Die Absurdität des Daseins – Kunsthalle zu Kiel zeigt eine Auswahl des grafischen Werkes von Francisco de Goya

Dr. Annette Weisner, Kuratorin und Leiterin der Grafischen Sammlung in der Kunsthalle, führt durch die Ausstellung.

Kiel. Tollkühne Toreros, faszinierende Momentaufnahmen und groteske Gestalten sind derzeit in der Kunsthalle zu Kiel zu sehen. Mit der Ausstellung „Goya. Grafische Meisterblätter“ zeigt die Kunsthalle eine herausragende Auswahl ihres Bestandes. Die 35 präsentierten Blätter der berühmten Serien „La Tauromaquia – Die Kunst des Stierkampfs“ (1815/1816) und „Los Disparates – Torheiten“ (1815 bis 1824) zeigen die Weltsicht des spanischen Malers und Grafikers Francisco de Goya, der von 1746 bis 1828 lebte, und seinen meisterhaften Umgang mit den grafischen Techniken.

Berühmte Matadore, tragische Unfälle und spektakuläre Momentaufnahmen aus der Zeit um 1800 hält Goya in der „Stierkampf“-Folge mithilfe des damals neuen Aquatina-Verfahrens fest, das es im Gegensatz zur einfachen Radierung ermöglicht, größere Flächen in feinen Abstufungen von Hellgrau bis gänzlich Schwarz zu drucken. Sachlich und modern muten die ausgewählten Blätter an, mit denen Goya Geschichte, Entwicklung und Ablauf eines Stierkampfes beschreibt.

Im Gegensatz zu der politisch unverfänglichen Stierkampfthematik, die unmittelbar nach ihrer Entstehung 1816 veröffentlicht wurde, publizierte Goya seine „Torheiten“ nicht zu seinen Lebzeiten. Auch hier werden mit dem Aquatina-Verfahren surreale Bildwelten, rätselhafte, groteske und albtraumartige Szenen dargestellt. Goya prangert die Scheinheiligkeit seiner Mitmenschen sowie soziale und politische Missstände an. „Zu dieser Zeit war Goya psychisch in einem geradezu desaströsen Zustand. Er lebte isoliert, war durch Krankheit taub geworden und völlig desillusioniert, was sich in dem unheimlichen Charakter der Torheiten niederschlägt“, erklärt Dr. Annette Weisner, Kuratorin und Leiterin der Grafischen Sammlung.

Im Gegensatz zu seiner Tätigkeit als Hofmaler, wo er Auftragsarbeiten übernahm, schuf Goya seine grafischen Arbeiten aus einem persönlichen Interesse heraus. So konnte er Kritik an Missständen und Mitmenschen seiner Zeit, Erfahrungen mit Krieg, Leid, Verzweiflung und Tod sowie seine Ansicht von der Sinnlosigkeit und Absurdität des Daseins mit künstlerisch-technischen Mitteln bis an die Grenzen des Darstellbaren festhalten. svp

Die Ausstellung „Goya. Graphische Meisterblätter“ ist noch bis zum 13. Januar in der Kunsthalle zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr, Mittwoch, 10 bis 20 Uhr.