzten Öffnungszeiten an den Wochenenden jeweils von 14-17 Uhr; über Ostern erweitern sich die Öffnungszeiten von Karfreitag bis Ostermontag (14-17 Uhr); ab dem 1. Mai ist das Museum täglich außer montags von 14-17 Uhr, donnerstags zusätzlich von 10-12 Uhr geöffnet. Informationen im Netz auf probstei-museum.de oder telefonisch unter (04344) 3174.