Ein Tor zu Kunst und Kultur öffnen

Buntes Treiben in der Werkstatt der Gemeinschaftsunterkunft Wik: Junge Flüchtlinge bauen ein Windspiel für die Kieler Woche. FOTOS: GÖD

Wik. Ein großes Windspiel für die Kieler Woche bauen junge Geflüchtete in der Werkstatt der Gemeinschaftsunterkunft Wik. Das Projekt fördert nicht nur ihre handwerklichen Fertigkeiten, sondern auch die Sprache.

Junge Erwachsene arbeiten in der Gemeinschaftsunterkunft Wik ebenfalls am Windspiel mit.

Mitte April ging es los: Unter Anleitung von Künstlern und ehrenamtlichen Helfern sahen sich die rund 20 Geflüchteten zwischen 18 und 26 Jahren Meerestiere und -objekte auf Bildern an, zeichneten Umrisse und sägten diese aus. Inzwischen sind schon 120 Holzmotive fertig, doch für das über sechs Meter hohe Windspiel bedarf es noch weiterer Fische, Quallen, Krokodile, Muscheln oder Schnecken. Für einen Tag holten sich die jungen Erwachsenen Hilfe von Kindern aus der Gemeinschafsunterkunft. Die griffen beherzt zum Pinsel und verzierten das Meeresgetier mit bunten Augen, Streifen, Punkten und phantasievollen Mustern.

Die Aktion wird von der vhs-Kunstschule der Förde-Volkshochschule zusammen mit der Diakonie Altholstein organisiert. Sie ist Teil des über das Bundesprogramm „Kultur macht stark“ geförderten Projektes „Talent-Campus“, das benachteiligten jungen Menschen ein Tor zu Kunst und Kultur öffnen möchte.

Sorgfältig malen Kinder aus der
Gemeinschaftsunterkunft Wik Holz-Meerestiere an.

In diesem Fall kommt es Geflüchteten in Grenzsituationen zugute. „Mit dabei sind traumatisierte Frauen aus Afrika“, erzählt Rotraud Apetz von der vhs-Kunsthochschule. „Auch Schulabbrecher nehmen teil.“ Sie hätten in dieser Zeit die Möglichkeit, sich neu zu orientieren.

 

„Außerdem erhalten die Teilnehmer eine Tagesstruktur“, erwähnt die Leiterin der Unterkunft und Mitarbeiterin der Diakonie Altholstein, Katrin Mates. „Die Pädagogen klopfen morgens an die Tür der Teilnehmer.“ Von 9.30 bis 15.30 Uhr werkeln die jungen Leute in der Werkstatt, die eigens für das Kunstprojekt in der 500 Bewohner zählenden Gemeinschaftsunterkunft eingerichtet wurde. An den Wänden hängen Plakate, die das Helferteam angefertigt hat: Begriffe wie „Pinsel“, „Stift“ und „Säge“ sind aufgeschrieben und daneben gemalt. Auch ganze Sätze finden sich dort in deutlicher Schrift: „Wir zeichnen Tiere aus dem Meer.“ „Wir streichen die Holzplatte weiß.“

„Es macht mehr Spaß, die Sprache zu lernen, wenn man dabei etwas tut“, sagt Ali Malhis, der vor einem halben Jahr aus Syrien nach Deutschland geflüchtet ist. Ein etwa gleichaltriger, in das Projekt eingebundener Dolmetscher übersetzt. Auf die Frage nach seinem Alter antwortet der Teilnehmer selbst: „Ich bin 20 Jahre alt.“ Auch dem 23- jährigen Syrer Raafat, der seit eineinhalb Jahren in Kiel ist, gefällt das Projekt. „Wir kommen in Kontakt miteinander und erhalten Anerkennung für das, was wir tun.“ Die Teilnehmer freuen sich schon auf die Kieler Woche, die sie gemeinsam besuchen wollen, um dort dann ihr Windspiel in Augenschein zu nehmen. (Göd)