Die Not anderer als Herausforderung annehmen

Reinhard Schmidt (Organisator der Tafel, hinten links), Ulrich Kaminski (Fachbereichsleiter Soziales des Diakonischen Werks, hinten Mitte) sowie langjährige Mitarbeitende der Eckernförder Tafel. FOTO: HFR

Eckernförde. Knapp 50 Gäste feierten am Freitag, 21. April, das 20-jährige Jubiläum der Eckernförder Tafel. Nebst einem Scheck gab es mehrfache Ehrungen für Menschen, die sich seit zehn Jahren und länger bei der Eckernförder Tafel ehrenamtlich engagieren.

In ihrer Andacht zu Beginn der Feierlichkeit erinnerte Pastorin Almut Witt an die Geschichte des Samariters: „Jesus fragt danach, was Du tun kannst, der Fokus liegt nicht auf dem Bedürftigen, sondern dem Helfenden. Schließlich tut Hilfe auch denen gut, die Gutes tun, es verändert auch den Helfenden, nicht nur denjenigen, dem geholfen wird“. Sie überbrachte zudem in ihrer Funktion als Stellvertreterin des Propsten auch Dank für das vielfältige Engagement sowie die finanzielle Unterstützung von Propst Sönke Funck, der verhindert war.

Gegründet wurde die Eckernförder Tafel im April 1997, bereits im Juni desselben Jahres stellten Hans-Jürgen Lauer (damals noch vom Diakonischen Amt) und Frau Oder das Projekt den Fraktionen in der Ratsversammlung vor. Daran erinnerte Karin Himstedt, Bürgervorsteherin der Ratsversammlung, bei ihrer Ansprache. Sie brachte der Eckernförder Tafel auch einen Scheck mit und bedankte sich bei den vielen Ehrenamtlern für ihr Engagement: „Was Du für andere tust, bestimmt den Wert Deines Lebens. Dieser Spruch steht in meinem alten Poesiealbum. Sie füllen ihn mit Leben, mit Ihrer aktiven und gelebten Nächstenliebe“.

Im ersten Jahr hatte die Eckernförder 14 Helfer_innen und zwischen 60 und 80 Bedürftige, die versorgt wurden. Diese Zahlen sind heute gänzlich anders: Die Eckernförder Tafel versorgt aktuell rund 400 Bedarfsgemeinschaften für den Eckernförder Wirtschaftsraum und damit knapp 1000 Menschen mit Lebensmitteln; insgesamt engagieren sich 70 Menschen ehrenamtlich und ermöglichen so die wöchentliche Ausgabe am Donnerstag sowie die Ausgabe einer warmen Mahlzeit jeden Montag im Saxtorfer Weg 18. Dort kann die Eckernförder Tafel seit 2013 ihr Lager und die Ausgaben gestalten; die Räumlichkeiten stellt die GWU Eckernförde für zunächst 10 Jahre mietfrei zur Verfügung, wie Diana Marschke, die Geschäftsführerin des Diakonischen Werks des Kirchenkreises Rendsburg-Eckernförde, nochmal lobend hervorhob: „Ohne diese Räumlichkeiten könnten wir den vielen Bedürftigen nicht gerecht werden“. Seit rund sieben Jahren gibt es zusätzlich eine Ausgabestelle in Gettorf.

Ulrich Kaminski, der stellvertretende Geschäftsführer des Diakonischen Werks und Fachbereichsleiter Soziales, ehrte den Organisator der Eckernförder Tafel, Reinhardt Schmidt, mit dem silbernen Kronenkreuz für seine langjährigen Dienste bei der Eckernförder Tafel. „Ich bin nur einer von 70, gäbe es die anderen 69 nicht, hilft der Schmidt auch nicht mehr“, erklärte Schmidt anschließend. Um seinen Worten gleich Taten folgen zu lassen, wurden weitere sieben Mitarbeitende für ihre langjährige ehrenamtliche Tätigkeit in der Tafel geehrt.

Frank Hildebrandt, der Vorsitzende des Landesverbandes der Tafeln in Schleswig-Holstein, erklärte nachdrücklich, dass die Tafeln bis heute ein wichtiger und richtiger Bestandteil der Gesellschaft seien: „Der Staat kann nicht alles auffangen. Armut gab es immer schon, früher habe sich die Großfamilien um das Problem gekümmert, heute übernimmt das die Gesellschaft. Und nicht zuletzt sorgen wir dafür, dass deutlich weniger Lebensmittel weggeworfen werden“. „Es wäre schöner, wenn es ohne Tafel gehen würde,“ ergänzte Reinhard Schmidt: „Wir wollen heute vor allem unseren Unterstützern und Sponsoren Dank sagen: Ohne deren Unterstützung würde es die Tafel in dieser Form nicht geben“.

Die Eckernförder Tafel ist heute in Trägerschaft des Diakonischen Werkes des Kirchenkreises Rendsburg-Eckernförde. Gegründet wurde sie von Mitarbeitenden des Diakonischen Amtes Eckernförde, später übernahm der ehemalige Ev.-Luth Kirchenkreis Eckernförde die Trägerschaft. „Die Tafeln sind ein fester Bestandteil der diakonischen Arbeit. Die Unterstützung ist für Menschen in prekären Lebensverhältnissen lebenswichtig“, so der zuständige Fachbereichsleiter Ulrich Kaminski. Sein Dank gilt neben den Sponsoren insbesondere den ehrenamtlich Aktiven, die sich jede Woche im Fahrdienst, der Ausgabe, beim Kochen, in der Öffentlichkeitsarbeit für die Eckernförder Tafel und bei zusätzlichen Aktionen für den Dienst an der Allgemeinheit einbringen.