Das Schiff als Metapher für die gemeinsame Arbeit

Gaarden. „Dein Raum passt sich an dich an. Nicht du dich an ihn.“ Diese und weitere etwas abstrakte Sätze erscheinen, wenn man den Internetauftritt von „Dein Raum #reCoworking“ besucht. Doch was verbirgt sich dahinter?

Beim ersten Besuch des Recoworking-Spaces fällt zunächst eines auf: Die strahlend blaue Fassade des Gebäudes, die sich leicht verwinkelt in einer Seitenstraße in Gaarden befindet. Das macht neugierig – auch die Anwohner schauen im Vorbeigehen öfter durch die großen Fenster von „Deinem Raum“ und fragen sich, was dort genau vor sich geht. „Wir lächeln ihnen dann zu – einmal habe ich auch jemandem gewunken, doch da sind die Gaardener dann etwas vorsichtig“, sagt Maja Schinköthe und lacht.

Maja Schinköthe, die Öffentlichkeitsarbeit und Unternehmenskommunikation an der FH Kiel studiert, macht die Pressearbeit für das Projekt. Eher zufällig kam sie zu dem Kurs „Design Thinking“, der bereits seit drei Semestern vom Kieler Bildungsangebot opencampus in Zusammenarbeit mit der HTW Berlin (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin) angeboten wurde. Sie war so begeistert von der Idee und von dem engagierten Team, dass sie komplett in das Projekt einstieg und die Kommunikation übernahm. „Wir wollten etwas für die Gesellschaft tun und etwas verändern“, so die Studentin.

Diversität

Doch wie genau? Durch Coworking. Coworking ist eine moderne Weiterentwicklung der klassischen Arbeit, bei der sich meist Kreative, Freiberufler oder Startups zusammenfinden, oft in einem größeren, offenen Raum, um so voneinander zu profitieren. Doch das Team des „Design Thinking“-Kurses stellte fest, dass es fast immer dieselben Personen waren, die sich zusammenfanden und nach Innovationen strebten – oft dieselbe junge Altersgruppe (ca. 20 bis 35 Jahre alt), männlich und sehr homogen. „Daher haben wir uns gesagt: Eigentlich ist der Sinn des Coworkings die Diversität, bei der verschiedene Leute aufeinander treffen“, sagt Maja. Daher fragte sich das Team: „Was passiert eigentlich, wenn wir diese Idee des Coworkings der ‚normalen‘ Bevölkerung zugänglich machen?“

Über den Tellerrand schauen

Das Coworking-Konzept wurde daher redesignt zu „reCoworking“ – und im alten Fischgeschäft im Kirchenweg 22 in Gaarden „Dein Raum“ gegründet. Dort kann sich jeder montags bis donnerstags von 12 bis 18 Uhr einfinden, um vor Ort gegen eine Gebühr zu arbeiten – und dabei vielleicht vom Wissen des Gegenüber zu profitieren. Meist sind es Selbstständige, die zu „Dein Raum“ gehen, um dort an ihrem eigenen Projekt, aber Seite an Seite in einem Raum mit vielen anderen zu arbeiten. Durch besondere Veranstaltungen, wie der Eröffnung Mitte Januar, oder auch beim Kaffee in der Küche kommen die Menschen ins Gespräch. Dadurch wird ein Austausch ermöglicht und die Möglichkeit, einfach mal über den Tellerrand zu schauen. „Ganz oft stellt sich einfach durch das ‚Machen‘ heraus, zum Beispiel während der Veranstaltungen, dass jemand ganz besonders gut reden oder schreiben kann, obwohl er als Handwerker bisher nichts von seinen Fähigkeiten wusste.“

Beim Workshop, der im Zuge der Eröffnung am Sonnabend, 21. Januar, stattfand, sollten die Teilnehmer ein Schiff bauen. Deutlich wurde da zum einen, wer die Gruppe direkt anführte und wer sich zunächst zurückhaltend an den Rand stellte. Am besten waren für Maja aber die Ergebnisse der Schiffe. Denn das Schiff stehe als Metapher für die gemeinsame Arbeit, so Maja Schinköthe: „Wie muss das Schiff aussehen, aus welchem Material soll es bestehen, wieviele Menschen sind auf dem Schiff, wie kommunziere ich auf dem Schiff?“ Als anschließend die Schiffe präsentiert wurden, wurde deutlich: Die Menschen wünschen sich Gemeinschaftsarbeit, Mitbestimmung, flache Hierarchien, kleinere Gruppen, indivuell bleiben und sich unabhängig ausleben zu können. Ein Schiff könne schließlich auch ein Boot sein – oder aber eine Nussschale.

Gaarden wurde ganz bewusst als Standort für diese Zusammenarbeit gewählt, weil die Anwohner besonders mit Diversität leben und sich hier Menschen aller Altersgruppen befinden. Bisher begegnen die Gaardener dem „reCoworking“-Raum zwar noch mit leichter Skepsis, doch Maja Schinköthe hofft, dass sich das bald ändert. „Jeder, der Lust hat, darf gerne reinkommen und fragen stellen. Wir wünschen uns, dass die Gaardener den Willen entwickeln, hier mitzuwirken und dass sie den Raum ein bisschen zu einem Gaardener Raum machen. Wir wünschen uns, dass das es ein Raum wird, der zu Gaarden gehört.“

Preise: monatliche Nutzung: 50 Euro, eine Woche Nutzung: 15 Euro, ein Tag Nutzung: 5 Euro; Anmietung der Räumlichkeiten für größere Gruppen wie Workshops/ Konferenzen für ca. 30 Euro. Der erste Tag zum Reinschnuppern und Antesten ist kostenlos und die Nutzung ist immer inklusive Kaffee/Tee.

Dein Raum, Kirchenweg 22, Kiel, http://deinraum.sh/

 

ea