Der Bohrer kann kommen – Vorbereitungen für den Bau des Kleinen Kiel-Kanals laufen nach Plan

Großbaustelle Kleiner Kiel Kanal: Am Südende des Kleinen Kiels laufen die Arbeiten in der Rathausstraße und in der angrenzenden Holstenbrücke auf Hochtouren. Foto: Jan Köster

Per Mess-Sonde untersuchte Feuerwerker Pascal Pusch den Baugrund nach Waffenresten. Foto: Jan Köster

„Allmählich glauben die Leute daran, dass da wirklich der Kleine Kiel-Kanal entsteht. Auch, weil die Holstenbrücke den Charakter einer Straße inzwischen verloren hat“, sagt Udo Weißel vom Kieler Tiefbauamt. Mit dem Baufortschritt ist er sehr zufrieden. Und die Kieler konnten kurzfristig sogar schon Wasserflächen in den beiden künftigen Becken in der Holstenbrücke und auf dem Berliner Platz sehen. Das war allerdings eine ungewollte Folge vieler Niederschläge und aufsteigenden Grundwassers und eine der kleinen Komplikationen, die für Udo Weißel bei einem Bauprojekt dieses Umfanges zwar nicht vorhersehbar, aber zu erwarten gewesen waren. Eine andere Überraschung war das Auftauchen alter Fundamente aus der Zeit, in der das Eckhaus Holstenstraße/Holstenbrücke gegenüber Meislahn noch weiter in die Holstenbrücke hineinragte. In den 1950er-Jahren wurde es für die Verbreiterung der Holstenbrücke teilweise abgerissen. Und die vielen Findlinge, die unter dem Berliner Platz auftauchten. – Alles kein wirkliches Problem.

Herren der Baustelle des Kleinen Kiel-Kanals waren in den vergangenen Wochen vor allem die Spezialisten des Kampfmittelräumdienstes Eggers aus Hamburg. In einem Abstand von jeweils 1,5 Metern bohrten sie ein dichtes Netz von Löchern in die aufgebuddelte Holstenbrücke. Feuerwerker Pascal Pusch und sein Team ließen Sonden in die Löcher, um nach verdächtigen Metallgegenständen zu suchen, die anschließend vorsichtig ausgegraben wurden. Gefährliche Waffenreste oder sogar Bombenblindgänger haben sie bisher nicht gefunden. In den vergangenen Tagen waren die Kampfmittelräumer verstärkt im Bereich der ebenfalls aufgegrabenen Rathausstraße, direkt vor dem Rathausplatz im Einsatz. Mit einem Taucher suchten sie sogar im Kleinen Kiel nach Kampfmitteln – in dem Bereich, in dem die Technik zur Wasserversorgung für den kleinen Kiel-Kanal gebaut werden soll.

Im Bereich der Rathausstraße sind die zwischenzeitlich wieder freigelegten Straßenbahnschienen inzwischen in Stücke geschnitten und als Schrott entsorgt worden. Sobald die Kampfmittelexperten diesen Bereich freigegeben haben, können dort die neuen Bushaltestellen gebaut werden, die als Ersatz für die Haltestellen in der Holstenbrücke entstehen: Wenn der Kleine Kiel-Kanal fertig ist, werden Busse dort nur noch durchfahren, aber nicht mehr anhalten. Die Straße, die in einer Kurve um die Südspitze des Kleinen Kiels herumführt, wird eine besonders belastbare Decke aus Spezialbeton bekommen. Normaler Asphalt würde durch den seitlichen Druck der Autos in der Kurve schnell in Wellen gedrückt werden. Bis November 2018 sollen Kurve und Bushaltestellen fertig sein.

Bis zur Fertigstellung des gesamten Kleinen Kiel-Kanals wird es voraussichtlich noch ein weiteres Jahr dauern: bis Ende 2019. Nächster Punkt im Bauablauf wird jetzt das Bohren und Gießen von 140 Betonpfeilern sein, auf denen die beiden Betonbecken des „Kanals“ ruhen werden. Ohne die Stützen könnte der Kleine Kiel-Kanal auf dem unterschiedlich weichen Kieler Untergrund teilweise absacken, Risse bekommen und undicht werden. „Das große Bohrgerät in der Innenstadt wird wahrscheinlich noch einmal ein recht spektakulärer Anblick sein“, schätzt Udo Weißel. kst