Eiskonfekt zu ollen Kamellen – „Puschenkino“ in der Heilandskirche bietet monatlich Kinonachmittage wie früher

Pause nach den Werbeblöcken: Pastorin Beate Harder nutzte diese prompt und verteilte aus ihrem Bauchladen keine Leckereien an die freudigen Kinozuschauer.

Kiel. Stilecht geht es bei den Kinonachmittagen für Senioren in der Heilandskirche in Kiel zu. Am Anfang wird alte Werbung gezeigt, dann geht das Organisationsteam mit selbst hergestellten Bauchläden durch die Reihen, um Eiskonfekt anzubieten. Und schließlich sehen die Besucher aus dem Lotti-Huber-Haus sowie weitere Gäste kurze Filme mit bekannten Gesichtern. „Puschenkino“ heißt die Veranstaltung, die einmal monatlich auf dem Programm steht.

Bei der vergangenen Vorführung waren rund 30 Zuschauer zu Gast in der Kirche. Schon die Werbung brachte Erinnerungen zurück. Die Hausfrau mit der blütenweißen Schürze putzt freudestrahlend mit „Spüli“ den Topf sauber. Ein Mann im Anzug lobt die nagelneue Spülmaschine. Während der Pause ließen sich die Gäste die Eiskonfekt-Stückchen auf der Zunge zergehen. Dann waren Loriot und Evelyn Hamann mit Sketchen auf der Leinwand zu sehen: Wie lange kocht ein weiches Ei? Verzichtet Herr Dr. Klöbner in der Badewanne auf sein Entchen? Diese Fragen verfolgte das Publikum gebannt – und amüsiert.

„Kurze, humorvolle Filme kommen am besten an“, sagte die Ergotherapeutin und Mitorganisatorin Dorothea Hahnkamp. Seit Beginn des Jahres läuft die Veranstaltungsreihe in der Kirche, deren weiße, großflächige Wand neben dem Altar eine ideale Projektionsfläche bietet. Ein Team aus Betreuungskräften des benachbarten Lotti-Huber-Hauses begleitet die Senioren, die zum großen Teil auf Rollstühle angewiesen sind. „Es ist ein gewisser Aufwand nötig, die Senioren aus der Einrichtung zur Heilandkirche zu bringen“, sagte Regina Hoedt, Leiterin des Senioren- und Therapiezentrums. Doch die Bewohner sind dankbar für das Angebot, das alte Erinnerungen an fahles Licht, knatternden Ton und durchgesessene Sitze weckt. „Ich habe in Gaarden in der Kaiserstraße gewohnt und bin gern in das Kino im Werftpark gegangen“, erinnerte sich die 70-jährige Ursula Ossowski, die am liebsten Filme mit Heinz Rümann gesehen hat. Dora Voss bereiteten in ihrer Jugend besonders Heimat- und Musikfilme Genuss. Die 88-Jährige zeigte sich vom Puschenkino äußerst angetan: „Dies ist eine wunderbare Idee.“

Der Einfall stammte vom Küster der Friedensgemeinde, Oliver Machol, und dem ehrenamtlichen Mitarbeiter Martin Mika. Pastorin Beate Harder und das Team des Lotti-Huber-Hauses waren von der Idee begeistert. Seit längerer Zeit gibt es eine enge Verbindung zwischen dem Seniorenzentrum und der Kirchengemeinde: „Früher wurden die Gottesdienste sogar in die Zimmer der Bewohner übertragen“, erzählte die Pastorin. „Das ist längst nicht mehr so, aber wir feiern gemeinsam Gottesdienst“, sagte Harder. „Außerdem führen wir zusammen Theaterstücke und Krippenspiele auf.“ göd

Beim nächsten Puschenkino am Dienstag, 24. April, steht „Dick und Doof“ auf dem Programm. Die Vorführung in der Heilandskirche, Saarbrückenstraße 46 in Kiel ist für alle Filmfreunde offen und beginnt um 15.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.