Brautgeschenke und Trommelwirbel – Lennart Bendixen nimmt die Zuschauer seiner Fotovorträge mit zu den Insekten

: Lennart Bendixen beeindruckt in seinen Vorträgen mit wunderschönen Fotos und umfangreichem Wissen

Mohrkirch. Formenvielfalt im Privatgarten, winzige Lebewesen bildschön und formatfüllend: „Von jagenden Milben und balzenden Schmetterlingen“ heißt einer der Fotovorträge, mit denen Lennart Bendixen auf eine Reise in die großen biologischen Themen mitnimmt: Es geht um Fortbewegung wie das Verdriften am Spinnfaden, oder als kleine Schnecke huckepack auf einer großen mitfahren. Um Lebenszyklen beginnend mit an der Hauswand klebenden Eiern, aus denen etwas kleines Schwarzes schlüpft, sich nach Häutungen verpuppt und schließlich zum Siebenpunktmarienkäfer wird, der sich paart und Eier ablegt. Die Bilder handeln von Balz und Brautgeschenken, Liebespfeilen, guten Verstecken und dem „richtigen“ Trommelwirbel. Sie zeigen Schutzstrategien, interessante Behausungen, Nahrungserwerb und Parasitismus.

Lennart Bendixen ist 29 Jahre alt und hauptberuflich Schlagzeug-Lehrer. 2011 erwarb er ein Grundstück in Angeln, baute ein Haus. Auf 3.800 Quadratmetern „pflegt“ er seinen Garten, eine einschürige Wiese. Mit zwei Teichen, jeder Menge Totholz, einem riesigen Sandhaufen, einer Steilwand für Grabwespen und Bienen, einem Lehmtümpel, der im Sommer austrocknet, und Regiosaat. Der Plan: Mit der Kamera möglichst die gesamte Tierwelt in den vielfältigen Lebensräumen auf seinem Grundstück erfassen. Von der 0,15 Millimeter langen Milbenlarve oder winzigen Springschwänzen bis zum kapitalen Damhirsch oder dem Seeadler als „Überflieger“. Schwerpunkt sind die Wirbellosen. Bendixen: „Insekten in ihrer Kleinheit und ökologischen Vielfalt faszinieren mich, sie sind ein unerschöpfliches Thema.“ Besonders angetan haben es ihm die Schlupfwespen, deren Bestimmung eine Herausforderung ist. Bei Bendixen geht das ausschließlich über das Foto und umfangreiche Literaturstudien. Ohne Töten und Präparieren, das Tier bleibt unbehelligt in der Natur. Dafür nimmt er in Kauf, bei der Bestimmung in manchen Gruppen nicht bis zur Art zu gelangen. 1.802 vielzellige Tierarten konnte er in seinem Garten bisher nachweisen, auf etwa 3.000 schätzt er das Vorkommen. Mit seinen populärwissenschaftlichen Fotovorträgen in Schulen oder bei Naturschutzvereinen rund um die Fauna seines extensiv gepflegten Gartens möchte er seine Faszination von der Natur im Hausgarten an möglichst viele Menschen weitergeben. „Das Wissen um die Natur geht verloren“, so Bendixen, „die Kinder haben kaum noch Bezug.“ Mittlerweile verfügt er über so viel Material, dass er jedes Jahr einen neuen Vortrag mit anderen Schwerpunkten ausarbeitet. Einige seiner Zuhörer seien ungläubig bis entsetzt, dass ihnen diese faunistische Vielfalt bisher entgangen ist. Regelmäßig bekomme er nach seinen Auftritten Anfragen, ob er nicht bei der Gestaltung des Gartens behilflich sein könne. Doch dafür hat er wirklich keine Zeit. Im Februar fängt er an der Uni Flensburg als Dozent in der Lehrer-Ausbildung für Sachunterricht naturwissenschaftliche Ausrichtung an.kib

Weitere Informationen unter www.lennartbendixen.de

Lennart Bendixen hält das bunte Treiben der Wirbellosen in seinem Garten fest. Hier die Schlupfwespe Excavarus apiarius vor der Eiablage an den Kopf der Blattwespenlarve Craesus alniastri, die an Schwarz-Erle frisst.