Der harte Weg zum Schreiben – Seit vier Jahren arbeitet Kristin Lange daran, als Autorin Fuß zu fassen

Kristin Lange macht es Spaß, Sprache auszuprobieren. Sie schreibt Kurzgeschichten und arbeitet an ihrem ersten Roman. Foto: Kirsten Böttcher

Kiel. „Mal skurril, mal ironisch“, beschreibt Kristin Lange ihre Kurzgeschichten, „oder auch ernst, und dann darf es psychologisch ein bisschen tricky sein, ein bisschen abseitig. Es geht um Menschen an Wendepunkten im Leben, Menschen in Krisen.“ Literatur wie überhaupt Kunst sei ein Weg, um dem Schwierigen im Leben, allem was bitter oder traurig ist, eine Schönheit abzugewinnen, so die Autorin: „Kunst macht schön, was nicht so schön ist im Leben.“

Vor vier Jahren fand die 1966 in Krefeld geborene und seit 2001 in der Nähe von Kiel lebende Buchhändlerin Kristin Lange zum freien Schreiben. „Die Ergebnisse haben mir gefallen, das hat mich weitermachen lassen.“ Sie kaufte sich Schreibratgeber, besuchte einen Volkshochschulkurs: „Da gab es diese Spiele mit den Sprachwürfeln. Aus drei Begriffen eine Geschichte erzählen. Salzstreuer, Birne, Reisekoffer – du ahnst nicht, was für Sachen aus dem Unterbewusstsein hochkommen“, beschreibt sie ihre Erfahrungen. Auch im Rendsburger Nordkolleg ließ sie sich in Schreib-Seminaren „auf die Schienen setzen“. Sie nahm an Wettbewerben und Ausschreibungen teil, zu lesen ist sie mittlerweile in mehreren Anthologien und auf den Internetplattformen Smartstorys und Digital Publishing. Es sei ein mühsames Geschäft, und es dauere, bis man schreiben kann. Der Prozess des Lernens sei niemals abgeschlossen, und nie, nie sei man mit seiner Geschichte zufrieden. Als Buchhändlerin weiß Kristin Lange: „Geld mit dem Schreiben verdienen, ist die eine Sache, aber davon leben kann nur ein winziger Prozentsatz.“

Vernetzt hat sie sich über den Verein „42erAutoren“ mit seinen etwa 70 Mitgliedern im gesamten deutschsprachigen Raum: „Hier finde ich Menschen, die mir helfen, wenn ich Fragen habe: zum Literaturbetrieb, zum Handwerk, wenn mir ein Wort nicht einfällt, wenn ich einen Dialekt brauche.“ Dort könne man im internen, geschützten Raum auch mal eine Kurzgeschichte, ein Romankapitel oder einen Romananfang einstellen, mit dem man noch Bauchschmerzen habe. „Die Leute sagen dir dann schonungslos, woran es ihrer Meinung nach hapert, was du verbessern kannst.“

Immer schon hat Kristin Lange viel gelesen. Klassiker aus dem 19. und 20. Jahrhundert, aber auch die Modernen haben es ihr angetan, an der amerikanischen Literatur schätzt sie das hemmungslose Fabulieren. „Man könnte ja denken, es ist alles gesagt, weil es immer wieder um die Themen Liebe, Tod und Freundschaft geht. Dass es gelingt, immer neue Wege und Facetten zu zeigen, finde ich faszinierend.“

Ihre Geschichten „Salmiakkugeln“ und „Gute Nacht, Friedrich“ sind in den Anthologien „Neue Prosa aus Schleswig-Holstein“ und „Auf der Suche nach dem Leser“ erschienen und im Buchhandel erhältlich. Seit zweieinhalb Jahren sitzt Kristin Lange an einem Roman, einer fiktiven Liebesgeschichte mit nur leicht autobiografischem Kern. „Irgendwann haben die Figuren ein Eigenleben bekommen“, beschreibt sie „diesen unheimlich schönen Moment, wenn die Protagonisten plötzlich Dinge tun, mit denen du nicht rechnest.“ Drei Stunden im Schnitt schreibt sie täglich. Fleiß, Willen, Hartnäckigkeit, eine hohe Frustrationsschwelle, Kritikbereitschaft müsse man mitbringen. Sicher auch ein bisschen Talent, aber eher die Bereitschaft, sich das handwerkliche Geschick anzueignen und sich weiterzuentwickeln. „Und wahrscheinlich klappt es manchmal trotz allem nicht. Ich habe keine Ahnung, ob ich nicht munter einer Nichtveröffentlichung entgegenschreibe. Umsonst war es dann aber nicht, denn es ist eine Geschichte, die erzählt werden will. Und das Schöne: Es gibt unendlich viele Geschichten, so viele, wie es Menschen gibt – und noch viel mehr.“

 

Mehr von Kristin Lange unter http://zweiundvierziger.de im 42er Blog.