Der Mann am Mikro – DJ Gary Mangels ist der Stamm-DJ beim Inklusiven Karneval

Das Urgestein der Kieler DJ-Szene: Gerd „Gary“ Mangels

Kiel. Ohne ihn ist eine Party keine richtige Party. Denn vom Feiern versteht Kiels Kult-DJ Gary Mangels mehr als jeder andere. Kein Wunder, dass sein Auftritt ein fester Bestandteil des Bühnenprogramms beim Inklusiven Karneval am Dienstag, 13. Februar, im Kieler Schloss ist.

„Wenn ich hier mit meiner Show starte, dann wird schon mal die Bühne geentert“, erzählt Gerd „Gary“ Mangels nicht ganz ohne Stolz. Kein Wunder, denn die meisten Stammbesucher des Karnevals kennen ihn von vergangenen Jahren, oder sie waren schon mal in seiner Disco für Menschen mit und ohne Behinderungen in seinem Tanztempel in der Rendsburger Landstraße, die er einmal im Monat – immer montags – veranstaltete. Doch damit ist jetzt Schluss, das Gebäude wurde verkauft und Gary musste raus. Umso schöner, dass seine „Fans“ jetzt noch einmal die Gelegenheit haben, ihn live zu erleben. Seit 1994 ist er dabei – wie er dazu gekommen ist, weiß er nicht mehr genau. „Ich glaube, die haben mich einfach mal gefragt. Ich habe ja schon Ende der 70er-Jahre in meiner Disco Joy am Alten Markt Disco für Behinderte und Nichtbehinderte gemacht und später auch im Gary’s, dem Turm an der Schnellstraße. Da haben wir die Rollstühle noch hoch und runter geschleppt.“ Ob im Rollstuhl oder als Fußgänger, Menschen mit einer geistigen Behinderung oder nicht – Gary Mangels macht Musik für alle und holt die Menschen da ab, wo sie gerade sind. Und das bestenfalls mitten in Feierlaune. „Das Miteinander steht im Mittelpunkt“, sagt der 71-Jährige, dem mit seinem Gespür für Musik und Menschen ganz schnell die Herzen zufliegen. „Ich spiele so gut wie jede Musik, was die Leute eben hören wollen. Dabei muss sie mir nicht unbedingt gefallen“, so der Musik-Verrückte, der im Herzen Rocker ist, aber auch guten Soul zu schätzen weiß. Inwieweit unterscheidet sich ein inklusiver Event von anderen? „Gar nicht“, sagt Mangels. „Deswegen mache ich das ja. Ich will zeigen, dass diese Menschen genauso sind wie wir, die einfach Glück gehabt haben, ohne Behinderungen leben zu dürfen. Ein Mensch mit einer Behinderung feiert wie alle anderen. Warum auch nicht?“ Das treibe ihn an, immer weiter zu machen. „Eigentlich sollte jetzt Schluss sein. Aber als ich bei der Abschiedsparty die Tränen vieler Gäste gesehen habe, sind auch bei mir alle Dämme gebrochen. Jetzt überlege ich, wie und wo es weitergehen kann.“ Einen Plan B hat der DJ noch nicht. Aber viele Ideen. Wichtig sei ihm, dass es wieder eine Party geben soll, an einem Ort, der für alle Gäste gut erreichbar ist. Er wird von sich hören lassen. Ehrensache für einen DJ. vmn