Eine Biene seines Namens – Chilenischer Zoologe benennt neu entdeckte Bienenart nach einem Kieler Kollegen

Entomologe und Kurator für Insektenkunde am Zoologischen Museum in Kiel: Michael Kuhlmann erforscht seit über 30 Jahren auch die Seidenbienen.

Kiel. Wenn man Prof. Michael Kuhlmann (49) so zuhört, summt einem schnell der Kopf. Er ist der Insektenexperte am Zoologischen Museum in Kiel. Seine ganz besondere Leidenschaft gilt den Bienen. Genauer: den Seidenbienen. Seit gut 30 Jahren erforscht er diese Tiere, die ihre Nester im Boden bauen. Dafür reist er auch immer wieder mit Kescher und Netz nach Südafrika. Nun wurde eine neue Seidenbienen-Art nach dem Kieler Biologen benannt. Ein Kollege aus Chile hat sie entdeckt und dem deutschen Fachmann mit der Benennung ein Denkmal gesetzt.

Betritt man das Büro von Michael Kuhlmann, wird sofort klar: Hier arbeitet ein Bienenliebhaber. An der Schreibtischlampe baumelt ein Bienen-Mobile, in den Regalen liegen weitere Exemplare – aus Plastik, aus Perlen gebaut oder sogar gehäkelt. An der Tür ein Plakat von der neuen Seidenbienen-Art mit dem Namen „Colletes kuhlmanni“. Klein und haarig sieht sie aus. Und was ist nun das Besondere? „Die Unterschiede zu einer anderen Seidenbienen-Art erkennt nur der Fachmann mit dem Mikroskop“, sagt er lachend. Stolz ist er trotzdem auf „seine“ Bienen-Art. Aber es sei üblich, verdiente Kollegen auf diese Weise zu ehren. „Das hab’ ich auch schon mehrmals gemacht, als ich neue Arten entdeckt habe“, sagt er. Sich selbst übrigens verewigt ein Entdecker niemals. „Das gehört sich einfach nicht.“

Siebeneinhalb Jahre hat Michael Kuhlmann in London am National History Museum gearbeitet. Im Oktober 2015 übernahm er die Professur für Insektenkunde an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel mit Arbeitssitz im Zoologischen Museum. Viel Arbeit wartet hier tagtäglich auf ihn. Denn im Mai 2017 erhielt Kiel eine unglaublich kostbare Leihgabe aus Kopenhagen zurück: die Fabricius-Sammlung. „Das ist eine der ältesten Insektensammlung weltweit“, sagt der Wissenschaftler. „Sie wurde 1775 hier von Johann Christian Fabricius gegründet und beinhaltet wahre Schätze.“ Unter anderem Käfer, die auf der ersten Weltumseglung des Entdeckers James Cook 1768 bis 1771 gesammelt wurden.

Die Tiere öffnen nun der Wissenschaft ein Fenster in die Vergangenheit. „Wir können die DNA untersuchen und das Erbmaterial herausfiltern. Wir sehen, was die Tiere damals gegessen oder gesammelt haben, woran sie erkrankt sind. Wir können ihre Morphologie studieren“, zählt Michael Kuhlmann auf. Viel lässt sich daraus ablesen. Klimawandel, Artenvielfalt und Artensterben. Schon als Kind haben Michael Kuhlmann die Natur und ihre Geheimnisse fasziniert. „Ich war ein absolutes Draußenkind“, sagt er. In der Umgebung von Münster ist er groß geworden. Im Alter von 14 Jahren entdeckte er mit einem Freund, dass die dunklen Seitenstreifen bei Laubfröschen so einzigartig sind wie ein Fingerabdruck. Sie nutzen dies, um die Lebensweise von Laubfröschen genauer zu erforschen und gewannen damit bei Jugend forscht.

Die Seidenbienen und Wildbienen Afrikas sind sein liebstes Forschungsobjekt. „Weltweit gibt es nur fünf, sechs Leute, die sich bei diesen Bienen so auskennen wie ich“, sagt er nüchtern. Doch das Sachliche schwindet schnell, als er von der Ästhetik der Bienen schwärmt, von ihrer Schönheit, von der faszinierenden Lebensweise, dem kunstfertigen Nestbau. Das allgemeine Bienensterben beobachtet er deshalb mit Sorge. Aber die Insekten-Sammlungen in den Tiefen des Zoologischen Museums in Kiel werden ein Stück weit dabei helfen, diese Schätze zu dokumentieren und die Prozesse in der Natur zu verstehen. bac