Dansk Forsamlingshus

Sie lernen Dänisch mit Eifer und Freude: (v.l.n.r.) Rainer Bosse, Miriam Born und Veronika Schmeling. FOTO: GÖD

Holtenau. In einem Wohngebiet in Holtenau steht ein Haus mit einem unscheinbaren Schild. Darauf steht: „Dansk Forsamlingshus“. Hier trifft sich regelmäßig die dänische Minderheit.

Zum einen kommt in dem Versammlungsraum der SSW (Südschleswiger Wählerverband), also die politische Vereinigung, zusammen, doch hier trifft sich auch der Kulturverein SSF (Sydschlesvisk Forening) Holtenau. Er zählt rund hundert Mitglieder.

„Unser Ziel ist, das Dänische zu pflegen und Kontakte zu Dänemark zu halten“, sagt die Vorsitzende des Kulturvereins Mette Salomo. Außer in Holtenau gibt es in der Region noch in Friedrichsort, Gettorf und Eckernförde eine entsprechende Vereinigung. Auf dem Programm in Holtenau stehen unter anderem dänische Filme und Vorträge, zum Beispiel anlässlich des Luther-Jubiläums über die Reformation in Dänemark. „Im Norden hatte die Reformation durchgreifenden Erfolg: Dänemark ist fast ausschließlich evangelisch“, merkt die Vorsitzende an, die in Dänemark geboren ist. Auch Feiern stehen auf dem Programm, zum Beispiel das „Fest zu Sankt Hans“, wie die Mittsommernachtswende in Dänemark heißt. Zu diesem Anlass treffen sich die Mitglieder am 23. Juni, um in geselliger Runde an Feuerkörben zu sitzen und sich auszutauschen.

Darüber hinaus bietet der Verein fünf regelmäßige Dänisch-Kurse in der Woche auf unterschiedlichem Niveau an, davon zwei Literaturkurse, in denen gelesen und diskutiert wird, zum Beispiel über politische Entwicklungen in Dänemark. Das vierte Mal hat der Verein vor Kurzem einen Anfänger- und einen Intensivkurs „Dänisch“ abgehalten, die als Bildungsurlaub anerkannt werden und einmal im Jahr auf dem Programm stehen. Die Intensivkurse, die Salomo zusammen mit einer Kollegin leitet, laufen über eine Woche.

Einer der Crash-Kurs-Teilnehmer ist Rainer Bosse. Er ist Vorsitzender der SSW-Fraktion in Eckernförde. „Ich wurde angesprochen, ob ich in dieser Partei mitwirken möchte“, sagt der Eckernförder. „Mir gefällt die ruhige und besonnene Art und Weise, wie der SSW Politik macht.“ In einem Volkshochschulkurs hat er bereits erste Kenntnisse in der dänischen Sprache erlangt, die er im Intensivkurs vertiefen wollte.

Die Kursteilnehmerin Veronika Schmeling ist durch ihren Mann mit Dänemark und der dänischen Kultur in Verbindung gekommen: „Er hat Verwandte in Dänemark und viele Berührungen zu dem Land.“ Ihre Erfahrung: „In Dänemark wird man offen empfangen und erhält Hilfe, wenn man sie braucht; außerdem sind die Hierarchien nicht so ausgeprägt wie in Deutschland.“ Ihre Kinder besuchen den dänischen Kindergarten in Pries und die Jernved Danske Skole in Dänischenhagen. „Wir sind begeistert vom dänischen Schulsystem, Schule und Kindergarten sind sehr gut ausgestattet und unser Nachwuchs lernt eine zweite Sprache“, fasst die Mutter die Vorteile zusammen. Im dänischen Kindergarten und in der Schule werde ausschließlich Dänisch gesprochen.

Auch die drei Kinder der Kursteilnehmerin Miriam Born besuchen eine dänische Schule. „Mein Mann ist in Eckernförde auf die dänische Schule gegangen und unsere Kinder gehen in Ascheffel auf eine dänische Schule.“ Die Klassen seien sehr klein, so die Mutter. Sie schätzt die „offene Art“ und den „lässigen Stil“ vieler Dänen. In Dänemark ist es üblich, sich zu duzen, und so ist es im Intensivkurs selbstverständlich, dass sich die Teilnehmer, auch wenn sie Deutsch sprechen, mit „Du“ anreden. (Göd)