Besuch beim Mann mit den Masken

Julien Padubrins ist professioneller Maskenbauer: Hier modelliert er gerade das Tonmodell einer Dämonenmaske. FOTOS: WIN

Kiel. Orks, Dämonen, Totenköpfe bevölkern den Stadtteil Südfriedhof. Den ganzen Südfriedhof? Nein, die meisten leben bei Julien Padubrins, ihrem Erschaffer. In Regalen, auf der Werkbank. Ganze Orks, ganze Dämonen? Nein – denn der Mann mit dem sanften Blick ist Maskenbildner.

Das Haus, in dem die Masken entstehen, könnte aus der Gründerzeit stammen, eine Dönerbude lädt zum Mittagstisch. Die Haustür schmal, im Treppenhaus eine musikalisch knarrende Treppe, Schlitze in den Wänden, noch nicht verputzt. Eine Wohnungstür öffnet sich. Lächelnd, mit einer Kappe auf dem Kopf, bittet er in seine Wohnung, in der er gleichzeitig arbeitet: Julien Padubrins, 36 Jahre alt, gelernter Tierheim- und Pensionstierpfleger. Arbeitshose, unter der Kappe schauen ein, zwei kurze Rastazöpfe hervor, an den Füßen Pantoffeln. Die Wohnung lädt dazu ein, die Schuhe auszuziehen.

In der Werkstatt herrscht Ordnung. Auf dem grünen Marmortisch – „den habe ich gefunden, als ich hier eingezogen bin“ – liegen zwei Gebilde, sorgfältig von Plastiktüten abgedeckt.

Das fertige Tonmodell einer Orkmaske.

Darunter: Tonköpfe seltsamer Wesen. „Auf den Tonköpfen entstehen meine Latexmasken, sie bilden die Grundlage.“ Julien Padubrins arbeitet hauptsächlich für die LARP-Szene. LARP, Live Action Role Play, eine Art lebendig gemachtes Dungeons & Dragons in der wirklichen, wahren Welt, lebt davon, dass sich Spieler in existierende Fantasywelten wie zum Beispiel Tolkiens Mittelerde träumen, einen eigenen Charakter erschaffen und diesen dann gemeinsam mit anderen Spielern in großangelegten Veranstaltungen miteinander spielen. Oder so ähnlich – wichtig jedoch ist, dass die Charaktere möglichst gut ausgestattet sind, um die Illusion anderer Wesen in einer anderen Zeit in einer anderen Welt möglichst kraftvoll zu gestalten.

„Und dazu gehören dann auch meine Masken.“ Diese entstehen aus Füssiglatex, können aufgesetzt werden, sind kunstvoll bemalt und – je nach Kundenwunsch – mit Haaren besetzt. Und echte Kunststücke. Je nach Detailreichtum und Größe der Masken dauert es schon mal bis zu sechs Wochen, bis die Latexmaske fertig ist. „Außen ist der Charakter zu sehen – und im Inneren der Maske ein Negativ des Gesichts des Trägers.“ In einem aufwändigen, vielschrittigen Verfahren sorgt der Künstler dafür, dass die Transformation des Maskenträgers in Ork oder Dämon einen hohen Tragekomfort hat. Anhand eines Gipsabdrucks des Gesichts des Trägers wird sie genau auf dessen Gesicht und Kopf zugeschnitten. Und passt.

„Ganz billig ist das nicht.“ Nein, ganz billig nicht, für die viele Handarbeit und Kreativität, die in die Entstehung der Masken fließt, jedoch sehr günstig. Auch im Vergleich mit seinen Kollegen. Seit zehn Jahren lebt Julien Padubrins hauptberuflich von seinem Maskenbau. Nun ist er ein wenig müde geworden. „Ich möchte wieder freier sein.“ Nicht mehr immer in der Werkstatt stehen und Masken bauen.

Konsequent sucht er nun einen Job, neben dem er seinen Maskenbau weiterbetreiben kann. Dann vielleicht in einem kleinen Häuschen mit seiner Freundin und den beiden Huskiemischlingen, draußen, auf dem Land.

Wo die Orks – und seine Fantasie – mehr Auslauf haben. (win)

Mehr Informationen und Bilder unter www.padubrins.com