Demenz akzeptieren und verstehen

Cornelia Wulf (li.) und Inge Wolgast bieten jeden zweiten Dienstag im Monat in Preetz die Möglichkeit, sich mit gleichermaßen betroffenen Angehörigen Demenzerkrankter auszutauschen. FOTO: HOP

Preetz. Angehörige von Demenz-Patienten sind nicht allein. Im Verlauf der Krankheit gehen vor allem pflegende Angehörige durch ein Wechselbad von Gefühlen. Sie sollten sich früh Unterstützung suchen: Die Alzheimer Gesellschaft Kreis Plön bietet eine angeleitete Selbsthilfegruppe für Angehörige.

Inge Wolgast weiß, wie belastend es ist, wenn der Erkrankte pausenlos spricht und immer eine Antwort erwartet, obwohl schon längst keine richtige Unterhaltung mehr möglich ist. Wenn der Tag- und Nachtrhythmus durcheinanderkommt, weil der Demente morgens um Vier spazieren gehen möchte. Die Preetzerin pflegte ihren an Demenz erkrankten Mann acht Jahre, dann kam er ins Heim, vor vier Jahren verstarb er. Seitdem engagiert sie sich ehrenamtlich, um ihre Erfahrungen weiterzugeben und anderen betroffenen Angehörigen einen Weg zu zeigen, mit dieser Erkrankung umzugehen. Gemeinsam mit Cornelia Wulf, die aus der ambulanten Pflege und Betreuung Demenzkranker kommt, leitet sie die Selbsthilfegruppe für Angehörige an.

„Die Anfangszeit ist sehr schwierig, wenn es zu Hause nicht mehr so geht“, erzählt Inge Wolgast, „man ist hilflos und hat hundert Fragen.“ Morbus Alzheimer, aber auch andere Demenzerkrankungen, seien noch immer mit Tabus belegt, berichten die beiden Frauen. „Häufig wollen die Menschen nicht erkannt werden, die Kranken bauen eine Fassade auf, sodass nicht jeder gleich was merkt – Nachbarn dürfen nichts erfahren.“ Es liegt in der Natur dieser Erkrankung, dass man mit den Demenzkranken nicht darüber reden kann, man braucht aber Verständnis für diese Situation. In der Selbsthilfegruppe findet sich eine Interessengemeinschaft zusammen, man kann reden, einmal alles loswerden oder einfach nur zuhören.

Wichtig für Angehörige ist es, die Krankheit zu akzeptieren und zu verstehen, sind sich beide Frauen sicher. Man muss sie annehmen, denn es wird nie wieder besser. Sich Hilfe holen, sei ganz wichtig: Einen Pflegedienst kommen lassen oder den Erkrankten regelmäßig in gute Hände abgeben, um einmal Zeit für sich zu haben. Das ist auch während der angeleiteten Selbsthilfegruppe möglich. „Wir sind eine Gruppe mit viel Fröhlichkeit und Lachen“, erzählt Inge Wolgast, „und wir vermitteln über die Alzheimer Gesellschaft Unterstützungsangebote.“

Geht dem Erkrankten das Gefühl für Zeit verloren, dann kann das Stehen in der Schlange an der Supermarktkasse zu Wutausbrüchen führen und die Umgebung reagiert mit Unverständnis. Für derartige Fälle haben beide Frauen eine kleine Visitenkarte parat, die, ohne das der Demente es bemerkt, wortlos weitergereicht werden kann. Ihr Text lautet: „Ich bitte um Verständnis! Mein Angehöriger ist an einer Demenz erkrankt und verhält sich deshalb ungewöhnlich.“ „Eine sehr elegante Art, die Menschen aufzuklären“, sagt Inge Wolgast schmunzelnd.

Angeleitete Selbsthilfegruppe für Angehörige von Menschen mit Demenz, jeden zweiten Dienstag im Monat, 15:30 Uhr bis 17 Uhr, Café Duft in der Diakonie, Am alten Amtsgericht 5 in Preetz. Während dessen: Betreuungsgruppe für an Demenz Erkrankte, 14:30 Uhr bis 17:30 Uhr, Diakonie Sozialstation, Hinter dem Kirchhof 6b in Preetz. Anmeldung vor dem ersten Besuch bei Gitta Vogler, Telefon: 04522/5927050.

Das nächste Treffen findet am 9. Mai statt.