Elegant schwitzen in Stapeln – Akrobatikgruppe der CAU bereitet sich auf das 20. Akro-Festival in Kiel vor

Foto: Ulrich Winter

Kiel. Der Weg zur Akrobatik ist nicht leicht – zu finden. Montags, dienstags und donnerstags trainiert die Kieler Akrobatikgruppe der Christian-Albrecht-Universität in der Turnhalle des Sportforums. Der Weg dorthin führt durch lange Flure, der Weg zur Partnerakrobatik immer über Schweiß. Und Spaß. Am Wochenende 16. bis 18. Februar erreicht die diesjährige Kieler Akrobatiksaison ihren ersten Höhepunkt: Das Akrofest steht an. Zum zwanzigsten Mal überhaupt und zum fünften Mal mit einer großen Show im Audimax.

„Das Audimax hat 1200 Plätze, Karten gibt es allerdings bis auf einige wenige nicht mehr“, erzählt Conny Schuldt. Die 27-Jährige vertritt den Gründer und Trainer der Akrobatikgruppe an diesem Abend beim Training. „Thomas kann heute leider nicht kommen.“ Thomas heißt Beckmann mit Nachnamen und entdeckte vor Jahren während seines Informatikstudiums an der Uni Bremen den Sport und mit ihm die Akrobatik für sich.

„Thomas unterrichtet uns dreimal pro Woche“, erzählt die Handelsfachwirtin weiter. „Dabei leitet er eine eigene Firma, schraubt gern an Oldtimern und hat noch dazu ein Faible für seinen Garten.“ Wenig feie Zeit, wie es scheint, um mit dieser Intensität jungen Menschen die Akrobatik näher zu bringen. Beckmanns Lohn könnte auch in der besonderen Stimmung unter den Akrobaten liegen. Es wird sehr freundlich und zugewandt miteinander umgegangen, immer wieder perlt Lachen auf.

„Das ist kein Wunder“, so Conny Schuldt. „Zum einen müssen wir uns bei den Übungen hier zu 100 Prozent aufeinander verlassen, und zum anderen kommt man sich beim Training sehr nah.“ Akrobatik lebt vom Miteinander und ist eine sehr körperbetonte Sportart. „Manchmal sehe ich montags beim Anfängertraining Leute, die mitmachen möchten, und denke: Die machen nicht weiter, das ist denen zu nah.“ Schuldt schmunzelt.

Im Hintergrund legt sich ein junger Mann auf den Boden, streckt die Beine in die Luft. Der nächste legt sich darauf, eine Frau stellt sich auf die Schultern des zweiten. Reckt sich, streckt die Arme von sich, als würde sie die Welt umarmen. Lächelnd. Vor der großen Fensterfront der Turnhalle mit Blick auf die Olshausenstraße hängt eine junge Frau im Tuch. Klettert empor, verknotet sich, lässt los und folgt in präzis beschriebenen Drehungen und Windungen der Schwerkraft in Richtung Boden. Lena Kruit ist 24 Jahre alt, die schlanke, blonde Frau studiert Oekotrophologie, Ernährungswissenschaften. Wie sie an das Tuch gekommen sei? „Als ich neun Jahre alt war, habe ich eine Akrobatin am Tuch gesehen – da war mit klar: Das wollte ich auch können.“ Seitdem trainiert sie am Tuch – einer TÜV-geprüften Textilbahn aus Baumwollmischgewebe. „Nein, drei Tonnen hält das nicht aus – aber locker zwei Menschen, die sich fallen lassen.“ Regelmäßig kontrolliert sie das Tuch auf Löcher und Risse im Gewebe. „Sonst kann es auch mal gefährlich werden.“

Das Training neigt sich dem Ende zu. Vor den Cooldown-Übungen stellen sich die Akteure der Gruppe nochmal kurz in eine Pyramide. Und beteuern, jeder der wolle, könne das lernen. win

Akrobatikgruppe der Universität Kiel, Training Montag (auch Anfänger und Neugierige), Dienstag und Donnerstag jeweils 20 bis 22 Uhr. Akrofest 16. bis 18. Februar, nähere Informationen unter www.akrokiel.uni-kiel.de