Bezahlbarer Wohnraum für Studierende

An der Ecke Sophienblatt/Hummelwiese möchte die Big-Immobilien GmbH ein Apartment-Haus für Studierende und Auszubildende bauen. Foto kae

„Wie viele Parkplätze haben Sie vorgesehen?“, so lautet meist die erste Frage, wenn Neubauvorhaben in den Kieler Ortsbeiräten vorgestellt werden. Denn im Stadtgebiet gibt es kaum einen Bezirk, in dem keine Parkplatznot herrscht. Wenn nun die Antwort des Bauherren auf diese Frage sechs lautet und es sich bei dem geplanten Neubau um ein Apartmenthaus mit 90 Wohneinheiten in direkter Bahnhofsnähe handelt, dann ist bei den Ortsbeirats-Mitglieder zunächst einmal leichte Unruhe zu spüren. So war es auch bei der aktuellen Sitzung des Ortsbeirats Mitte, in der die Pläne für das Bauvorhaben Campus Corner an der Hummelwiese vorgestellt wurden.

Die Idee, die hinter dem Campus Corner steckt, ist es, bezahlbaren Wohnraum für Studierende und Auszubildende zu schaffen. Und das Ganze zentral in der Innenstadt. So erklärte es Projektleiter Matthias Reuner von der Big-Immobilien GmbH den Mitgliedern des Stadtteilgremiums. Dafür bietet sich der Standort auf dem noch unbebauten ehemals städtischen Grundstück an der Hummelwiese/Ecke Sophienblatt perfekt an, so Reuner. Deshalb hat die Big im Herbst 2015 das 880 Quadratmeter große Grundstück gekauft und will dort nun ein Wohnhaus mit etwa 90 kleinen Apartments, Gemeinschaftsräumen und Möglichkeiten zur gewerblichen Nutzung im Erdgeschoss bauen. 60 Apartments hat die Stadt Kiel bereits für 20 Jahre für die Internatsschüler der Kieler Berufsschulen gemietet. Die restlichen 30 Apartments, die alle eine Größe von etwa 18 Quadratmetern haben und eine Kochnische sowie ein kleines Bad beinhalten, sollen an Studierende vermietet werden.

„Wir wollen, dass der Wohnraum dort bezahlbar ist!“, erklärte Matthias Reuner den Mitgliedern des Ortsbeirats mehrfach. Deshalb gebe es auch nur sechs Stellplätze für alle Bewohner. „Der Bau einer Tiefgarage würde die Mieten deutlich in die Höhe treiben“, so die Begründung des Projektleiters. Zudem sei die Zielgruppe der Bewohner nicht auf ein Auto angewiesen: „Die Internatsschüler sind zwischen 16 und 18 Jahre alt und haben meist noch gar keinen Führerschein. Sie und die Studierenden können gut den ÖPNV nutzen. Fast alle Kieler Buslinien halten direkt vor der Haustür“, erläuterte Reuner.

Architektonisch soll sich das neue Gebäude in die Umgebungsbebauung einfügen. „Für die Fassade haben wir einen rötlichen Backstein gewählt. Und die Gauben im Dach sind typisch für die Häuser entlang des Sophienblatts“, so Architektin Jennifer Goletz. Bodentiefe Fenster sollen die kleinen Wohnungen heller machen. Durch Leichtbauwände im Inneren sei eine Nachnutzung des Gebäudes problemlos möglich. Für die vorgesehen Gewerbeflächen im Erdgeschoss können sich Projektleiter und Architektin beispielsweise die Eröffnung eines kleinen Cafés vorstellen.

Die Stadt hat bereits ihr Okay zum Bau des 8,8 Millionen Euro teuren Bauprojekts Campus Corner gegeben. Auch die Mitglieder des Ortsbeirats Mitte hatten nichts dagegegen einzuwänden. Jasmin Bauer (SPD) wies lediglich darauf hin, dass der Eigentümer darauf achten soll, dass die Apartments auch wirklich an Studierende und Auszubildende vermietet werden, die sich nichts anderes leisten können. kae