Der Kieler Dreiecksplatz im Wandel der Zeit

Der Dreiecksplatz um 1980. FOTO: STADTARCHIV KIEL MAGNUSSEN, FRIEDRICH (1914-1987)

Kiel. „Ach, das gute alte Merkur Warenhaus, Heikes Kate, Bäcker Brinkmann(heute Schuh Heinrich) oder das Alt Nürnberg“, dies fällt Monika Göhlitz spontan ein, als man sie auf frühere Geschäfte in der Holtenauer Straße anspricht. Die Kielerin(66) lebt bereits seit 59 Jahren in der Jungmannstrasse und hat den Wandel am Dreiecksplatz seitdem täglich miterlebt. „Viele Geschäfte, Unternehmen, kleine Lädchen oder Restaurants kamen und gingen in diesen Zeiten, hielten sich manchmal nur einige Monate“, so Göhlitz weiter. Tochter Tanja ergänzt: “Ich erinnere mich noch an den Tante Emma-Laden des Ehepaares Springe an der Holtenauer, Ecke Jungmannstrasse. Hier konnten wir Kinder uns am Geburtstag immer etwas aussuchen“.

Der Dreiecksplatz, wie wir ihn heute kennen.
FOTO: DIEF

Seit 1987 schon „dabei“ ist der Schlemmermarkt Freund, heute in zweiter Generation von Marten Freund geführt, der sich an der Schauenburger Straße befindet und quasi der Startpunkt via Arkaden-Spaziergang ist. Hier ein Rückblick Ende der 70er/Anfang der 80er-Jahre: Ein gepflegtes Bier konnte man neben dem ehemaligen Kennedy-Haus( 2000 dort geschlossen), einer Örtlichkeit für die Deutsch-Amerikanische Verständigung, im „Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch“ zu sich nehmen. Die Gaststätte hieß tatsächlich so und hatte ihren Namen von einer walisischen Gemeinde, die den längsten Ortsnamen(58 Buchstaben) der Welt trägt, ja die sogar im Guinness-Buch der Rekorde steht. Dort soll es tatsächliche Stammgäste gegeben haben, die den Zungenbrecher fehlerfrei aussprechen konnten. Ob vor oder erst nach dem Genuss diverser Gerstensäfte ist nicht mehr genau überliefert. Diese Kneipe gibt es- genauso wie das erwähnte Alt Nürnberg- heute nicht mehr und auch Merkur(hier schlossen sich 1988 für immer die Eingangstüren) kennen die jüngeren Kieler nur noch vom Hörensagen. „Hier gab es wirklich alles, von Lebensmitteln über Bekleidung, ja sogar Passbilder konnten man dort machen. Heute Normalität, in den früheren Zeiten ein echtes Novum“, schwelgt Anwohnerin Göhlitz noch einmal in Erinnerungen. Heute trägt die einstige „lose Ansammlung von Geschäften“ den Namen Arkaden, ist zu einem beliebten Einkaufs-und-Verweilziel mutiert. Die Interessengemeinschaft „Die Holtenauer“ verwaltet diese und hat dem Stadtteil das neue, schöne Gesicht gegeben, attraktive Plätze geschaffen. Plätze, die nicht nur die alt eingesessenen „Holtenauer-Straßen-Eingeborenen“ anziehen. Trotzdem, ob sie nun Heikes Kate oder Merkur hießen, schön war’s damals auch…. (dief)