Der Strand als Inspiration

Künstlerin Ingrid Streiber präsentiert ihre Werke im Eckernförder Turmcafé. FOTO:MKS

Eckernförde. Die Kunst geht viele Wege und hat noch mehr Quellen, aus denen sie ihre Ausdrucksstärke zieht. Für Ingrid Streiber ist diese Quelle der Strand des Ostseebades. „Da sitze ich in meinem Strandkorb und lasse die Umgebung auf mich wirken“, berichtet sie. Zurück im Atelier lässt sie die Inspiration frei walten. Aus dem Gedächtnis entstehen Landschaften auf einer Leinwand, die den Betrachter in ihre Welt mitnehmen. Dabei nutzt sie ausschließlich drei bis vier verschiedene Ölfarben für ihre Werke. Doch ihre Bilder sind kein Abbild von Natur, sie sind ein Teil der Landschaft. „Die Farben bilden in Kombination mit weißer Wandfarbe ein Gemisch, das die Leinwand aufreißen lässt“, erklärt sie. Diese Risse sind kein Ärgernis, sie sind gewollt, ja sogar gewünscht. Durch die einzigartigen Risse entstehen Unikate, die es so nur ein einziges Mal geben wird. Auch deshalb bezeichnet Streiber selbst ihre Kunst als experimentell. Zu den Rissen kommen die erdig wirkenden Farbtöne, die einige ihrer Werke aussehen lassen, wie in Sepia getaucht. Außerdem wirken sie stark und rau, aber gleichzeitig schön wie ein Felsen, von dem der letzte Regen perlt. Eben unverfälscht, nah und doch so fern. Jedes Bild ist Ausdruck einer spontanen Eingebung. Noch im Prozess werden einzelne Teile abgeschabt, ausgebessert oder übermalt. Durch diese mehrschichtigen Arbeiten entstehen auch beim genauen Betrachten Ideen, was vor dem fertigen Werk einmal auf der Leinwand war. Hier und da mogeln sich einzelnen Farbreste durch die oberste Schicht. Sie verleihen dem einzelnen Bild etwas Lebendiges und Strahlendes. So wie jedes Bild durch die Künstlerin im Laufe der Zeit verändert und gestaltet wird, so wurde auch sie durch das Leben gestaltet. Aufgewachsen in einer Geschäftsfamilie wählte sie die Kunst. „Das war in Opposition zu meinen Eltern“, gibt sie unumwunden zu. Ein Bürojob kam für sie nicht infrage. So studierte sie Grafik-Design und kam durch die kreative Arbeit zur Kunst. Es begann alles in Bonn. Dort widmete sie sich dem Malen und Verändern. Es folgten Ausstellungen in Deutschland, Frankreich und Spanien. Über den Umweg Ibiza, fand sie im Ostseebad 2011 eine neue Heimat. Das Strandatelier am Jungfernstieg 12 wird seither von ihr mit Leben erfüllt. „Das alles war eher Zufall. Eigentlich wollte ich nach Damp“, erinnert sie sich. Doch in einer Buchhandlung in Kiel wurde sie auf die Stadt am Noor aufmerksam gemacht und blieb. Wie lange es sie hier hält weiß sie noch nicht. Doch wer sich für sie und ihre Arbeit interessiert, darf sie gerne in ihrem Atelier besuchen kommen. „Viele wirken schüchtern und trauen sich nicht. Einfach klingeln“, fordert sie die Kunstbegeisterten auf. Wer sich das nicht traut, kann eine Auswahl ihrer Werke noch bis Ende Juni im Turmcafé der St. Nicolai Kirche bewundern. (mks)

Ingrid Streiber

Jungfernstieg 12

Tel.0178/4452094