Eine Stadt denkt in die Höhe

Eines der besonders markanten Hochhäuser in Kiel ist das weithin sichtbare Verwaltungsgebäude der Universität.

Bürgerbeteiligung zur Entwicklung eines Hochhauskonzepts gestartet

Kiel. Das Schaffen zusätzlichen Wohnraums, vor allem für normal verdienende Menschen, ist ein immer wichtiger werdendes Thema, auch in Kiel. Könnten mehr Hochhäuser im Stadtgebiet eine Lösung sein? Um das zu klären, hat die Kieler Ratsversammlung im Mai 2017 die Verwaltung der Stadt beauftragt, ein Hochhauskonzept für Kiel erstellen zu lassen. Das soll nicht übers Knie gebochen werden: „Wir haben etwa ein Jahr für Diskussionen eingeplant“, sagt Kiels Stadträtin für Stadtentwicklung und Umwelt Doris Grondke bei der Auftaktveranstaltung . Bei insgesamt drei Terminen haben die Kieler Gelegenheit, sich selbst direkt zu Wort zu melden. Die nächste Veranstaltung ist für Herbst dieses Jahres geplant, die Abschlussveranstaltung für das kommende Frühjahr. Bei der Auftaktveranstaltung im Ratssaal ging es zunächst um Grundfragen: „Was ist eigengtlich ein Hochhaus?“ „Welche Vorteile hat ein Hochhaus?“ „Wo liegen die Grenzen dessen, was Hochhäuser für eine gute Stadtentwicklung leisten können?“

Die Hamburger Firma Tollerort begleitet und koordiniert das Diskussionsverfahren und die Beteiligung der Öffentlichkeit, das Kölner Architektur- und Planungsbüro Astoc ist für die Aufstellung des eigentlichen Konzepts zuständig. Astoc hat in der Vergangenheit unter anderem den Masterplan für die Entwicklung der Hamburger Hafencity entwickelt. Für Kiel haben die Planer von Astoc in den vergangenen Monaten erst einmal eine ganz genaue Bestandsaufnahme gemacht, um später besser beurteilen zu können, an welcher Stelle im Stadtgebiet ein bestimmtes Hochhaus welche Auswirkungen hätte.

Astoc-Mitarbeiter Sebastian Hermann erklärt bei der Auftaktveranstaltung zunächst die Definition von „Hochhaus“: Entscheidend ist dabei, wie hoch über dem Boden die Oberkante des Fußbodens im obersten Geschoss liegt: Wenn es 22 oder mehr Meter sind, ist das Gebäude offiziell ein Hochhaus – das sind in der Regel das Erdgeschoss mit weiteren sieben bis acht Geschossen darüber. Astoc hat genau 112.201 Gebäude in Kiel gezählt, davon 77 Hochhäuser, eines davon, der „Weiße Riese“ in Mettenhof, spielt mit seinen rund 80 Metern in der besonderen Liga der über 60 Meter hohen Hochhäuser mit. Hermann brachte auch die großen Linienfähren und Kreuzfahrtschiffe ins Gespräch, die mitten durch die Kiele Innenstadt fahren: „Die sind auch um die 50 Meter hoch“, sagt er.

Mit 25 Etagen und rund 80 Metern Höhe ist der so genannte „Weiße Riese“ in Kiel-Mettenhof das mit Abstand höchste Wohngebäude der Stadt.
FOTOS: KST

Der an Hochhäusern reiche Stadtteil Mettenhof hat dazu beigetragen, dass der Begriff „Hochhaus“ bei vielen Kielern einen etwas unangenehmen Beigeschmack hat. Eine Stimmensammlung unter den rund 30 Teilnehmenden zur Frage „was verbinden Sie mit dem Begriff Hochhaus?“ ergab aber ein gemischtes Bild mit dem gemeinsamen Grundtenor: „Intensives Wohnen, mit vielen Menschen auf engem Raum, aber auch mit Überblick, wenn man weiter oben wohnt.“ Außerdem waren sich mehrere Teilnehmende darin einig, dass ein Hochhaus oder ein Ensemble von Hochhäusern auch zu einem architektonischen Markenzeichen der Stadtsilhouette werden könnte.

Im zweiten Teil der Veranstaltung arbeiteten die Teilnehmenden in Kleingruppen weiter an den Fragen. Die Ergebnisse wurden dokumentiert und fließen ebenso in den weiteren Prozess ein wie all die anderen Daten und Erkenntnisse, die Astoc schon gesammelt hat und noch erheben wird – wo im Stadtgebiet die meisten Menschen wohnen, wo die meisten Häuser pro Fläche stehen, wo welche Verkehrswege verlaufen, wie die Förde und die Fördeufer genutzt werden, welche bestehenden Gebäude und geografischen Höhenunterschiede den Blick auf ein neues Hochaus beeinflussen könnten. Ab jetzt beginnen die Planer mit der Entwicklung des eigentlichen Hochhauskonzepts. Das Zwischenergebnis wird im Rahmen einer öffentlichen Bürgerwerkstatt Ende dieses Jahres noch einmal vorgestellt und diskutiert. Anschließend wird das Konzept im Detail ausgearbeitet und Anfang 2019 im Rahmen einer öffentlichen Abschlussveranstaltung noch einmal vorgestellt.

In naher Zukunft will die Stadt Kiel eine Webseite einrichten, auf der sich Neugierige über den Entwicklungsprozess informieren können. kst