Eine Künstlerkolonie besucht die andere – Werke aus Schwaan als große Sommerausstellung im Künstlermuseum

Auch der Kirchturm von Schwaan, so erzählt Museumsleiterin Sabine Behrens, hat die Künstler immer wieder inspiriert. Foto: pst

Heikendorf. Mit dem Titel der aktuellen großen Sommerausstellung ist das Künstlermuseum Heikendorf ganz in seinem Element: „Künstlerkolonie Schwaan (Mecklenburg-Vorpommern) zu Gast in Heikendorf“ heißt die stilistisch und motivisch sehr vielfältige Ausstellung, die noch bis zum 2. September zu sehen ist. Die Vernissage wurde bereits gefeiert – das Thema Künstlerkolonie soll künftig noch weiter in den Fokus des Künstlermuseums rücken.

Denn auch in Heikendorf – wie an vielen anderen Orten – gab es eine bedeutende Künstlerkolonie. Insgesamt 43 dieser Kolonien aus 13 Ländern sind in der „euroArt“ vernetzt, der europäischen Vereinigung der Künstlerkolonien. Und auch das Künstlermuseum in Heikendorf soll noch in diesem Jahr Teil des Netzwerkes werden. Seit dem Jahresbeginn 2000 ist das Museum Schwaan in der Kunstmühle Teil des künstlerischen Netzwerkes der internationalen kreativen Kolonien. Um 1880 bildete sich im „Ackerbürgerstädtchen“ Schwaan, das circa 20 Kilometer von Rostock entfernt liegt, eine Künstlerkolonie. Prägende Namen dieser einzigen Künstlerkolonie in Mecklenburg-Vorpommern waren der Schwaaner Franz Bunke, Rudolf Bartels, Peter Paul Draewing und der Hamburger Alfred Heinsohn.

Sie alle ließen sich nicht nur von der Natur rund um Schwaan, sondern auch von den wortwörtlich malerischen Dorfansichten zu ihren Werken inspirieren. Bunke, Sohn eines Mühlenbauers, war tragende Persönlichkeit der Kolonie, formte die Freilicht-Malerei in Mecklenburg-Vorpommern und unterrichtete Künstler-Kollegen. Rudolf Bartels, dessen Werk viele moderne Tendenzen zeigt, gilt als der bedeutendste mecklenburgische Künstler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Besonders spannend wird die Ausstellung in Heikendorf schon durch sehr ähnliche Motive, die stilistisch aber wieder deutliche Unterschiede zeigen – etwa durch mehr und minder schwungvolle Pinselführung oder der Formung der Landschaft durch das Licht. Bis 1939 war Bunke mit Schülern in Schwaan aktiv – heute erinnert das Kunstmuseum an lebendige Koloniezeiten. pst