Der Mut zum Neubeginn

„Wandlungsmomente“ ist das Leitwort ihrer Praxis: Isabella Wüstenberg-Krueger, Kieler Heilpraktikerin für Psychotherapie. FOTO: GÖD

Kiel. Ob Umzug, Trennung vom Partner oder Job-Wechsel – Neuanfänge sind eine Herausforderung. Die Kieler Heilpraktikerin für Psychotherapie, Isabella Wüstenberg-Krueger, die auch als Coach arbeitet, erklärt, wie ein neuer Start leichter fallen kann.

 

Was ist bei jedem Neubeginn gleich und worin liegen Unterschiede?

Neubeginn ist immer etwas, das mit Wandel und Veränderung zu tun hat. Gleichzeitig geben wir auch Sicherheit auf. Grob gesagt, gibt es drei Phasen: Man entfernt sich vom Alten und Bekannten, es entsteht eine Verunsicherung und man betritt einen neuen Raum Es ist ein Unterschied, ob ich zum Neubeginn gezwungen werde, zum Beispiel durch den Verlust des Arbeitsplatzes, oder ob ich mich selbst zu einem Aufbruch entschließe. Es ist für uns immer mit einem besseren Gefühl verbunden, selbstbestimmt zu handeln.

Warum tun wir uns oft mit einem Neubeginn schwer?

Neues macht Angst. Es ist ein Grundbedürfnis, sicheren Boden unter den Füßen zu spüren. Wenn man sich nicht ständig neu entscheiden muss, spart das Kraft. Häufig sind es auch unbewusste Mechanismen, die hinter der Hemmung stehen, sich neu auszurichten, zum Beispiel Verlustängste. Wir erfinden dann scheinbar logische Gründe, die gegen einen Neuanfang sprechen.

Was kann auf dem Weg zu einem neuen Aufbruch hilfreich sein?

Gespräche sind oft förderlich, zum Beispiel mit Außenstehenden oder Freunden über das, was einen auf dem Weg bremst. Auch Gespräche darüber, was andere für Erfahrungen gemacht haben, können Entscheidungen erleichtern. Ganz wichtig ist es außerdem, in Ruhe nachzudenken. Denn in Stresssituationen neigen wir dazu, Entscheidungen zu treffen, die nur kurzfristig eine Lösung bieten und möglicherweise noch mehr Stress nach sich ziehen. Wenn man eine sehr große Abwehrhaltung gegen einen Neubeginn hat, der eigentlich an der Zeit wäre, kann man sich fragen, ob es noch andere Möglichkeiten für eine Veränderung gibt, die man bislang nicht im Blick hatte.

Nicht immer klappt ein Neubeginn…

Ja, genau. Ein Beispiel: Eine junge Frau, die sich für einen Aufenthalt im Ausland entschieden hat, kehrt zurück, weil sie dort nicht klarkam. Die denkt, dass sie gescheitert ist und leidet sehr darunter. Doch man sollte keine zu hohen Erwartungen haben. Scheitern gehört dazu. Es gehört auch Mut dazu, sich seiner Angst zu stellen und, wie in diesem Fall, wieder nach Hause zurückzukehren.

Wann ist es sinnvoll, psychologische Hilfe oder Coaching in Anspruch zu nehmen?

Bei wegweisenden Entscheidungen kann es ratsam sein, einen Coach heranzuziehen, der den Prozess begleitet. Wenn das Thema „Neuanfang“ sehr belastend ist und das Leben negativ beeinträchtigt, kann psychologische Beratung helfen.

Was kann das Positive an Neuanfängen sein?

Wir machen Erfahrungen, die uns bereichern können und durch die wir uns weiterentwickeln. Neuanfänge gehören in unterschiedlichen Phasen zum Leben dazu. Wir lernen besonders gut, wenn etwas besser ist als erwartet. Und das ist oft bei Neuanfängen der Fall.