Feingefühl mit Hydraulik-Power – Andreas Kurz ist Baggerfahrer auf der Baustelle am Kieler Rathausplatz

Automatische Regelungen helfen Andreas Kurz nicht bei seiner Arbeit. Den Baggerarm und die Werkzeuge daran steuert er allein mit viel Erfahrung und Können über einen Joystick.

Kiel. Die Straßenbaustelle am Kieler Rathausplatz. Ein Bagger. Davor ein Mann, der einen Zollstock auf den Boden hält. „Noch zehn Zentimeter“, ruft er dem Baggerfahrer zu. Der greift mit der breiten Räumschaufel seiner Maschine in einen Haufen Split, lässt das Material gleichmäßig auf die Fläche rieseln, streicht anschließend mit der Schaufel noch einmal drüber, ganz sorgfältig – so als würde man am Strand mit der Hand die letzten Unebenheiten aus der soeben vollendeten Sandburg streichen – passt! Der Mann im Bagger kann es einfach. Andreas Kurz ist 35 Jahre alt und Baggerfahrer, so wie sein Vater und dessen Vater. Wer Andreas Kurz dabei zusieht, wie er virtuos mit dem schweren Gerät umgeht, bekommt sofort Lust, selbst Baggerfahrer zu sein. Ist das eigentlich ein Lehrberuf? „Nein“, sagt Andreas Kurz, obwohl ich mir das wünschen würde. Immerhin wird das alles immer vielfältiger, zum Beispiel mit 3D-Steuerung und GPS-Steuerung.“ Auch die Werkzeuge, zwischen denen ein moderner Bagger schnell hin und her wechseln kann, werden immer vielfältiger und können immer flexibler eingesetzt werden. „Das dient auch dazu, die Leute auf der Baustelle zu entlasten, damit die sich nicht kaputt arbeiten“, sagt Andreas Kurz.

 

Seit mehr als einem Jahrzehnt fährt Andreas Kurz Bagger und andere Baumaschinen. Fotos: Jan Köster

3D-Steuerung und GPS-Steuerung sind automatische Techniken, die dazu dienen, dass eine Planierraupe oder auch ein so genannter „Grader“ eine größere Fläche ganz gleichmäßig abzieht, zum Beispiel, damit darauf eine Fahrbahn gebaut werden kann, die ganz eben ist und genau das richtige Gefälle hat, damit Regenwasser in die seitlichen Kanäle abläuft. Andreas Kurz hat in seinem Bagger keine besondere Regel-Elektronik. Er hat zwei Joysticks für seine beiden Hände, mit denen er den hydraulischen Arm und die Werkzeuge bewegt und den Bagger fährt. Und er hat mehr als zwölf Jahre Erfahrung, Augenmaß, Fingerspitzengefühl und unbestreitbar Talent. „Najaa“, sagt er gedehnt, „das ist tatsächlich so: Entweder man kann’s oder man kann’s nicht. Das sieht man sofort, wenn sich da einer drauf setzt.“ Und das muss auf keinen Fall unbedingt ein Mann sein, wie Andreas Kurz betont: „Da können auch Frauen drauf. Die haben sogar oft die ruhigeren Hände. Aus meiner Zeit im Golfplatzbau kenne ich mehrere Frauen, die Bagger gefahren sind.“

Seiner Beobachtung nach haben allerdings immer weniger junge Leute Lust, sich auf Bagger, Planierraupe und Co. zu setzen. Doch Andreas Kurz selbst ist auf den schweren High-Tech-Maschinen voll in seinem Element: „Es ist ein geiles Feeling, wenn du da drauf sitzt und diese Technik bewegen darfst. Dann bewegst du ja auch richtig große Massen, und abends siehst du, was du geschafft hast und dann weißt du: Das habe ich gebaut.“ kst