Das Ostufer feiert die Kieler Woche

Verschlagen dem Publikum an der Hauptbuehne des "Dietrichsdorfer Bandes" den Atem: Die Kinder und Jugendlichen der Showakrobatik-Truppe "Face" des TuS Holtenau. Foto: Kay-Christian Heine

Dietrichsdorf. Seit 43 Jahren feiern die Dietrichsdorfer immer am ersten Sonntag der Kieler Woche ihr Stadtteilfest „Dietrichsdorfer Band“.“

Im Mittelpunkt des bunten Treibens rund um den Dorfteich am Ivensring stehen dabei jene Menschen, die sich ehrenamtlich für die Gemeinschaft engagieren. Ausdruck dieser Wertschätzung ist die Verleihung des Ehrenamtspreises „Goldene Pogge“. Er ging am Sonntag an Marita Kähler und ihr Schulprojekt „Gesundes Frühstück“.

An die 200 Menschen haben sich vor der Hauptbühne an der Dietrichsdorfer Paul-Gerhardt-Kirche versammelt. Jetzt halten sie gebannt den Atem an. In einer vor Kraft strotzenden, dabei doch leicht und elegant wirkenden Choreographie bauen die Kinder und Jugendlichen der Holtenauer Akrobatik-Gruppe „Face“ menschliche Pyramiden, bewegen sich rhythmisch zur Musik und beweisen mit am Boden geturnten Figuren schier unglaubliche Beweglichkeit.

Was dem Publikum verborgen bleibt, ist die harte, hinter dem bejubelten Auftritt steckende Arbeit: „Die Show ist mehr als die Summe vieler Einzelleistungen“, weiß Trainerin Romy Graumann. Drei Monate arbeitet sie mit ihrem Team an solcher Choreographie. „Und bis zur Auftrittsreife vergehen noch einmal drei Wochen intensiven Trainings“, sagt sie zufrieden.

Begeistert von der Showakrobatik-Truppe ist auch Uwe Göllner. Als Sprecher des „Dietrichsdorfer Gesprächskreises“ lädt er die Gruppen und Künstler zum „Dietrichsdorfer Band“ ein und organisiert das Stadtteilfest gemeinsam mit „Gesprächskreis“-Kollegin Carina Stefan. Aber, meint er mit zwischen grauem Bart und breiter Cowboyhut-Krempe leuchtenden Augen: „So etwas haben wir hier noch nicht gehabt.“

Die Holtenauer Showakrobaten waren Teil eines Bühnenprogramms, das den ganzen Tag lang ebenso solide wie abwechslungsreiche Unterhaltung bot. Die eigentlichen Stars des „Dietrichsdorfer Bandes“ aber waren die Ehrenamtler des Stadtteils, die rund um den Dorfteich sich und ihre Arbeit den Menschen vorstellten.

So wie Peter Schümann und Heike Carlsson etwa, die dem Förderverein zur Führung der Dietrichsdorfer Stadtteilbücherei vorstehen. Sie haben 3.000 Bücher mit zum „Dietrichsdorfer Band“ gebracht und hoffen, gegen eine Spende wenigstens 500 unter die Leute zu bringen. „Trotz des Internets ist das Interesse am Buch ungebrochen“, weiß Schümann. Oder Norbert Aust, eine mit imposanter Körpergröße im Wortsinne herausragende Erscheinung im Park am Ivensring. Er sitzt dem Verein Theatermuseum Kiel vor und wirbt im Bühnenkostüm und mit Luftballons für Unterstützung beim weiteren Ausbau einer theatergeschichtlichen Sammlung. Denn: „Unsere Magazinräume in der Dietrichsdorfer Adolf-Reichwein-Schule platzen aus allen Nähten.“

Zeugnis der besonderen Wertschätzung des Ehrenamts in Dietrichsdorf ist die „Goldene Pogge“, die im Rahmen des „Dietrichsdorfer Bands“ jährlich einer ehrenamtlich besonders verdienten Person verliehen wird. Kiels Stadtpräsident Hans-Werner Tovar machte es spannend und ließ Marita Kähler bis zur letzten Minute im Ungewissen über ihren Preis, den sie dann umso bewegter entgegennahm. Sie engagiert sich im Förderverein der Toni-Jensen-Grundschule für das Projekt „Gesundes Frühstück“, das sie vor sechs Jahren ins Leben gerufen hat. Mittwochs serviert sie mit etwa einem halben Dutzend weiterer ehrenamtlicher Helfer den Grundschülern Rohkost, frisches Obst und belegtes Vollkornbrot, um ihnen einen gesunden Start in den Tag zu geben. „Auf Schweinefleisch verzichten wir der muslimischen Kinder wegen“, erklärt Marita Kähler. Die Lebensmittel werden teils von der Tafel, teils von den Eltern geliefert. „Es macht viel Freude zu sehen, mit welchem Appetit die Kinder essen“, sagt Marita Kähler. Der Preis sei ihr nun Ansporn, noch mehr Eltern für den Förderkreis zu gewinnen. Denn: „Je mehr Mitglieder, desto mehr Vielfalt haben die Kinder auf dem Teller.“ (kch)